... neuere Einträge
Mittwoch, 12. Oktober 2011
Kreta, Tag 8-10
10.10.
Das Wetter kann sich nicht recht für irgendwas entscheiden, deswegen entscheiden wir uns, das am Vortag geschlossene Kloster samt der dahinter liegenden Schlucht aufzusuchen. Das Kloster ist schon wieder geschlossen, diesmal außer der Reihe wegen irgendeines griechischen Grundes, den wir auf dem Zettel an der Tür nicht entziffern können. Dann eben nicht. Wir laufen ganz alleine den Weg dahinter hinunter, zwischen nur mit einigen Sträuchern und Olivenbäumen getupften, ansonsten kahlen Hängen, deren staubige Sommerhitze auch jetzt im Oktober noch gut zu erahnen ist. Zuerst gelangen wir an eine Tropfsteinhöhle, aufgrund eines klobigen Stalagmiten in der Mitte Bärenhöhle genannt, wo man in den Eingang gleich noch eine kleine Marienkapelle gebaut hat, in der es modrig riecht und — natürlich — ein paar Ikonen hängen. Weiter bergab geht es zu den Überresten eines weiteren Klosters aus dem 17. Jahrhundert, das man kühn über die Schlucht gebaut hat, und das mal wieder die Frage aufwirft: Warum gründet man Klöster so oft völlig abseits aller Wege und Versorgungsmöglichkeiten in der Einöde? Schon klar, Gottesnähe und so, aber ist das nicht ein bisschen gemogelt? Ich meine, ohne Internet, andere Menschen oder sonst irgendein Leben um mich herum werde ich auch ohne Probleme fromm sein, aber eine besondere Leistung ist das sicher nicht. Aber ich tue mich ohnehin schwer mit den weltferneren Orden.
Hinter der Ruine stapfen wir noch einen weiteren Kilometer mitten durch eine wunderbare Schlucht zwischen Felswänden, in der nur ab und zu einige störrische Bäume Schatten spenden, bis hinunter an eine steinige Bucht mit grünblauem Bilderbuchmeer. Abgesehen von unseren Schritten und ein paar Vogellauten ist es in der Schlucht bis dorthin völlig still. Nur ein paar Ziegen grasen auf den Felshängen und ignorieren unsere Kontaktversuche (verfolgen uns später auf dem Rückweg aber mit vorwurfsvollen Schreien bis fast zur Klosterruine zurück). Was für ein wunderbarer Tag, so ganz allein in einer unwirklichen Felslandschaft zu laufen; der ziemlich anstrengende Aufstieg zurück war es mehr als wert.
Im Apartment essen wir eine Kleinigkeit und beschließen am späteren Nachmittag noch, mit dem Auto ein paar Orte in der Bucht von Souda abzuklappern. Leider funken uns heftige Regenschauer dazwischen, die Nachsaisontristesse mit vielen geschlossenen oder unbesuchten Lokalen tut ihr Übriges, so dass wir schließlich im Regen und Dunkeln eher enttäuscht wieder nach Hause fahren und ein paar Orte kennen, die wir wohl auch bei Sonnenschein nicht unbedingt besuchen müssen.
11.10.
Regenschauer, Wind, es wird irgendwie nicht besser. Oder doch? Immerhin schon zwanzig Minuten Sonne. In dem Moment, wo wir beschließen, uns trotzig an den Pool zu legen, ist es damit natürlich vorbei. Die Möwe geht irgendwann frierend wieder ins Apartment, ich halte noch verbissen eine Weile aus, bis mich schließlich ein Schauer überzeugt.
Am späten Nachmittag fahren wir noch nach Chania, um den Tag nicht völlig ungenutzt verstreichen zu lassen. Es geht ein Wind, das Meer am venezianischen Hafen wogt und schwappt auf die Promenade, wir kaufen schöne T-Shirts für meine Jungs und zwei auch für mich, einen Silberanhänger als Geschenk für eine Freundin, essen in einem der vielen Lokale am Hafen: die Möwe eine Meeresfrüchteplatte, ich eine ganz furchtbar klischee-griechische Grillplatte — ich hatte mir Fleischhunger eingebildet, aber eigentlich hätten mir dann das Lammkotelett, die kleine, würzige Bratwurst und vor allem die leckeren frittierten Kartoffelstücke völlig gereicht.
