Elemente
Ihr Kopf leicht eingezogen zwischen den Schultern. Der Blick gesenkt, von unten herauf vorsichtig taxierend, eingeschüchtert. Wie sie zum Beispiel von ihren strengen Eltern erzählt und dass sie nicht erträgt, wie unbarmherzig sie ihren kleinen Bruder behandeln. Davon, dass sie gerne ein Instrument lernen würde, aber nicht darf. Wie sich Kopf und Stimme noch mehr senken und ihre Augen verschwörerisch blitzen, als sie erwähnt, dass sie sich jetzt einen Gitarrenhals gemalt hat, auf dem sie heimlich Griffe übt. Mit Achtzehn.
Und dann der Strandausflug mit dem ganzen Chor. Wie sie sich, kaum dass sie im Wasser ist, in einen anderen Menschen verwandelt. Wild herumplanscht, mit lauter Stimme kreischt und mit den anderen um die Wette schwimmt. Respektlos über die Jungs spottet und sie voll Spaß und Kraft unter Wasser döppt. Nach einer halben Stunde kehrt sie aus dem Wasser zurück und ist augenblicklich wieder das verschüchterte, leise Mädchen mit dem gesenkten Blick. Später spreche ich sie darauf an, wie erstaunlich diese Verwandlung sei. »Ja«, antwortet sie leicht verlegen, »Wasser ist mein Element«.
Und dann der Strandausflug mit dem ganzen Chor. Wie sie sich, kaum dass sie im Wasser ist, in einen anderen Menschen verwandelt. Wild herumplanscht, mit lauter Stimme kreischt und mit den anderen um die Wette schwimmt. Respektlos über die Jungs spottet und sie voll Spaß und Kraft unter Wasser döppt. Nach einer halben Stunde kehrt sie aus dem Wasser zurück und ist augenblicklich wieder das verschüchterte, leise Mädchen mit dem gesenkten Blick. Später spreche ich sie darauf an, wie erstaunlich diese Verwandlung sei. »Ja«, antwortet sie leicht verlegen, »Wasser ist mein Element«.
[giardino, Sonntag, 10. Februar 2008, 16:35] 358
oh gott, deine beschreibung schnürt mir den hals zu. wie kann man das eigene kind so ausbremsen, wenn doch anscheinend anderes in ihm steckt? hoffentlich ist es nur eigene befangenheit und mangelnde reflektion.
Ja, was auch immer sie dazu bewegt hat (wahrscheinlich irgendsoein Schule-geht-vor-Ding), man möchte die Leute schütteln.
Waren wir damals, als ich 18 war, schonmal zusammen unterwegs, hätte ich fragen wollen, bis zum Beginn des Wassers. Das ist nämlich gar nicht mein Element.
Tauschen Sie Wasser gegen Musik, eine Tanzfläche oder ein Konzert, dann passt es.
Die Dinge können besser werden. Soviel ist sicher.
Tauschen Sie Wasser gegen Musik, eine Tanzfläche oder ein Konzert, dann passt es.
Die Dinge können besser werden. Soviel ist sicher.
Ja. War übrigens eine Italienierin — solche Geschichten sind wohl letztlich universal. Und sie hat kurz darauf begonnen, in einer anderen Stadt zu studieren (was in Italien lange nicht so selbstverständlich ist, das mit der anderen Stadt). Ich hatte den Eindruck, auf diese Chance auf ein eigenes Leben hat sie schon länger gewartet. Und ganz sicher gut genutzt.

