in die Tasche gelogen
Wie kann man über Jahre hinweg heimlich hinter seinem Partner herschnüffeln? Wie kann man sich ernsthaft noch über dabei gefundene Heimlichkeiten und Unehrlichkeiten des anderen aufregen? Wie blind kann man sein, dem anderen Lüge und Manipulation vorzuwerfen, während man selbst lügt und manipuliert — ihm vorspielt, nichts zu wissen (und gleichzeitig die heimliche Macht genießt, mehr zu wissen)? Wohlgemerkt, das ganze nicht im kurzen Zeitraum der Verzweiflung, in dem man gerade frisch einen Vertrauensbruch entdeckt, sondern kühl und dauerhaft.
Gleichermaßen natürlich die andere Seite, wenn jemand sich das Fremdgehen schönredet, womöglich sogar als gute Tat für die eigentliche Beziehung betrachtet, weil man ja schließlich Druck herausnehmen würde, insgesamt entspannter wäre. Das Doppelleben als Lösung.
Um dagegen zu argumentieren, muss man in beiden Fällen nicht einmal den Verrat am anderen ins Spiel bringen: Man schneidet sich doch ins eigene Fleisch, muss sich in Teilpersonen auftrennen, wo die eine nichts von der anderen wissen darf. Verliert Respekt vor sich selbst, denn wer es nötig hat, zu schnüffeln, erniedrigt sich, wer nicht mit offenen Karten spielt, ist ein Feigling. Beim anderen täglich heimlich nach Gründen zu suchen, ihm zu misstrauen, aber nie darüber zu sprechen oder Konsequenzen zu ziehen, genauso wie den anderen zu übergehen und heimlich fremdzugehen: Die selbstgeschaffene Beziehungshölle.
Ich werde das nicht verstehen. Auch nicht, warum ich mich immer wieder derart aufrege, wenn ich sowas lese.
Gleichermaßen natürlich die andere Seite, wenn jemand sich das Fremdgehen schönredet, womöglich sogar als gute Tat für die eigentliche Beziehung betrachtet, weil man ja schließlich Druck herausnehmen würde, insgesamt entspannter wäre. Das Doppelleben als Lösung.
Um dagegen zu argumentieren, muss man in beiden Fällen nicht einmal den Verrat am anderen ins Spiel bringen: Man schneidet sich doch ins eigene Fleisch, muss sich in Teilpersonen auftrennen, wo die eine nichts von der anderen wissen darf. Verliert Respekt vor sich selbst, denn wer es nötig hat, zu schnüffeln, erniedrigt sich, wer nicht mit offenen Karten spielt, ist ein Feigling. Beim anderen täglich heimlich nach Gründen zu suchen, ihm zu misstrauen, aber nie darüber zu sprechen oder Konsequenzen zu ziehen, genauso wie den anderen zu übergehen und heimlich fremdzugehen: Die selbstgeschaffene Beziehungshölle.
Ich werde das nicht verstehen. Auch nicht, warum ich mich immer wieder derart aufrege, wenn ich sowas lese.
[giardino, Dienstag, 13. Mai 2008, 13:39] 1157
Vielleicht wäre der langsame und ruhige Beziehungsfluss für die Beteiligten in solchen Spielchen ja die viel schlimmere Beziehungshölle. Irgendeinen vermeintlichen Benefit (um es mal in der Werbefachsprache zu sagen) muss es ja haben, das Zusammenleben mit diesen Ingredienzen zu pfeffern. Aufregen kann ich mich über dergleichen schon länger nicht mehr. Ich hab nur eklatante Mühe, Leute, die sich als Mitwirkende solcher Geschichten zu erkennen geben, noch sonderlich ernst zu nehmen.
Dito. Auch sehr nervig sind die Diskussionen mit diesen Kontrollfanatikern, wenn sie meinen, man könne seinem eigenen Partner nicht vertrauen, wenn er mal einen Abend allein verbringt. Schlimm, wenn sie andere auch noch in diese Hölle ziehen wollen.
Meiner Erfahrung nach, sind es auch gerade diese Menschen, die z.B. von Treue und Ehrlichkeit selbst nicht viel halten.
Meiner Erfahrung nach, sind es auch gerade diese Menschen, die z.B. von Treue und Ehrlichkeit selbst nicht viel halten.
Würde passen. Denn deren diesbezügliche Sorge hätte dann ja erst recht eine reale Grundlage.
Nun war ich selbst in einer früheren Beziehung auch mal an dem Punkt, wo mir nach sehr langer körperlicher Flaute der Sinn nach anderweitiger Betätigung stand. Groß verheimlicht hab ich das nicht, habe die Info aber auch nicht aufgedrängt. Hätte meine Partnerin mich gefragt, hätte ich weder lügen können noch wollen.
Als sie dann an dem Punkt war, mal anderweitig was zu probieren, wußte ich es einfach. Intuitiv. Die Details wollte ich nicht wissen, ich habe auch keine investigative Anstrengung unternommen, um der Chose auf den Grund zu gehen. Es wäre auch inkonsequent gewesen, ihr diesen Freiraum zu verweigern, nachdem ich ihn mir genommen hatte.
Ich denke, für uns war es das richtige, uns erst später mit einer gewissen zeitlichen Distanz zum Geschehen darüber auszutauschen.
