Samstag, 10. Juli 2010
Sie lieben Lebensmittel
Als der junge Kassierer in meinem Edeka neulich die Kugel Radicchio als Rotkohl abrechnete (0,19€), musste ich sehr grinsen. Gesagt hab ich ihm nichts, soviel Ahnungslosigkeit gehört meiner Meinung bestraft. Der geringe Preis war außerdem nur eine sehr kleine Wiedergutmachung für die vielen Male, die ich mich wegen mangelnder Auszeichnung der Obst- und Gemüsepreise schwarz geärgert hatte.

Aber als nun gestern eine andere, ebenfalls junge Kassiererin die Artischocken nach kurzem Blättern in einer Preisliste als Kaktusfeigen (!) eintippte (1,29€ statt 1,99€), machte mich das nachdenklich und betroffen. Lernt man im Zeitalter der Industriefertigprodukte nicht mehr, wie unsere Grundnahrungsmittel aussehen und heißen? Sollte man den armen Kassenkräften vielleicht ein Bildwörterbuch schenken? Oder besser noch Jamie Oliver anrufen, dass er mal meinen Edeka besucht?

Ach was, natürlich werde ich jetzt dranbleiben. Ich glaube, als nächstes probiere ich Rote Bete.

[giardino, 10:11] Permalink (15 Kommentare) 799



Donnerstag, 1. Juli 2010
Es lief wirklich nicht schlecht; aus dem letzten, einstündigen Gespräch mit dem potentiellen neuen Teamleiter und zugeordnetem "Senior"-Kollegen vor knapp drei Wochen ging ich mit einem richtig guten Gefühl. Aber dann kamen wohl noch ein paar andere Bewerber, welche mit mehr Erfahrung aus der klinischen Disziplin, um die es gehen sollte. Jedenfalls bin ich raus.

Ich weiß, manchmal sollte man aufgeben zu hoffen, um Neues, Besseres links und rechts davon zu sehen. Aber auf irgendetwas in greifbarerer Nähe muss ich gerade hoffen — dann eben auf die Zusammenlegung unserer Geschäftseinheit mit einer anderen, die sicher mit weiteren Verschiebungen einhergehen wird. Irgendetwas dabei wird mich an eine neue, befriedigendere Position spülen. Spülen müssen. Ich meine, wie soll man seine Geduldsvorräte denn sonst mal wieder auffüllen? Hm, Schicksal? Hey, ich red mit dir!

Das Ironischste am heutigen Tag war dann aber — neben meinem 10jährigen Firmenjubiläum, was aber niemanden interessiert — dass unser Geschäftsführer zum ersten Mal in den zwei Jahren, die ich dort bin, aufmerksam zugehört hat, was bei meinem Produkt grundsätzlich schief läuft. Erstmals ohne meine Aussagen unwillig wegzuwischen hat er meine Sichtweise im Gegenteil voll bestätigt. Und mich auch noch explizit entlastet.

Wenn er selbst nicht, wie zumindest der Flurfunk zu wissen meint, in Kürze als unser Geschäftsführer abträte, ich hätte fast noch Lust bekommen, wie bisher weiterzumachen.

[giardino, 23:28] Permalink (12 Kommentare) 675