Noch ein längerer Spaziergang durch die Altstadt, bis es dunkel wird und wieder regnet. Im Dunkeln zurück nach Hause; ich beginne offenbar, mich in den Straßen der Gegend auszukennen und an die hiesige, eher kreative Fahrweise zu gewöhnen. Gutes Gefühl, sich grob zurechtzufinden.
Wir planen für den nächsten Tag eine 8km-Wanderung durch die Imbros-Schlucht im Süden der Insel. Mal sehen, ob das Wetter mitspielt. Sämtliche Wetterportale haben wir inzwischen abgeschrieben, nachdem sie dort stets mehrmals täglich ihre Prognosen für die Insel komplett umschreiben und es am Ende doch anders kommt.
12.10.
8:00 Uhr, ich schaue raus: Wolken und Regen. Lege mich wieder hin.
8:30 Uhr, Möwe schaut raus: Wolken und Sonnenschein. Wir beschließen, schnell zu frühstücken und loszufahren. Um kurz vor 11 Uhr kommen wir nach kurvenreicher Überquerung der weißen Berge an der grandios bergigen, nur spärlich besiedelten Südküste bei schönem Wetter an. Wir warten auf den Bus, der uns pünktlich (Fahrplan am Tag vorher online gecheckt - es lebe das umsonste WLAN!) zurück hoch zum ca. 10 Kilometer entfernten und ca. 650 Meter höher gelegenen Imbros mitnimmt. Die folgenden zweieinhalb Stunden laufen wir durch die immer enger werdende Schlucht, nicht ganz so einsam wie zwei Tage zuvor, es sind wohl ein-zwei Gruppen und einige Pärchen und Familien unterwegs, aber die meiste Zeit sind wir doch für uns, wie wir über Fels und Geröll und Stein usf. das Tal hinabsteigen, die Felswände neben uns immer höher und ungefähr zur Mitte der Strecke sogar nur noch bis auf Armlänge entfernt. Leider begleitet von ständigem leichten Regen, der ungefähr nachdem wir eine halbe Stunde in die Schlucht hinein hin einsetzt. Aber sonst ist es einfach großartig, in dieser Schlucht, zwischen diesen hunderte Meter hohen Felswänden und den knorrigen, tollen Bäumen auf dem Weg zu wandern, und wir sind sogar froh, nicht im Juli oder August hier zu sein, wo die Temperaturen hier unten wohl auch schon mal 35-40 Grad betragen sollen.
Die letzten zwei Kilometer freuen wir uns schon darauf, irgenwann wieder festen Asphalt unter den Füßen haben zu werden. Die weiteren anderthalb dann noch bis zum Auto auf die belegten Brote. Mann, so gut haben ein Schinken- und Käsebrot, bei Regen im Auto gegessen, selten geschmeckt.
Wir fahren gleich noch die letzten vier Kilometer weiter bis Chora Sfakion, was auf allen Kretakarten als großer Ort erscheint, sich aber als ein winzigkleines Hafenörtchen am Ende der Welt entpuppt, das im Wesentlichen aus Tavernen besteht, die sich eine neben der anderen um die Touristen bemüht, die hier täglich von der Fähre ausgespuckt werden, nachdem sie die andere, noch längere Wanderung durch die Samaria-Schlucht absolviert haben und dann per Boot (es gibt keinen Landweg) hierher verfrachtet wurden, von wo aus sie mit dem Bus nach Chania zurück fahren.
Trotz ziemlich tourimäßigem Café den bislang besten Cappuccino der Insel getrunken und die überhaupt weltbeste, warme (!), superfluffige Rosinenschnecke gegessen. Auch der hausgemachte Frischkäsekuchen war 1A. Wir prangern an, dass das Café so weit weg liegt.