Nun war ich selbst in einer früheren Beziehung auch mal an dem Punkt, wo mir nach sehr langer körperlicher Flaute der Sinn nach anderweitiger Betätigung stand. Groß verheimlicht hab ich das nicht, habe die Info aber auch nicht aufgedrängt. Hätte meine Partnerin mich gefragt, hätte ich weder lügen können noch wollen.
Als sie dann an dem Punkt war, mal anderweitig was zu probieren, wußte ich es einfach. Intuitiv. Die Details wollte ich nicht wissen, ich habe auch keine investigative Anstrengung unternommen, um der Chose auf den Grund zu gehen. Es wäre auch inkonsequent gewesen, ihr diesen Freiraum zu verweigern, nachdem ich ihn mir genommen hatte.
Ich denke, für uns war es das richtige, uns erst später mit einer gewissen zeitlichen Distanz zum Geschehen darüber auszutauschen.
Oh ja, Hr. Mark, Benefits gibt es bestimmt: Nervenkitzel und Machtgefühl zum Beispiel. Im Fall von Bloggerei kommt noch Bauchpinselei und Verstärkung hinzu ("Geschieht ihm recht", "Männer sind Schweine", "Du Arme!" etc.). Es fällt mir oft schwer, das unernst zu nehmen, wenn nämlich deutlich wird, dass derjenige eigentlich selbst unter der Situation leidet.
Fr. Diagonale, speziell zur Treuefrage kann ich jetzt nur wenig Erfahrung mit Kontrollfreaks beisteuern. Aber dass es oft die Übermisstrauischen sind, die selbst irgendwann mehr als Grund zum Misstrauen liefern, kann ich nur bestätigen. Hat sich erst unlängst allzusehr bewiesen, bei der gegangenen Chefin der Möwe.
Fr. Diagonale, speziell zur Treuefrage kann ich jetzt nur wenig Erfahrung mit Kontrollfreaks beisteuern. Aber dass es oft die Übermisstrauischen sind, die selbst irgendwann mehr als Grund zum Misstrauen liefern, kann ich nur bestätigen. Hat sich erst unlängst allzusehr bewiesen, bei der gegangenen Chefin der Möwe.
Dass es Konstellationen gibt, wo einer dem anderen hinterherspioniert, oder der eine oder andere oder auch beide etwas außerhalb der Beziehung haben, das kommt vor und ist auch nicht das, was mich primär aufregt. Ich krieg dann die Krise, wenn Leute sich auf der Suche nach Rechtfertigung kräftig in die Tasche lügen. Wenn sie es für selbstverständlich halten, in einer Beziehung über den Kopf des anderen hinweg zu agieren (oder vielmehr ihm die Schuld dafür zuschieben, dass man es tut), sich dabei über ihre Zerrissenheit und Verzweiflung wundern, aber nicht auf die Idee kommen, dass das eigene Verhalten Teil des Problems sein könnte.
Dass sie dieses thematische Blog im Auge hatten, vermutete ich fast. Tja, wer sonst nichts zu bloggen hat...
Eben das "Leiden an der Situation" scheint mir nur bedingt glaubhaft aus genannten Gründen. Wenn es so unerträglich ist, soll sie den typen halt aberservieren und gut is. Dass das nicht passiert, zeigt ja wohl ganz klar, dass das System auch paar Belohnungen enthalten muss. Mit Mitmenschen, denen es an minimalstem Bewusstsein für solche systemischen Zusammenhänge fehlt, lohnt eine Diskussion nicht wirklich.
Es geht ähnlich auch in die Richtung, die ich in meinem heutogen Beitrag angedeutet habe von der Freundin meiner Frau, die ihren Ex als Kindersitter und Troubleshooter nicht missen möchte, es andererseits schlimm findet, dass er sich noch Hoffnungen macht und auf Gegenleistungen spekuliert. Der Irrsinn der Inkonsequenz liegt so klar auf der Hand, dass ich dazu lieber gar nichts sage, weil es wahrscheinlich sonst sehr verletzend rüberkommen könnte. Und meine Frau rungt derweil nach einfühlsamen und diplomatischen Worten, um es durch die Blume zu sagen...
Eben das "Leiden an der Situation" scheint mir nur bedingt glaubhaft aus genannten Gründen. Wenn es so unerträglich ist, soll sie den typen halt aberservieren und gut is. Dass das nicht passiert, zeigt ja wohl ganz klar, dass das System auch paar Belohnungen enthalten muss. Mit Mitmenschen, denen es an minimalstem Bewusstsein für solche systemischen Zusammenhänge fehlt, lohnt eine Diskussion nicht wirklich.
Es geht ähnlich auch in die Richtung, die ich in meinem heutogen Beitrag angedeutet habe von der Freundin meiner Frau, die ihren Ex als Kindersitter und Troubleshooter nicht missen möchte, es andererseits schlimm findet, dass er sich noch Hoffnungen macht und auf Gegenleistungen spekuliert. Der Irrsinn der Inkonsequenz liegt so klar auf der Hand, dass ich dazu lieber gar nichts sage, weil es wahrscheinlich sonst sehr verletzend rüberkommen könnte. Und meine Frau rungt derweil nach einfühlsamen und diplomatischen Worten, um es durch die Blume zu sagen...
Nachtrag: Ihr letzter Satz bringt es genau auf den Punkt, Herr Giardino. Umso schlimmer, wenn es im Blog anscheinend auch nur darum geht, Futter für den Ego zu kriegen und Streicheleinheiten und Kommentare wie "boah, ja so ein Arsch, wie kann der nur?"
