Dienstag, 7. Juli 2009
Tag 6
Dienstag, 16. Juni 2009

Vergeblich nach einem Restmüllcontainer in der Nähe des Hauses gesucht. Am Telefon werden wir von der Möwenschwester aufgeklärt, dass man hier mittlerweile alles trennt: Plastik, Restmüll, Bio, Metall, Papier, Batterien, Farben... Das meiste jeweils in eigenen, farbigen Tüten, die an jeweils anderen Tagen abgeholt werden. Komme mir vor wie im Landkreis Forchheim. Beschließen kurzerhand, für die kurze Zeit unseres Aufenthalts zu Mülltouristen zu werden. Ich finde ja nicht, dass man den Deutschen alles nachmachen muss.
Der Wind ist heute morgen stürmisch, deswegen entschließen wir uns zu einer Rundfahrt durchs Iglesiente. Verlassene Minengebäude überall. Gomeraneske Bergsträßchen rauf- und runtergekurvt. Mittags in einer von sardischen Arbeitern vollen Dorfbar Rast gemacht. Wo wir das Auto auch verlassen, knallt die Sonne heute erbarmungslos nieder, und besonders windig ist es hier auch nicht mehr.

Ein end- und schattenloser Sandstrand bei Portixeddu. Wir nehmen ein kurzes Bad zum Abkühlen. Kommen danach an Buggeru vorbei, am Pan di Zucchero (das ist dieser kreuzförmige, vorgelagerte Felsen), sehen mehr Minen, mehr Hitzekesselstrände.
Schließlich fahren wir ins Landesinnere nach Iglesias, der alten Bergarbeiterstadt, und freuen uns über hübsche und schattige Altstadtgassen.
Auf der Heimfahrt in verschiedensten Geschäften vergeblich nach einfachen, weißen, dickwandigen Espressotassen gesucht. Heftigen Steinschlagkratzer am Auto entdeckt, von dem nicht klar ist, ob wir ihn verursacht haben. Mist.

Am Ende des Tags grundlos niedergeschlagen. Beschlossen, erst einmal nicht mehr den ganzen Tag mit dem Auto in der Hitze rumzukurven.

Abendessen: Nudeln mit Butter und Parmesan, gebratene Paprika und Zucchini.
  

[giardino, 15:39] Permalink (4 Kommentare) 1065



Hamburg
Was gibt es Schöneres, als bei guter Musik, mit einem Bier in der Hand und zusammen mit liebgewonnenen Menschen durch den Hamburger Hafen zu schippern, vorbei an Containerfrachtern, Lastkränen, Marineschiffen, unter Brücken und durch Schleusen, Stunde um Stunde, während die Sonne nur langsam sinkt, so langsam, wie sie es hier im Norden tut, und schließlich helle und milde Nacht zurücklässt.

Und wenn dann am nächsten Tag gleich noch ein Geburtstag zu feiern ist, der erst einmal mit einem Balkonfrühstück bei Sonnenschein beginnt, man eine musikalische Privatvorstellung von einem leidenschaftlichen Folksänger bekommt und später noch mehr von diesen Menschen trifft, teilweise zum ersten Mal, deren Gedanken man sonst regelmäßig liest, dann weiß ich wieder, warum ich dieses Internet mit seinem altmodischen Blog- und neumodischen Twitterdings so liebe, ohne das das alles nie gewesen wäre.

[giardino, 13:06] Permalink (9 Kommentare) 1214



Dienstag, 16. Juni 2009
Tag 5
Heute fahren wir die Küstenstraße zwischen Teulada und Chia entlang. Zwanzig Kilometer Felsenküste, darin kleine Buchten eingebettet, einige mit Kieselstrand, andere mit Sand, und in allen schwappt ein grünblaues Wasser wie aus dem Karibikreisekatalog. An einer halten wir schließlich an, kaum Leute, wir schwimmen eine Runde und fahren weiter.

In Chia, wo die hügelige Felsküste einem kilometerlangen Strand mit flachem Hinterland weicht, ist alles schon wesentlich touristischer, größer. Wir parken unter Pinien, laufen zum Turm und am kleineren Strand entlang, lassen uns von der Brise kühlen.

Chia
Große, saftige, frische Feigen! Okay, man sollte in so touristischen Orten besser nicht vom Straßenrand kaufen, wie wir später an den Preisen im Supermarkt sehen. Aber geschmeckt haben sie fantastisch.

Der Geruch italienischer Panini. Bei diesen Temperaturen bekommen Tomaten im Brot ihre eigentliche Bedeutung.

Über die Hügel, weg von der Küste fahren wir nach Teulada zurück und kommen uns auf zehn Kilometern vor wie auf Gomera, wie wir im zweiten Gang durch die Serpentinen kurbeln. Im eher ruhigen, einheimisch wirkenden Teulada trinken wir am kleinen Platz in der Ortsmitte eine Cappuccino. Für einen Euro!

Um nach Hause zurückzukehren, ist es zu früh, so fahren wir durch die von meterhohem, blühendem Oleander gesäumte Straße zurück an eine der Buchten von heute morgen, an der wir nicht gehalten hatten, die aber besonders idyllisch schien. Ein Teil des Strands ist von einer etwa zwei Meter hohen Erdkante gesäumt, und ganz wunderbar wächst an einer Stelle ein Baum waagerecht darüber und spendet Schatten. Natürlich ist der Platz belegt.
Ich klettere die Felsen am Wasser entlang und sehe zu, wie das Wasser darüber schwappt und das Licht in Netzen darüber wabern lässt. Was für ein wunderbarer Ort. Ich spüre, wie in mir langsam eine glückliche Ruhe einkehrt.

[Geplätscher sehen und hören, 2MB]

Abendessen: Gebratenes Schweinekotelett, Salat, geröstetes Brot
  

[giardino, 01:30] Permalink (1 Kommentar) 1040