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Mittwoch, 1. Oktober 2008

car park sunset
[giardino, 17:22] Permalink (2 Kommentare) 339
Dienstag, 30. September 2008
So in zwei Wochen
Sie nennen dich Projektleiter. Du sollst ein komplett neues Produkt zur Lieferreife begleiten. Das Projekt ist da, formal alles aufgesetzt und in Arbeit. So glaubst du tatsächlich, ein Projekt zu leiten: Aufgaben zu verteilen, ihre Erledigung zu kontrollieren, Steine aus dem Weg zu räumen, solche Dinge. Es gibt Prozess- und Rollenbeschreibungen in Hülle und Fülle, so glaubst du, alle notwendigen Arbeitsschritte und Schnittstellen seien bekannt und beschrieben. Du hast dem Projekt beigeordnete alte Hasen für Qualitätssicherung, Logistik, Kaufmännisches, Kundenservice, Fertigung, so glaubst du, wenn du sie gefragt hast, kannst du dich auf ihre Einschätzung und Informationen verlassen.
Du Narr.
Du leitest das Projekt nicht, du bist nur irgendwie für alles verantwortlich. Du verteilst keine Aufgaben und kontrollierst ihre Erledigung, sondern berichtest, was du alles getan hast und die anderen kontrollieren die Umsetzung und klären dich darüber auf, scheibchenweise, was du alles noch nicht getan hast. Die Prozess- und Rollenbeschreibungen sind zu grob, als dass sich die tatsächlich zu erledigenden Schritte oder auch nur Schnittstellen zu anderen Abteilungen daraus ableiten ließen. Von den alten Hasen kennt jeder sein eigenes Puzzlestück in- und auswendig, aber niemand kennt das zusammenhängende Bild mit der vollständigen Liste aller Aufgaben. Erst, wenn du den nächsten Schritt erledigt hast, fällt ihnen ein (oder irgendjemand anderem auf), dass ja jetzt auch noch dieser oder jener Schritt zu tun sei, und irgendjemand verweist dich auf den x-ten Kollegen, den du bisher noch nicht kanntest und den mit seiner Arbeit verbundenen Subprozess, den du bisher auch noch nicht kanntest.
Und du weißt, dass nicht einmal böser Wille im Spiel ist, alle sind freundlich, kooperativ und handeln nach bestem Wissen und Gewissen. Es gibt niemanden, den du schütteln kannst. Keine Eskalationsinstanzen. Denn in den anderen Projekten, die mehr oder weniger seit Jahren vor sich hinlaufen mit ihren nur inkrementellen Produktweiterentwicklungen, da funktioniert ja auch alles, ohne dass jemand den Gesamtüberblick hätte. Haben müsste.
Die Systemkomponenten sind längst fertig entwickelt, es geht nur noch um Fertigungs- und Lieferfreigabe. Und so kämpfst du weiter gegen die Windmühlenflügel der großen Firma, bekommst zunehmend schärfere Fragen, warum dieses Projekt nicht fertig werde, kannst aber nicht einmal konkrete Gründe benennen. Und auf die Frage, wie lange es denn jetzt noch dauere, kannst du nur immer das wiedergeben, was dir die alten Hasen seit Mitte August zu jedem Zeitpunkt sagen: So in zwei Wochen.
Ich werde es jetzt umbenennen, in Das Projekt, das so in zwei Wochen fertig sein wird.
Du Narr.
Du leitest das Projekt nicht, du bist nur irgendwie für alles verantwortlich. Du verteilst keine Aufgaben und kontrollierst ihre Erledigung, sondern berichtest, was du alles getan hast und die anderen kontrollieren die Umsetzung und klären dich darüber auf, scheibchenweise, was du alles noch nicht getan hast. Die Prozess- und Rollenbeschreibungen sind zu grob, als dass sich die tatsächlich zu erledigenden Schritte oder auch nur Schnittstellen zu anderen Abteilungen daraus ableiten ließen. Von den alten Hasen kennt jeder sein eigenes Puzzlestück in- und auswendig, aber niemand kennt das zusammenhängende Bild mit der vollständigen Liste aller Aufgaben. Erst, wenn du den nächsten Schritt erledigt hast, fällt ihnen ein (oder irgendjemand anderem auf), dass ja jetzt auch noch dieser oder jener Schritt zu tun sei, und irgendjemand verweist dich auf den x-ten Kollegen, den du bisher noch nicht kanntest und den mit seiner Arbeit verbundenen Subprozess, den du bisher auch noch nicht kanntest.
Und du weißt, dass nicht einmal böser Wille im Spiel ist, alle sind freundlich, kooperativ und handeln nach bestem Wissen und Gewissen. Es gibt niemanden, den du schütteln kannst. Keine Eskalationsinstanzen. Denn in den anderen Projekten, die mehr oder weniger seit Jahren vor sich hinlaufen mit ihren nur inkrementellen Produktweiterentwicklungen, da funktioniert ja auch alles, ohne dass jemand den Gesamtüberblick hätte. Haben müsste.
Die Systemkomponenten sind längst fertig entwickelt, es geht nur noch um Fertigungs- und Lieferfreigabe. Und so kämpfst du weiter gegen die Windmühlenflügel der großen Firma, bekommst zunehmend schärfere Fragen, warum dieses Projekt nicht fertig werde, kannst aber nicht einmal konkrete Gründe benennen. Und auf die Frage, wie lange es denn jetzt noch dauere, kannst du nur immer das wiedergeben, was dir die alten Hasen seit Mitte August zu jedem Zeitpunkt sagen: So in zwei Wochen.
Ich werde es jetzt umbenennen, in Das Projekt, das so in zwei Wochen fertig sein wird.
[giardino, 11:43] Permalink (11 Kommentare) 928
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