Wie ich sehe, erliegen noch andere mitunter der Faszination des Ekels und haben dorthin geklickt. Klar geht es da ums Futter fürs Ego, die Dame spielt Gerichtssaal, der Typ steht unter Anklage, und falls jemand etwas zu seiner Verteidigung vorbringt (oder gar Kritik an ihr), spielt sie "Ja, aber"-Spielchen ad infinitum. Diskussionen bringen da erfahrungsgemäß nichts. Mir kam es fast so vor, als wolle dieser Typ mit seinem passiv-aggressiven Verhalten sie dazu bringen, endlich Schluss zu machen, weil er nicht den Mumm dazu hat. Sexuell entzieht er sich ihr ja schon weitgehend.
Ich kann das jedenfalls nicht mehr lesen, Faszination des Ekels hin oder her, man fühlt sich hinterher doch besudelt. Zur Strafe stehe ich jetzt auf ihrer automatisierten Blogrole.
Ich kann das jedenfalls nicht mehr lesen, Faszination des Ekels hin oder her, man fühlt sich hinterher doch besudelt. Zur Strafe stehe ich jetzt auf ihrer automatisierten Blogrole.
Es ist ein bisschen wie Trash-TV und ich erwarte die nächste Folge. Gräßlich, denn ich schäme mich für diese voyeuristische Ader und kann sie doch nicht unterdrücken. Wenn er nur endlich gehen würde, denke ich jedesmal auf's Neue.
@Kinky: So ist es.
@Kristof: [Edit: Link wieder entfernt, denn eigentlich tut er nichts zur Sache] (nur so ein Beispiel, gab in der Vergangenheit auch andere)
@Kristof: [Edit: Link wieder entfernt, denn eigentlich tut er nichts zur Sache] (nur so ein Beispiel, gab in der Vergangenheit auch andere)
Mir geht es da eher wie Frau Arboretum, so dass ich aus mentalhygienischen Gründen von weiteren Besuchen dieser Seite absehe. Ich gucke ja auch keine Nachmittags-Talkshows oder Daily Soaps. Was mich daran erinnert, dass für das ARD-Machwerk "Marienhof" mit dem Claim geworben wird: "Ein Fernsehtag ohne Marienhof ist wie eine Vaterschaft ohne Test". Blöder gehts ja wohl kaum noch.
@kristof: Die URL habe ich nicht mehr parat, aber ab und zu taucht auf der Blogger.de-Startseite ein Blog auf, in dessen Titel die Stichworte "Märchenprinz" und "Hang zu flüchtigen Kontakten" vorkommen.
@kristof: Die URL habe ich nicht mehr parat, aber ab und zu taucht auf der Blogger.de-Startseite ein Blog auf, in dessen Titel die Stichworte "Märchenprinz" und "Hang zu flüchtigen Kontakten" vorkommen.
@mark
Haha, vermutlich liegt es bei mir daran, dass ich kein Fernsehen gucke. Irgendwie muss ich das ja kompensieren... ;-)
Haha, vermutlich liegt es bei mir daran, dass ich kein Fernsehen gucke. Irgendwie muss ich das ja kompensieren... ;-)
@kinky: Ja, auch ich als so-gut-wie-gar-nicht-fernsehguckender Blogger steuere manches Blog aus einem diffusen Unterhaltungsbedürfnis heraus an - etwa das Kopfschüttel-Blog. Ich bin mir relativ sicher, dass die meisten Dialoge dort so in der Realität nicht stattgefunden haben, aber das steht einem gelegentlichen Schmunzeln ja nicht im Weg.
Ach Gottchen. Das ist doch bestimmt so ein Virales. Und in ein paar Wochen macht Krkkkrki dann Führerschein auf dem neuen VW Golf, oder findet ein total tolles Parföng. (Oder ist's wieder mal Don de Jour?)
ralf-ulrich,
Mittwoch, 14. Mai 2008, 15:25
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)
Mir war der Blogname nur deswegen aufgefallen, weil ich bisher dachte, Märchenprinzen und Hänge zu flüchtigen Kontakten hätten nix miteinander zu tun. Nach kurzem Lesen fiel mir ein, daß Kikiriki auf kroatisch Erdnuß heißt. Also alles nur Peanuts. (Und Kukuruz heißt Mais, falls es jemanden interessiert.)
großes potential zum fremdschämen.
es sind einfach diese "dinge, von denen" man diesen hauch detail zu viel gar nicht hatte erfahren wollen, und die wohl trotzdem zum netz gehören wie online-casinos...
"internet ist for porn" - niemand hat gesagt, dass man dabei zwangsläufig kleidungsstücke ablegen muss.
es sind einfach diese "dinge, von denen" man diesen hauch detail zu viel gar nicht hatte erfahren wollen, und die wohl trotzdem zum netz gehören wie online-casinos...
"internet ist for porn" - niemand hat gesagt, dass man dabei zwangsläufig kleidungsstücke ablegen muss.
Jetzt habe ich es auch getan. Den Link geclickt. Und mich dabei irgendwie wie ein Voyeur gefühlt. Einblicke in das private Leben gewährt im Grunde jeder, der ein Blog führt, auf die ein oder andere Weise - die Gedankenwelt des Verfassers spiegelt sich eben immer wieder. Aber diese tiefen Einsichten in die eigenen Untiefen wären mir persönlich ein Schritt zu weit. Dennoch bleibt eine morbide Faszination beim Lesen anderer, mit ein Grund wohl, warum die BILD-Zeitung noch immer verkauft wird, warum DSDS Fans hat und Big Brother in der x-ten Staffel nach wie vor läuft. Man fragt sich immer dann doch, wie es weitergeht. Ob es noch tiefer geht. Seltsam genug, dass man diese Art des Schreibens selbst ablehnt und doch den Link immer wieder betätigt ...
