Donnerstag, 30. Oktober 2008
Felsenwände

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[giardino, 17:06] Permalink (9 Kommentare) 782



Welches Wetter hätten's denn gern?
Ganz außergewöhnlich fand ich auf Gomera zwei Dinge: Topologie und Klima. Dass die Insel bei einem Durchmesser von 20-25 Kilometern mit knapp 1500 Metern einen bemerkenswert hohen Gipfel hat, wusste ich vorher. Dass es weiter oben frisch und wolkig sein würde, konnte man auch von der Küste des sonnigen Valle Gran Rey aus erahnen, wo wir am ersten Abend ohne Umweg über die Inselmitte direkt mit der Fähre gelandet waren.

Wie zerklüftet diese Insel aber ist, und wie sich das im Zusammenspiel mit dem beständigen Passatwind auf das Klima in den verschiedenen Tälern auswirkt, das wurde erst in den letzten drei Tagen des Urlaubs klar, als wir einen Kleinwagen gemietet hatten, mit dem wir die Insel jenseits des Tals erkunden konnten.

Interaktive Kartenansicht
Topologie Gomeras (Google Maps)
Der Passatwind schiebt von Nordosten warme, feuchte Atlantikluft heran und die Insel hinauf, wo sich ab einer Höhe von 800-1000 Metern Wolken bilden. Dadurch sind die nordöstlichen Täler stets mehr oder minder bewölkt und ihre Hänge grün; im Tal von Hermigua beispielsweise können dadurch im (vergleichsweise) großen Stil Bananen angebaut werden. Oben in der Inselmitte herrscht ständiger Wolkennebel (bei teilweise enormen Windstärken), wodurch sich ein einzigartiger Nebelwald bilden konnte, tiefgrün, voller Lorbeerbaumarten, riesigen Löwenzahnen, Farnen, Moosen und komplett mit Flechten überzogenen Bäumen. (Flechten sind eine Symbiose von Pilzen und Algen, die Unmengen Wasser aus der Luft filtern können. Wusste ich vorher auch noch nicht.) Im Süden und Südosten der Insel dagegen fällt die Luft wieder wie Föhn hinab und sorgt für wüstenartige Täler.

Das Irre ist die Beständigkeit dieser Wetterlage. Wollen Sie warmes Badewetter? Leichte, feuchte Bewölkung? Windstille? Sturm? Kalten Nebel? Wüste? Setzen Sie sich einfach ins Auto und fahren Sie ein paar Kilometer an die entsprechende Stelle. Wobei, etwas Zeit (und festen Magen) sollten Sie mitbringen; 8 Kilometer Luftlinie können hier schnell 15 Kilometer Strecke und 25 Minuten Fahrzeit bedeuten, während der Sie permanent im 2. Gang am Lenkrad kurbeln. Denn unglaublich steil ist es und die Straßen klein und kurvig.

[giardino, 13:33] Permalink (1 Kommentar) 741



Mittwoch, 29. Oktober 2008
La Gomera

das da im Dunst ist schon die ganze Insel
Zwei Wochen Urlaub sind vergangen und wir sind wieder zurück. Der erste seit Jahren, zu dessen Ende hin ich nicht wieder das Gefühl hatte, er hätte zu kurz gedauert, um mich zu erholen — dass ich andererseits nicht gegen mehr protestiert hätte, versteht sich von selbst. In der geheizten Wohnung und bei grauem, nassem Novemberniesel draußen erstaune ich immer noch jedes Mal, wenn ich im Spiegel die Farbe in meinem Gesicht sehe, die ich so gern an mir mag, weil sie meine Augen leuchten lässt, aber bis spätestens nächste Woche im Büro wieder zum Hauch verblasst sein wird.

So viele Eindrücke, so viele Fotos mitgebracht, obwohl wir die ersten zehn Tage sogar nur am Strand verbracht haben. Erst ein Kommentar von Frau Diagonale in Peddis Blog (der schon länger monateweise auf Gomera lebt und Bloggerdorf mit Bildern und Eindrücken versorgt), in dem ich kommentiert hatte, als ich einmal ausnahmsweise kurz online war, brachte mich auf den Gedanken, dass man ja auch hätte Leute kennenlernen können, stimmt. Worauf wir aber überhaupt keine Lust verspürt hatten; das kleine Apartment, unsere Strand- und Spaziergänge, Bücher und so drängende Fragen, ob man jetzt noch einen Kaffee an der Strandpromenade trinkt oder was wir abends kochen würden, waren uns Erfüllung genug. Ein paar Tage vom gestohlenen Sommer, gemeinsam nachgeholt und als Licht und Wärme unter der Haut gespeichert, ein kleiner Vorrat für die kommenden Monate.

Playa del Inglés

[giardino, 20:01] Permalink (4 Kommentare) 391