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Freitag, 6. März 2009
Lebendige Fotos
Es hat seinen Grund, dass in diesem Blog so gut wie nie Videos zu sehen sind. Nicht nur habe ich bislang einfach nichts eigenes produziert. Auch stört mich die visuelle Vereinnahmung und Unruhe, die - wie ich finde - den Charakter eines Blogs verändert, beziehungsweise dazu passen sollte.
Eine Form aber, die mich sehr begeistert und die ich mir sehr gut auch in diesem Blog vorstellen kann, habe ich bei Fabian Mohr entdeckt. Er schreibt darüber:
Ich finde das eindrücklich und zauberhaft. Und stelle mir vor, wie schön es wäre, könnte ich dieses Panel auf ähnliche Weise zum Leben erwecken.
Eine Form aber, die mich sehr begeistert und die ich mir sehr gut auch in diesem Blog vorstellen kann, habe ich bei Fabian Mohr entdeckt. Er schreibt darüber:
Im Prinzip geht es um weitgehend unbearbeitete, kurze Videosequenzen, die einen Augenblick festhalten. Kein Storytelling, kein Sprecher. Nur Footage.Was das heißt und wie sich auch mehrere solcher illustrativen Videos zu einer Stimmungscollage verdichten können, sollten Sie sich bei Fabian Mohr ansehen, zum Beispiel in seinen Einträgen Tag am Meer, Februar und Grau. Wenn Ihre Rechnergeschwindigkeit und Bandbreite es zulassen, lassen Sie ruhig auch mehrere Videos gleichzeitig abspielen.
Man kann es sich wie ein Foto vorstellen, das bei Knopfdruck zu leben beginnt.
Was man mit solchen Videos erreichen will, mag variieren: 60 Sekunden Bewegtbild können erklären, verdeutlichen - oder Atmosphäre und Stimmungen transportieren.
Ich finde das eindrücklich und zauberhaft. Und stelle mir vor, wie schön es wäre, könnte ich dieses Panel auf ähnliche Weise zum Leben erwecken.
[giardino, 00:21] Permalink (11 Kommentare) 525
Montag, 2. März 2009
Ich mag den Duft des Orangenöls, kann durch den Dampf das Pärchen auf der anderen Bank kaum sehen, heißes Kondenswasser tropft von der höhlenartig verputzten Decke auf mein Knie, ich sehe kleinsten Schweißperlen zu, wie sie im Zeitraffer aus meiner Haut wachsen und sich zu Tropfen zusammenschließen, nach vielleicht zehn Minuten stehen wir auf, ich muss ein bisschen aufpassen mit dem Kreislauf, kaltes Wasser schwallt schwer und weich über Kopf und Schultern, ein wenig schwindlig laufe ich zur Liege, trockne mich ab und mache es mir mit dem Buch bequem, esse zwischendurch einen Schokoriegel, vergesse lesend ganz die Zeit, bis wir irgendwann beschließen, nach draußen zum Blockhaus zu gehen, dort angekommen laufen wir nach Öffnen der Glastüre gegen eine Wand aus dickflüssiger Hitze, 97°C sagt das Thermometer, die Luft schmeckt nach Holz, hoffentlich schläft der Mann, der sich gerade hingelegt hat, hier nicht ein, nach gut zehn Minuten wieder raus, kalte Dusche, dann kurz ins Außenbecken, wie großartig, draußen nackt und nass in der Kälte stehen zu können und nicht zu frieren, dann schlürfen wir drinnen einen Milchkaffee, schauen den Pärchen und älteren Menschen zu, wie sie von Saunagang zu Saunagang schlappen, lassen uns zwischendurch ein bisschen vom Whirlpool durchknubbeln, lesen wieder, plötzlich sind schon drei Stunden vergangen, es ist dunkel geworden, Badehose an und nochmal rüber ins Schwimmbad, ins warme Außenbecken dort, Silhouetten von Köpfen und Oberkörpern wogen vorm Gegenlicht in den aufsteigenden Dampfschwaden, was für ein großartiges Foto das geworden wäre, drinnen die beiden Rutschen ausprobieren, eine davon mit unglaublicher Geschwindigkeit und Stroboskoplichteffekten, bei denen ich ganz die Orientierung verliere, bis mich die Röhre nach langen neunzehn Sekunden ins Landebecken spuckt, »Achtung—Nichtschwimmer— Wellenbetrieb« blechert der Lautsprecher und lässt mich an Raketenbasen von bösen James-Bond-Gegnern denken, wo auch immer technokratische Stimmen solche Durchsagen machen, wir laufen zum Wellenbecken, lassen uns nochmal einen Betrieb lang treiben, und dann steigen wir schließlich aus dem Wasser, ziehen uns in den Kabinen an und fahren nach Hause, erschöpft und hungrig und warm und ein bisschen glücklich.
[giardino, 00:33] Permalink (5 Kommentare) 380
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