Andererseits: Man bekommt auch einen guten Einblick in das, was man für sich selbst nicht will. Der Lernprozess als clickendes perpetuum mobile?
Andererseits: Man bekommt auch einen guten Einblick in das, was man für sich selbst nicht will. Der Lernprozess als clickendes perpetuum mobile?
fluechtig,
Mittwoch, 14. Mai 2008, 15:23
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)
Welche Hölle ist die erträglichere? Jene, in der der eine fremdgeht (und leidet, dass er das tut) und der andere dieses weiss, jedoch so tut, als wüsste er es nicht, oder jene, in der man mit offenen Karten spielt, beidseitig und dann eine Entscheidung herbeiführen muss, nun gezwungenermassen, die auf diese offenkundige Art gar nicht herbeigeführt werden möchte, die gar nicht getroffen werden möchte und von der beide Seiten wissen, dass sie genauso wenig lebbar ist?
Keine Beziehung ist immer besser als eine, die mich (und damit letztlich beide) kaputtmacht.
Warum bin ich mit jemandem zusammen? Um unglücklich zu sein? Meine Energie in der Beziehung zu verbrauchen, anstatt durch sie gestärkt zu werden? Um mich neben der meist unausweichlichen Schauspielerei im Beruf auch noch im Allerprivatesten verbiegen und rechtfertigen zu müssen? Sehnst du dich nicht nach Geborgenheit, Angenommenwerden, jemandem vor dem du kein Theater spielen musst? Nach jemandem, der Dich begehrt statt zum F. zu einer anderen zu schleichen?
Klar kostet es enorme Überwindung, sich irgendwann das Versagen der Beziehung einzugestehen, den Einsturz der Träume. Dass man sich klein gemacht hat, Fehler gemacht hat, blind war und all das. Aber wenn man erst mal merkt, dass man da nur noch krampfhaft ein paar Balken hochhält und denkt, das sei schon ein schützendes Haus, wird auch die Trennung lebbar.
Ich würde nie mit jemandem zusammen sein wollen, der sich nicht prinzipiell auch dazu entscheiden könnte, mich zu verlassen.
Warum bin ich mit jemandem zusammen? Um unglücklich zu sein? Meine Energie in der Beziehung zu verbrauchen, anstatt durch sie gestärkt zu werden? Um mich neben der meist unausweichlichen Schauspielerei im Beruf auch noch im Allerprivatesten verbiegen und rechtfertigen zu müssen? Sehnst du dich nicht nach Geborgenheit, Angenommenwerden, jemandem vor dem du kein Theater spielen musst? Nach jemandem, der Dich begehrt statt zum F. zu einer anderen zu schleichen?
Klar kostet es enorme Überwindung, sich irgendwann das Versagen der Beziehung einzugestehen, den Einsturz der Träume. Dass man sich klein gemacht hat, Fehler gemacht hat, blind war und all das. Aber wenn man erst mal merkt, dass man da nur noch krampfhaft ein paar Balken hochhält und denkt, das sei schon ein schützendes Haus, wird auch die Trennung lebbar.
Ich würde nie mit jemandem zusammen sein wollen, der sich nicht prinzipiell auch dazu entscheiden könnte, mich zu verlassen.
fluechtig,
Mittwoch, 14. Mai 2008, 15:58
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)
Der letzte Satz hat es mir angetan. Mit dieser Option wird aus dem Krampf eine Lebens- und Beziehungsart, für die sich beide frei entschieden haben (egal, wozu man sich entschieden hat, der Kern hier ist die Freiwilligkeit).
Eine Beziehung zu beenden, die nicht mehr rund läuft, kostet sehr viel Kraft. Noch mehr, wenn Kinder vorhanden sind und die eine oder andere Schwierigkeit obendrein, die alles noch mehr miteinander verdröselt. Und zu der Überlegung des "Wie" kommt noch die Frage des "Ob". Was ist, wenn man sich gar nicht trennen will, sondern nur die Umstände nicht gutheissen kann? Was, wenn man einander bewahren möchte, aber sich nicht über die Art und Weise einigen kann? Dann alles hinwerfen und trotzdem leiden, nur eben auf eine andere Art?
Ja, ich weiss, Schmerz vergeht unter der Klarheit und in einem Neuanfang. Und ich kenne den Spruch "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende". Aber... so einfach, wie es in der Theorie ist, ist es in der Praxis nicht und eine kühle, klare Überlegung scheitert nur zu gerne an Emotionen.
Im Grunde genommen gebe ich dir allerdings Recht, auch wenn das ein Paradox ist.
Eine Beziehung zu beenden, die nicht mehr rund läuft, kostet sehr viel Kraft. Noch mehr, wenn Kinder vorhanden sind und die eine oder andere Schwierigkeit obendrein, die alles noch mehr miteinander verdröselt. Und zu der Überlegung des "Wie" kommt noch die Frage des "Ob". Was ist, wenn man sich gar nicht trennen will, sondern nur die Umstände nicht gutheissen kann? Was, wenn man einander bewahren möchte, aber sich nicht über die Art und Weise einigen kann? Dann alles hinwerfen und trotzdem leiden, nur eben auf eine andere Art?