Über die Serpentinen die weißen Berge hoch und in 75 Minuten wieder zurück nach Chania, zwischendurch erneut auf der Landstraße herumtrottenden Schafen und Ziegen ausweichen müssen. Heute hat die Möwe Fleischhunger, wir kaufen auf dem Rückweg ein Rindersteak. Wir kommen geschafft an, ich springe in den recht ähm, frischen Pool, danach warme Dusche, Abendessen, bloggen. Toller Tag. Wir beschließen, dass es jetzt auch mal wieder etwas wärmer und trockener werden darf.
Das Wetter kann sich nicht recht für irgendwas entscheiden, deswegen entscheiden wir uns, das am Vortag geschlossene Kloster samt der dahinter liegenden Schlucht aufzusuchen. Das Kloster ist schon wieder geschlossen, diesmal außer der Reihe wegen irgendeines griechischen Grundes, den wir auf dem Zettel an der Tür nicht entziffern können. Dann eben nicht. Wir laufen ganz alleine den Weg dahinter hinunter, zwischen nur mit einigen Sträuchern und Olivenbäumen getupften, ansonsten kahlen Hängen, deren staubige Sommerhitze auch jetzt im Oktober noch gut zu erahnen ist. Zuerst gelangen wir an eine Tropfsteinhöhle, aufgrund eines klobigen Stalagmiten in der Mitte Bärenhöhle genannt, wo man in den Eingang gleich noch eine kleine Marienkapelle gebaut hat, in der es modrig riecht und — natürlich — ein paar Ikonen hängen. Weiter bergab geht es zu den Überresten eines weiteren Klosters aus dem 17. Jahrhundert, das man kühn über die Schlucht gebaut hat, und das mal wieder die Frage aufwirft: Warum gründet man Klöster so oft völlig abseits aller Wege und Versorgungsmöglichkeiten in der Einöde? Schon klar, Gottesnähe und so, aber ist das nicht ein bisschen gemogelt? Ich meine, ohne Internet, andere Menschen oder sonst irgendein Leben um mich herum werde ich auch ohne Probleme fromm sein, aber eine besondere Leistung ist das sicher nicht. Aber ich tue mich ohnehin schwer mit den weltferneren Orden.

Im Apartment essen wir eine Kleinigkeit und beschließen am späteren Nachmittag noch, mit dem Auto ein paar Orte in der Bucht von Souda abzuklappern. Leider funken uns heftige Regenschauer dazwischen, die Nachsaisontristesse mit vielen geschlossenen oder unbesuchten Lokalen tut ihr Übriges, so dass wir schließlich im Regen und Dunkeln eher enttäuscht wieder nach Hause fahren und ein paar Orte kennen, die wir wohl auch bei Sonnenschein nicht unbedingt besuchen müssen.
11.10.
Regenschauer, Wind, es wird irgendwie nicht besser. Oder doch? Immerhin schon zwanzig Minuten Sonne. In dem Moment, wo wir beschließen, uns trotzig an den Pool zu legen, ist es damit natürlich vorbei. Die Möwe geht irgendwann frierend wieder ins Apartment, ich halte noch verbissen eine Weile aus, bis mich schließlich ein Schauer überzeugt.
Am späten Nachmittag fahren wir noch nach Chania, um den Tag nicht völlig ungenutzt verstreichen zu lassen. Es geht ein Wind, das Meer am venezianischen Hafen wogt und schwappt auf die Promenade, wir kaufen schöne T-Shirts für meine Jungs und zwei auch für mich, einen Silberanhänger als Geschenk für eine Freundin, essen in einem der vielen Lokale am Hafen: die Möwe eine Meeresfrüchteplatte, ich eine ganz furchtbar klischee-griechische Grillplatte — ich hatte mir Fleischhunger eingebildet, aber eigentlich hätten mir dann das Lammkotelett, die kleine, würzige Bratwurst und vor allem die leckeren frittierten Kartoffelstücke völlig gereicht.

Wir planen für den nächsten Tag eine 8km-Wanderung durch die Imbros-Schlucht im Süden der Insel. Mal sehen, ob das Wetter mitspielt. Sämtliche Wetterportale haben wir inzwischen abgeschrieben, nachdem sie dort stets mehrmals täglich ihre Prognosen für die Insel komplett umschreiben und es am Ende doch anders kommt.
12.10.
