Donnerstag, 13. Dezember 2012
Adventsruhe
Sonntagmittag, mal eben den Wagen aus der Garage fahren, draußen auf der Straße parken, wieder zurücklaufen, ein falscher Tritt aufs Eis, und mit dem unguten Knacken des Beins beim drauf Fallen werfen sich innerhalb einer Sekunde die Planungen der nächsten zwei Monate über den Haufen.

Ins Klinikum mit geschwollenem Knöchel, abgetastet und geröngt zeigt sich schließlich ein gebrochenes Wadenbein (s. Abb. 1), das lt. Arzt am besten unverzüglich operiert gehört, bevor das ganze Bein anschwillt und eine OP für die nächsten 2-3 Tage unmöglich macht. So liege ich keine drei Stunden nach dem Fall schon in der OP-Vorbereitung und werde an dieser Stelle nur noch von einem ungeduldigen Baby überholt.

Eine Stunde später dann komme ich dran, noch in Überspielung meiner Nervosität mit Narkosearzt und OP-Schwester gescherzt, dass sie leider das falsche Equipment benutzen, dann wird es dunkel und sie schrauben mir ein wenig handelsübliches Eisen ins Bein (s. Abb. 2), damit das Geröll wieder ordentlich zusammenwachsen kann.

Abb. 1: vorher — Abb. 2: nachher
Die tiefen, starken Knochenschmerzen der OP, die auch durch die Watte aus Opiat durchscheinen, verschwinden gottseidank am nächsten Mittag, als hätte sie jemand ausgeknipst. Zwei Tage auf Station mit täglicher Krückengymnastik (kenn ich noch vom letzten Mal), viele Sudokus und zwei Bücher (u. A. Suna: wunderbarer Roman!) später werde ich nach Hause entlassen, und da sitzliege ich jetzt auf der Couch und sehe einer Weihnachts- und Neujahrszeit entgegen, die zwangsweise deutlich ruhiger werden wird als geplant. Natürlich nur für mich, die arme Möwe hat jetzt auch noch einen Halbinvaliden am Hals.

Weihnachtseinkäufe in der Stadt machen, Ballettaufführung an Weihnachten, Messe Ende Januar in Dubai: Alles über den Haufen geworfen. Wie doof!

Andererseits: Verdammt, wie glücklich und privilegiert ich bin. Eine medizinische Versorgung, die mir binnen Stunden nach dem Unfall eine Operation nach heutigen medizinischen Standards ermöglicht, in steriler Umgebung, mit allen nötigen (Schmerz-)Medikamenten, gepflegt von ausgebildeten Fachkräften in einem modernen Haus, bezahlt von einer Solidarkasse, deren Beiträge mich finanziell nicht überfordern werden. Eine Arbeitsstelle, die mir nicht aufgrund der Fehlzeit verloren geht, mit weiterhin bezahltem Gehalt (und, sollte ich tatsächlich länger als sechs Wochen ausfallen, immerhin mit einem ansehnlichen, daran anschließenden Krankengeld von der Kasse) und einen Job, für dessen Eignung die Leistungsfähigkeit meines Sprunggelenks wirklich nur nebensächlich ist. Familie, Kollegen und Freunde off- wie online, die mitfühlen und mir von Herzen gute Besserung wünschen. Und eine Frau an meiner Seite, die mich begleitet und für mich da ist, praktisch (versucht mal, eine volle Kaffeetasse mit Krücken durch die Zimmer zu tragen) aber natürlich vor allem seelisch.

Es gibt wirklich Schlimmeres.

[giardino, 14:03] Permalink (10 Kommentare) 579



Dienstag, 20. November 2012
Als da wäre: ein Stapel immer noch nicht verbloggter Sardinienfotos, ein Stapel Miniaturwunderlandfotos, eine Reihe kleiner, womöglich blogwürdig gewesener, aber schon wieder vergessener Gedanken oder Geschichtchen – die Arbeit frisst mich und das meiste von dem, was ich mir vornehme, zurzeit einfach auf. Happs.

[giardino, 07:31] Permalink (3 Kommentare) 361