Ja, ich weiss, Schmerz vergeht unter der Klarheit und in einem Neuanfang. Und ich kenne den Spruch "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende". Aber... so einfach, wie es in der Theorie ist, ist es in der Praxis nicht und eine kühle, klare Überlegung scheitert nur zu gerne an Emotionen.
Im Grunde genommen gebe ich dir allerdings Recht, auch wenn das ein Paradox ist.
In der Tat ist das paradox, aber eben nur paradox. Viele Beziehungen bestehen ja nicht etwa aufgrund von Liebe und Vertrauen, sondern ganz einfach aus dem Gefühl der Vertrautheit. Und auch das, wenn man sich eigentlich misstraut oder gar hasst, Hauptsache alles ist berechenbar. Familien funktionieren oft so.
@fluechtig: Ja. Ich glaube auch nicht, dass das leichtfertig geschehen kann, darf, ohne Chance oder es trotz allem miteinander versucht zu haben. Nur irgendwann sollte auch ein Punkt existieren, der nicht mehr verhandelbar ist.
@kristof: Nur zu wahr.
@kristof: Nur zu wahr.
fluechtig,
Mittwoch, 14. Mai 2008, 16:09
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)
Ja, Familien funktionieren oft so. Das Unbekannte gegen das Bekannte tauschen, das trotz allem heimelige Nest aufgeben und gegen ein Alleinsein in stillen vier Wänden tauschen, das Netz, das man hat, zerreissen und ganz alleine, auf sich allein gestellt zu sein und die Verantwortung aufgepackt bekommen, die Schuld, die bösen Worte und Tränen ertragen, die finanziellen Einschnitte, die Blicke der Nachbarn und Bekannten schmälern am Ende sogar die Lust am Fremdgehen, dann, wenn sonst nichts mehr da ist, keine Wärme, keine Anteilnahme, keine Nähe, keiner mit im selben Boot sitzt, keiner mehr da ist, an dem man sich reiben kann, mit dem man sich auseinandersetzen muss.
Fremdgehen ist übrigens auch so ein Wort, das ich nicht leiden kann, aber das nur am Rande.
Fremdgehen ist übrigens auch so ein Wort, das ich nicht leiden kann, aber das nur am Rande.
fluechtig,
Mittwoch, 14. Mai 2008, 16:20
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)
Mehrweggehen. :)))
Nein, das war Spass. Keine Ahnung. Fremdgehen tut man ja gar nicht, man kennt den anderen ja, er oder sie ist ja nicht fremd. Nennt man ein Essen mit einer Person, die nicht der eigene Partner ist denn Fremdessen? Es ist und bleibt einfach ein Essen. Im übrigen kommt es auch darauf an, was genau man da tut. Nur Spass auf den Laken? Mehr als das? Weniger?
Nein, das war Spass. Keine Ahnung. Fremdgehen tut man ja gar nicht, man kennt den anderen ja, er oder sie ist ja nicht fremd. Nennt man ein Essen mit einer Person, die nicht der eigene Partner ist denn Fremdessen? Es ist und bleibt einfach ein Essen. Im übrigen kommt es auch darauf an, was genau man da tut. Nur Spass auf den Laken? Mehr als das? Weniger?
Fremdgehen tut man ja gar nicht, man kennt den anderen ja, er oder sie ist ja nicht fremd.
Kennt man den anderen tatsächlich? Vorher, hinterher? Und was ist mit one-night stands? Soll auch Leute geben, die sich nicht die Mühe machen, den Namen zu erfragen. Oder ihren richtigen Namen gar nicht sagen.
Kennt man den anderen tatsächlich? Vorher, hinterher? Und was ist mit one-night stands? Soll auch Leute geben, die sich nicht die Mühe machen, den Namen zu erfragen. Oder ihren richtigen Namen gar nicht sagen.
"Seitensprung" ist ähnlich wenig aussagekräftig ... letztendlich ist das Bild eines zur Seite springenden Menschen nicht unbedingt mit der tatsächlichen Tätigkeit kongruent (und alles andere will ich mir nicht vorstellen!).
fluechtig,
Mittwoch, 14. Mai 2008, 16:31
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)
Ich gehe nicht von ONS aus oder dem Nachgeben, wenn es mal zwischen den Schenkeln juckt, sondern von etwas, das schon mehr Substanz hat als nur mal eben übereinander herfallen und in diesem Fall kennt man den anderen schon recht gut (ONS sind übrigens diese Dinger, die im nachhinein betrachtet absolute Flops waren, weil man sich so fremd war, dass ein echtes Lakenspiel gar nicht drin war).
Die ideale Beziehung besteht natürlich immer freiwillig und auf Augenhöhe. Aber selbst, wenn das anfänglich so war, gibt es ja Phasen, in denen das Gleichgewicht kippt - in denen es dem einen besser/schlechter als dem anderen geht und er stärker/schwächer ist. Eine Konstellation, die sich in der nächsten Phase bereits wieder ins Gegenteil verschieben kann. In solchen Momenten gibt die Theorie der autarken, gleichberechtigten Partner, denen ihre Ideale wichtiger sind als die Heimeligkeit einer vielleicht kränkelnden Beziehung, nicht viel her. (Sonst würden Trennungen ja auch viel ruhiger, vernünftiger ablaufen als sie es manchmal tun.)