8:00 Uhr, ich schaue raus: Wolken und Regen. Lege mich wieder hin.
8:30 Uhr, Möwe schaut raus: Wolken und Sonnenschein. Wir beschließen, schnell zu frühstücken und loszufahren. Um kurz vor 11 Uhr kommen wir nach kurvenreicher Überquerung der weißen Berge an der grandios bergigen, nur spärlich besiedelten Südküste bei schönem Wetter an. Wir warten auf den Bus, der uns pünktlich (Fahrplan am Tag vorher online gecheckt - es lebe das umsonste WLAN!) zurück hoch zum ca. 10 Kilometer entfernten und ca. 650 Meter höher gelegenen Imbros mitnimmt. Die folgenden zweieinhalb Stunden laufen wir durch die immer enger werdende Schlucht, nicht ganz so einsam wie zwei Tage zuvor, es sind wohl ein-zwei Gruppen und einige Pärchen und Familien unterwegs, aber die meiste Zeit sind wir doch für uns, wie wir über Fels und Geröll und Stein usf. das Tal hinabsteigen, die Felswände neben uns immer höher und ungefähr zur Mitte der Strecke sogar nur noch bis auf Armlänge entfernt. Leider begleitet von ständigem leichten Regen, der ungefähr nachdem wir eine halbe Stunde in die Schlucht hinein hin einsetzt. Aber sonst ist es einfach großartig, in dieser Schlucht, zwischen diesen hunderte Meter hohen Felswänden und den knorrigen, tollen Bäumen auf dem Weg zu wandern, und wir sind sogar froh, nicht im Juli oder August hier zu sein, wo die Temperaturen hier unten wohl auch schon mal 35-40 Grad betragen sollen.

Wir fahren gleich noch die letzten vier Kilometer weiter bis Chora Sfakion, was auf allen Kretakarten als großer Ort erscheint, sich aber als ein winzigkleines Hafenörtchen am Ende der Welt entpuppt, das im Wesentlichen aus Tavernen besteht, die sich eine neben der anderen um die Touristen bemüht, die hier täglich von der Fähre ausgespuckt werden, nachdem sie die andere, noch längere Wanderung durch die Samaria-Schlucht absolviert haben und dann per Boot (es gibt keinen Landweg) hierher verfrachtet wurden, von wo aus sie mit dem Bus nach Chania zurück fahren.
Trotz ziemlich tourimäßigem Café den bislang besten Cappuccino der Insel getrunken und die überhaupt weltbeste, warme (!), superfluffige Rosinenschnecke gegessen. Auch der hausgemachte Frischkäsekuchen war 1A. Wir prangern an, dass das Café so weit weg liegt.
Über die Serpentinen die weißen Berge hoch und in 75 Minuten wieder zurück nach Chania, zwischendurch erneut auf der Landstraße herumtrottenden Schafen und Ziegen ausweichen müssen. Heute hat die Möwe Fleischhunger, wir kaufen auf dem Rückweg ein Rindersteak. Wir kommen geschafft an, ich springe in den recht ähm, frischen Pool, danach warme Dusche, Abendessen, bloggen. Toller Tag. Wir beschließen, dass es jetzt auch mal wieder etwas wärmer und trockener werden darf.

[giardino, 20:43] Permalink (2 Kommentare) 1332
Sonntag, 9. Oktober 2011
Kreta, Tag 6-7
8.10.
Nach frühem Frühstück kommt der Autovermietungsmensch und bringt den Kleinwagen vorbei. Bei überraschend schönem Wetter fahren wir zum ersten Mal nach Chania; der quirlige Samstagmorgenverkehr, vor allem Motorroller, die unbekümmert und ohne Abstand um einen herum schwärmen, und eine etwas lückenhafte Beschilderung fordern volle Konzentration. Schließlich erreichen wir eine Tiefgarage, die wohl ein schlauer Geschäftsmann als Touri-Falle aufgestellt hat. Wir ignorieren die Mondpreise und sind froh, das Auto abgestellt zu haben.