ONS sind übrigens diese Dinger, die im nachhinein betrachtet absolute Flops waren, weil man sich so fremd war, dass ein echtes Lakenspiel gar nicht drin war.
Muss nicht zwangsläufig so sein. Aber ich glaube, Ihnen geht es ohnehin um etwas anderes als in dem ursprünglich angesprochenen Beispiel.
Muss nicht zwangsläufig so sein. Aber ich glaube, Ihnen geht es ohnehin um etwas anderes als in dem ursprünglich angesprochenen Beispiel.
fluechtig,
Donnerstag, 15. Mai 2008, 14:28
(Permalink
)
Nein, nicht zwangsläufig, aber oft. Und nochmal nein, so anders ist das gar nicht, woran ich denke. Wobei mich interessieren würde, ob jeder Seitensprung gleich schwer wiegt, oder ob es da auch Unterschiede gibt in der Negativbewertung.
Sowas kann man eigentlich nur empirisch ermitteln ;oDD
Wer sich selba nicht in die Tasche lügt, hebe den ersten Stein...
Die umfangreichen Reaktionen hier im Thread sprechen ja schon für sich ;-) Ich muß bei diesem Thema an Hollywood denken, an dieses tief eingeimpfte Heileweltdenken, um das sich unsere Wirklichkeitsvorstellung rankt. Meine spätestens, seit ich 14 war. Seitdem hat es nie so funktioniert mit dem wirklichen Leben, wie ich das von Cary Grant und Doris Day oder allen späteren vergleichbaren Abziehbildern gelernt habe.
Seitdem lüge ich mir was in die Tasche, weil das wirkliche Leben nicht hält, was Hollywood mir versprochen hat. Oder was ich mir eben erträume.
Und was ich mir dann erlüge, fällt natürlich auf alle andern wieder zurück. Weil dann weder Frau noch Kinder, noch Freunde noch selbst Eltern und "beste Freunde" dem entsprechen, was ich mir wünsche. Vor allem kann ich keinem von ihnen alles erzählen, was mich im tiefsten Innern bewegt. Weil es immer irgendwo was gibt, was zu peinlich, unmoralisch oder gelogen ist.
Wie schön nun, daß es hier die Bloggerei gibt, wo ich zwar natürlich auch nicht alles erzählen kann, weil sich dann bestimmt ganz schnell wer fände, der 1+1 zusammenzählt und mich erkennt und verrät und -
aber ich kann hier wenigstens manchmal und in gewissem Umfang was anderes erzählen, in eine andere Tasche lügen als sonst. Und das ist soviel wert, daß ich es schon jahrelang tue.
Das ist so traurig wie das Leben selbst.
Und nach dieser Offenbarung versinke ich jetzt im aufgewühlten Kitschmorast...
Die umfangreichen Reaktionen hier im Thread sprechen ja schon für sich ;-) Ich muß bei diesem Thema an Hollywood denken, an dieses tief eingeimpfte Heileweltdenken, um das sich unsere Wirklichkeitsvorstellung rankt. Meine spätestens, seit ich 14 war. Seitdem hat es nie so funktioniert mit dem wirklichen Leben, wie ich das von Cary Grant und Doris Day oder allen späteren vergleichbaren Abziehbildern gelernt habe.
Seitdem lüge ich mir was in die Tasche, weil das wirkliche Leben nicht hält, was Hollywood mir versprochen hat. Oder was ich mir eben erträume.
Und was ich mir dann erlüge, fällt natürlich auf alle andern wieder zurück. Weil dann weder Frau noch Kinder, noch Freunde noch selbst Eltern und "beste Freunde" dem entsprechen, was ich mir wünsche. Vor allem kann ich keinem von ihnen alles erzählen, was mich im tiefsten Innern bewegt. Weil es immer irgendwo was gibt, was zu peinlich, unmoralisch oder gelogen ist.
Wie schön nun, daß es hier die Bloggerei gibt, wo ich zwar natürlich auch nicht alles erzählen kann, weil sich dann bestimmt ganz schnell wer fände, der 1+1 zusammenzählt und mich erkennt und verrät und -
aber ich kann hier wenigstens manchmal und in gewissem Umfang was anderes erzählen, in eine andere Tasche lügen als sonst. Und das ist soviel wert, daß ich es schon jahrelang tue.
Das ist so traurig wie das Leben selbst.
Und nach dieser Offenbarung versinke ich jetzt im aufgewühlten Kitschmorast...
Danke für Ihre ehrlichen Worte, Herr Phileas. Das geht mir sehr nahe.
Mir geht's hier nicht ums Steinewerfen oder oberflächlichen Heileweltscheiß. (Und mir tut es längst leid, dass ich das konkrete Blog, was zufällig Anlass fürs Posting war, überhaupt genannt hatte.) Mich beschäftigt eine grundlegende Frage: Kann man auf Dauer glücklich werden, wenn man sein Leben in mehrere undurchlässige Teile teilt? Und nebenher versuche ich immer noch zu verstehen, warum mir selbst das Thema offenbar so wichtig ist.
Mir geht's hier nicht ums Steinewerfen oder oberflächlichen Heileweltscheiß. (Und mir tut es längst leid, dass ich das konkrete Blog, was zufällig Anlass fürs Posting war, überhaupt genannt hatte.) Mich beschäftigt eine grundlegende Frage: Kann man auf Dauer glücklich werden, wenn man sein Leben in mehrere undurchlässige Teile teilt? Und nebenher versuche ich immer noch zu verstehen, warum mir selbst das Thema offenbar so wichtig ist.