Was für eine Schönheit, diese Stadt! Seit knapp fünfeinhalb tausend Jahren siedeln hier Menschen, und alle möglichen Völker und Herrscher haben Spuren ihrer Kultur hinterlassen: Römer, Hellenen, Araber, Osmanen, Venezianer — all das fügt sich in einer Gelassenheit und Lebendigkeit zusammen, als habe es immer schon zusammen gehört. Vor allem die Altstadtgässchen mit ihren vielen kleinen Läden sind wunderbar, und selbst die touristische Vollverwertung kann der Schönheit des venezianischen Hafens nichts anhaben.
Wir schlendern natürlich erst einmal durch die große Markthalle, wo wir uns später vor der Heimfahrt mit Gebäck und frischem Fisch eindecken werden, und dann durch alle möglichen Altstadtgässchen, werfen den Blick in eine vor Ornamenten, Lüstern und Ikonen überbordenden orthodoxen Kathedrale, trinken einen Cappuccino in einer italienischen Eisdiele, bestaunen Hüte älterer englischer Urlauberinnen, schütteln uns ein wenig über die beworbene Fish Foot Spa Therapy oder so ähnlich, wo man die Füße in ein Bassin halten und von irgendwelchen Fischen abgestorbene Hautpartikel abnagen lassen soll (Isa hätte das sicher sofort gemacht Nachtrag: Isa hat es gemacht!), und ich kaufe in der arabisch anmutenden Ledergasse neue Sandalen.
Mittags zieht es zu, und auf dem Weg über die Markthalle finden wir auch noch einen Carrefour-Supermarkt, wo wir fürs Wochenende einkaufen (Sonntags sind die Läden komplett zu — für Mittelmeerländer auch eher ungewöhnlich) und feststellen, dass unsere Lebensmittel-Preisbeobachtung vom ersten Tag womöglich doch auch ein bisschen mit dem Phänomen kleiner Supermarkt in kleinem Örtchen zu tun haben könnte. Bleibt die Feststellung, dass auch Preise auf deutschem Niveau für die hiesige Bevölkerung immer noch ein Mehr an prozentualer Kaufkraft bedeuten.
Auf der Heimfahrt nachmittags zieht es schon zu; innerhalb kurzer Zeit wird es richtig stürmisch und es fängt an zu regnen. Wir braten uns eine große Dorade zusammen mit Knoblauch und Spinat und lassen eine Menge Mücken ins Apartment, mit denen ich mich in der Nacht noch länger vergnügen sollte. Auf der Fensterbank draußen rollt sich eines der streunenden Wohnanlagenkätzchen ein und schläft, geschützt vor Regen und Wind.
9.10.
Weiter sehr windig und wolkig, in einer Regenpause fahren wir ins nahe Kloster Agia Triada. Von außen eher eckig und unscheinbar, finden wir innen einen idyllischen Hof, Mauern und eschereske Treppen und Rundbögen ganz in warmen Orange-Braun-Tönen, mit farblich dazu passenden kleinen Katzen, vielen Blumen, Obstbäumen und kleinen Bänken, alles ganz wunderbar gestaltet und mit der entscheidenden Prise Unordnung, die man in einem vergleichbaren Kloster bei uns nicht finden würde, die es aber umso freundlicher und einladender machen. Die Klosterkirche (Fotografierverbot) wiederum bildmächtig voller großer und kleiner Ikonen und mit Blau und Sternen ausgemalten Kuppeln, dass man ganz demütig und still wird.
Wir fahren zu einem weiteren, nahe gelegenen Kloster auf einer schmalen Piste die Hügel hinauf, es ist aber über Mittag geschlossen, und als wir oben sind, fängt es so richtig zu regnen an; trotz Regenjacke macht es nicht mehr so wirklich Spaß, hier herumzulaufen, und wir beschließen, zurück nach Hause zu fahren und ein andermal zurückzukehren, um den Wanderpfad durch eine Schlucht vom Kloster bis runter zum Meer zu laufen. Am Parkplatz schneiden wir einige Bündel wilden Thymians ab, winzigblättrig und dickzweigig, dessen unglaubliches Aroma uns unmittelbar beim Öffnen der Autotür schon entgegenschlug.
Der Dorfstrand, an dem am Morgen noch ein paar Unbeirrbare gebadet hatten, liegt jetzt endgültig verlassen da, auch wenn die Strandbarbesitzerin weiter optimistisch Musik laufen lässt und einsam auf Kunden wartet.
Wir braten uns Koteletts mit dem Thymian, dazu gibt es Salat. Den Rest des Tages und Abends verbringen wir mit Lesen, Rätseln und Spielen, und in einer Regenpause sitzen wir unten an den Felsen und genießen den windigen Sonnenuntergang.
Nach frühem Frühstück kommt der Autovermietungsmensch und bringt den Kleinwagen vorbei. Bei überraschend schönem Wetter fahren wir zum ersten Mal nach Chania; der quirlige Samstagmorgenverkehr, vor allem Motorroller, die unbekümmert und ohne Abstand um einen herum schwärmen, und eine etwas lückenhafte Beschilderung fordern volle Konzentration. Schließlich erreichen wir eine Tiefgarage, die wohl ein schlauer Geschäftsmann als Touri-Falle aufgestellt hat. Wir ignorieren die Mondpreise und sind froh, das Auto abgestellt zu haben.

Wir schlendern natürlich erst einmal durch die große Markthalle, wo wir uns später vor der Heimfahrt mit Gebäck und frischem Fisch eindecken werden, und dann durch alle möglichen Altstadtgässchen, werfen den Blick in eine vor Ornamenten, Lüstern und Ikonen überbordenden orthodoxen Kathedrale, trinken einen Cappuccino in einer italienischen Eisdiele, bestaunen Hüte älterer englischer Urlauberinnen, schütteln uns ein wenig über die beworbene Fish Foot Spa Therapy oder so ähnlich, wo man die Füße in ein Bassin halten und von irgendwelchen Fischen abgestorbene Hautpartikel abnagen lassen soll (
Mittags zieht es zu, und auf dem Weg über die Markthalle finden wir auch noch einen Carrefour-Supermarkt, wo wir fürs Wochenende einkaufen (Sonntags sind die Läden komplett zu — für Mittelmeerländer auch eher ungewöhnlich) und feststellen, dass unsere Lebensmittel-Preisbeobachtung vom ersten Tag womöglich doch auch ein bisschen mit dem Phänomen kleiner Supermarkt in kleinem Örtchen zu tun haben könnte. Bleibt die Feststellung, dass auch Preise auf deutschem Niveau für die hiesige Bevölkerung immer noch ein Mehr an prozentualer Kaufkraft bedeuten.
Auf der Heimfahrt nachmittags zieht es schon zu; innerhalb kurzer Zeit wird es richtig stürmisch und es fängt an zu regnen. Wir braten uns eine große Dorade zusammen mit Knoblauch und Spinat und lassen eine Menge Mücken ins Apartment, mit denen ich mich in der Nacht noch länger vergnügen sollte. Auf der Fensterbank draußen rollt sich eines der streunenden Wohnanlagenkätzchen ein und schläft, geschützt vor Regen und Wind.

9.10.
Weiter sehr windig und wolkig, in einer Regenpause fahren wir ins nahe Kloster Agia Triada. Von außen eher eckig und unscheinbar, finden wir innen einen idyllischen Hof, Mauern und eschereske Treppen und Rundbögen ganz in warmen Orange-Braun-Tönen, mit farblich dazu passenden kleinen Katzen, vielen Blumen, Obstbäumen und kleinen Bänken, alles ganz wunderbar gestaltet und mit der entscheidenden Prise Unordnung, die man in einem vergleichbaren Kloster bei uns nicht finden würde, die es aber umso freundlicher und einladender machen. Die Klosterkirche (Fotografierverbot) wiederum bildmächtig voller großer und kleiner Ikonen und mit Blau und Sternen ausgemalten Kuppeln, dass man ganz demütig und still wird.

Der Dorfstrand, an dem am Morgen noch ein paar Unbeirrbare gebadet hatten, liegt jetzt endgültig verlassen da, auch wenn die Strandbarbesitzerin weiter optimistisch Musik laufen lässt und einsam auf Kunden wartet.

[giardino, 17:17] Permalink (3 Kommentare) 2228
... ältere Einträge