Once told by an interviewer, "Everybody would like to be Cary Grant," Grant is said to have replied, "So would I." (Q)
Huch, lieber Herr Giardino! Glauben Sie wirklich so ganz richtig, man könne "auf Dauer" glücklich werden? Ist das eigentliche Glück nicht immer etwas eher punktuelles, das man hoffentlich ein paar Mal erleben darf? Und den Rest der Zeit gibt man sich zufrieden, wenn man satt wird wird, wenn es nirgends weh tut und man seine Ruhe hat und abends die Verfügungsgewalt über die Fernbedienung?
Natürlich ist das reine Provokation und eigentlich soll es gar nicht zynisch sein. Aber ich glaube wirklich, daß man sich ein Glück auf Dauer nur selbst vormachen kann, aber nicht so quasi ehrlich erwirtschaften. Schon gar nicht ehrlich. All diese Leute mit den ehrlichen Häuten und Fassaden. Wenn Sie da mal hinter schauen, wird Ihnen ganz anders. Das ist dasselbe Phänomen wie mit den Vorgärten...
Das mit dem Herrn Grant kommt mir irgendwie bekannt vor. Und gerade von ihm könnte ich mir das gut vorstellen, wenn er in echt so wahr wie in seinen guten Hitchcock-Filmen ;-) So oder so spricht es Bände.
Natürlich ist das reine Provokation und eigentlich soll es gar nicht zynisch sein. Aber ich glaube wirklich, daß man sich ein Glück auf Dauer nur selbst vormachen kann, aber nicht so quasi ehrlich erwirtschaften. Schon gar nicht ehrlich. All diese Leute mit den ehrlichen Häuten und Fassaden. Wenn Sie da mal hinter schauen, wird Ihnen ganz anders. Das ist dasselbe Phänomen wie mit den Vorgärten...
Das mit dem Herrn Grant kommt mir irgendwie bekannt vor. Und gerade von ihm könnte ich mir das gut vorstellen, wenn er in echt so wahr wie in seinen guten Hitchcock-Filmen ;-) So oder so spricht es Bände.
Nein, ich glaube nicht an dauerhaftes Glück in dem Sinne, dass man jede Minute seines Daseins alles toll findet. Was für eine grauenhafte und weltferne Vorstellung.
Ja, ich bin überzeugt, dass es umgekehrt Lebensumstände und Strategien gibt, die einen auf Dauer unglücklich machen. Und dass man versuchen kann, zumindest mit sich selbst soweit ins Reine zu kommen, wie es einem gerade möglich ist. Und da geht es "nur" darum, wie man mit sich selbst umgeht (schwer genug), nicht um bürgerliche Fassaden nach außen.
Aber ich gebe Ihnen recht: Man kann sich natürlich auch mit allem abfinden und die Sehnsucht nach dem Ganzseinkönnen als idealistischen Kitsch abtun. Ich kann nur sagen, ich habe lange nicht so viel Traurigkeit gelesen, wie aus Ihrem Kommentar weiter oben spricht. Zufriedenheit lese ich da nicht.
Ja, ich bin überzeugt, dass es umgekehrt Lebensumstände und Strategien gibt, die einen auf Dauer unglücklich machen. Und dass man versuchen kann, zumindest mit sich selbst soweit ins Reine zu kommen, wie es einem gerade möglich ist. Und da geht es "nur" darum, wie man mit sich selbst umgeht (schwer genug), nicht um bürgerliche Fassaden nach außen.
Aber ich gebe Ihnen recht: Man kann sich natürlich auch mit allem abfinden und die Sehnsucht nach dem Ganzseinkönnen als idealistischen Kitsch abtun. Ich kann nur sagen, ich habe lange nicht so viel Traurigkeit gelesen, wie aus Ihrem Kommentar weiter oben spricht. Zufriedenheit lese ich da nicht.
(Habe ich eigentlich eine schiefe Wahrnehmung, oder muss man sich für Ideale öfter rechtfertigen als für Resignation?)
Möglich, daß man sich für Ideale öfter rechtfertigen muß als für Resignation. Wahrscheinlich schon deswegen, weil es viel einfacher ist, öffentlich zu resignieren und rumzulamentieren und zu meckern als für irgendein hehres Ziel die Flagge hochzuhalten.
Ideale runtermachen ist immer schön einfach und man ist sich eines gewissen Beifalls sicher. Von all den andern, die auch lieber den Kopf in den Sand stecken zB.
Mir wird mal wieder deutlich hier, wie leicht es ist, sich völlig mißverständlich zu äußern. Und wie schwer offenbar, Dinge, die einem eigentlich verdammt wichtig sind, so auf den Punkt zu bringen, daß sie die Dinge bleiben, die man eigentlich meinte.
Ja, Herr Giargino, ganz sicher gibt es Lebensumstände und Strategien, die einen auf Dauer unglücklich machen. Aus denen man aber meistens eigentlich auch aussteigen kann. Sofern es sich um Umstände handelt, an denen man aus eigener Kraft etwas ändern kann. Aber vielleicht will man das oft gar nicht. Weil man sich im selbst arrangierten Unglück dann doch soweit eingerichtet hat, daß man sich wenigstens darin zuhause und damit auf vielleicht seltsame Weise aber trotzdem wohl fühlt.
Es gibt hier so viele Blogs, die in ihrem Namen ein klein tragen: "meine kleine Gabi-Welt". "Pauls kleines Weblog". "Karls kleiner komischer Kosmos"...
(Hoffentlich gibt es keins, das wirklich so heißt!)
Aber jedesmal, wenn ich sowas lese und die meist entsprechenden Inhalte dahinter, dann fröstelt es mich, weil ich denke: da hat sich wieder jemand in seiner kleinen Scheinwelt eingerichtet, es sich behaglich gemacht und fürchtet nun, was auch kommen mag, nichts mehr als die Veränderung.
Bei einem Therapieversuch in meiner Jugend sagte mir die Psychotante, nachdem ich ein paar meiner typischen Fluchtstrategien erläutert hatte: "na prima! Wenn Sie so genau wissen, wie Sie da und da reagieren, dann können Sie sich doch auf sich verlassen. Das ist doch schon mal ein Wert!"
Ich war platt und entstetzt und zugleich so etwas wie korrumpiert.
Verstehen Sie, was ich meine?
Ideale runtermachen ist immer schön einfach und man ist sich eines gewissen Beifalls sicher. Von all den andern, die auch lieber den Kopf in den Sand stecken zB.
Mir wird mal wieder deutlich hier, wie leicht es ist, sich völlig mißverständlich zu äußern. Und wie schwer offenbar, Dinge, die einem eigentlich verdammt wichtig sind, so auf den Punkt zu bringen, daß sie die Dinge bleiben, die man eigentlich meinte.
Ja, Herr Giargino, ganz sicher gibt es Lebensumstände und Strategien, die einen auf Dauer unglücklich machen. Aus denen man aber meistens eigentlich auch aussteigen kann. Sofern es sich um Umstände handelt, an denen man aus eigener Kraft etwas ändern kann. Aber vielleicht will man das oft gar nicht. Weil man sich im selbst arrangierten Unglück dann doch soweit eingerichtet hat, daß man sich wenigstens darin zuhause und damit auf vielleicht seltsame Weise aber trotzdem wohl fühlt.
Es gibt hier so viele Blogs, die in ihrem Namen ein klein tragen: "meine kleine Gabi-Welt". "Pauls kleines Weblog". "Karls kleiner komischer Kosmos"...
(Hoffentlich gibt es keins, das wirklich so heißt!)
Aber jedesmal, wenn ich sowas lese und die meist entsprechenden Inhalte dahinter, dann fröstelt es mich, weil ich denke: da hat sich wieder jemand in seiner kleinen Scheinwelt eingerichtet, es sich behaglich gemacht und fürchtet nun, was auch kommen mag, nichts mehr als die Veränderung.
Bei einem Therapieversuch in meiner Jugend sagte mir die Psychotante, nachdem ich ein paar meiner typischen Fluchtstrategien erläutert hatte: "na prima! Wenn Sie so genau wissen, wie Sie da und da reagieren, dann können Sie sich doch auf sich verlassen. Das ist doch schon mal ein Wert!"
Ich war platt und entstetzt und zugleich so etwas wie korrumpiert.
Verstehen Sie, was ich meine?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich es verstehe. Ich kann gut verstehen, dass und wie
und warum man sich zeitweise in einer eigentlich unglücklichen Position einrichtet. Gänzliches Unverständnis habe ich auf jeden Fall dafür, wie man an der ganz offensichtlichen Verstärkung des Unglücks arbeiten kann und die Verantwortung dafür auch noch anderen gibt (der Anlass des Postings, der sicher nicht für Sie gilt).
Dass man auch dann nichts an der Situation ändern möchte, wenn man sich der eigenen Rolle bewusst ist und damit — eigentlich? vielleicht? — die Schlüssel zur Veränderung in der Hand hielte — das ist eine Entscheidung, die ich verstehen kann, aber für mich nicht treffen wollte.
Mir wird mal wieder deutlich hier, wie leicht es ist, sich völlig mißverständlich zu äußern. Und wie schwer offenbar, Dinge, die einem eigentlich verdammt wichtig sind, so auf den Punkt zu bringen, daß sie die Dinge bleiben, die man eigentlich meinte.
Ja, genau so ging es mir auch, gerade bei diesem Thema. Schwierig auch, eine Überzeugung zu formulieren ohne dass es klingt, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen.
und warum man sich zeitweise in einer eigentlich unglücklichen Position einrichtet. Gänzliches Unverständnis habe ich auf jeden Fall dafür, wie man an der ganz offensichtlichen Verstärkung des Unglücks arbeiten kann und die Verantwortung dafür auch noch anderen gibt (der Anlass des Postings, der sicher nicht für Sie gilt).
Dass man auch dann nichts an der Situation ändern möchte, wenn man sich der eigenen Rolle bewusst ist und damit — eigentlich? vielleicht? — die Schlüssel zur Veränderung in der Hand hielte — das ist eine Entscheidung, die ich verstehen kann, aber für mich nicht treffen wollte.
Mir wird mal wieder deutlich hier, wie leicht es ist, sich völlig mißverständlich zu äußern. Und wie schwer offenbar, Dinge, die einem eigentlich verdammt wichtig sind, so auf den Punkt zu bringen, daß sie die Dinge bleiben, die man eigentlich meinte.
Ja, genau so ging es mir auch, gerade bei diesem Thema. Schwierig auch, eine Überzeugung zu formulieren ohne dass es klingt, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen.

