desorientiert
Und dann fällt mir wieder dieser merkwürdige Freitagnachmittag vor einer Woche ein. Der Kundentermin beendet, ich bringe noch den Kollegen von der Partnerfirma zum Ludwigshafener Bahnhof, muss tanken. Und folge den Straßenschildern mit Autobahn- und Überlandzielen, Hauptsache Ausfallstraßen, da sind immer Tankstellen. Nur irgendwie nicht in Ludwigshafen und Mannheim. Und ich fahre eine halbe Stunde durch die Gegend, biege in Gewerbegebiete ab, wo jedes zweite Geschäft ein Autohaus oder -waschanlage ist, aber nirgends Tankstellen.

Nach ca. 20 Kilometern sinnloser Kreuz- und Querfahrt finde ich endlich eine in Mannheim, tanke den Mietwagen voll, dann ab auf die Autobahn. Aber welche? Ich müsste auf die A6 Richtung Heilbronn, aber angezeigt werden nur Karlsruhe, Basel (beide A5), irgendwelche mehrstelligen Autobahnnummern mit Orten, die alle nicht recht in meiner Richtung liegen. Schließlich entscheide ich mich für »A6 Frankfurt«, immerhin die richtige Autobahn. Und fahre und fahre, bis schließlich Orte wie Darmstadt auftauchen und mir klar wird, dass ich ganz sicher falsch bin.

Dann ein Kreuz und wieder Schilder mit A6, nach Saarbrücken diesmal. Diese verdammte Autobahn scheint nur in eine Richtung zu gehen, und die führt weg von meinem Ziel. Egal, Hauptsache A6. Und ich fahre und fahre und immer wieder kommen Ausfahrten mit Ludwigshafen-Irgendwas. Ich könnte eigentlich an der nächsten Anschlussstelle die Richtung wechseln, aber ich fahre weiter auf gut Glück, ohne dass ein Ziel angezeigt würde, das ich auch nur halbwegs als richtig einordnen könnte, schließlich einen Riesenbogen um Ludwigshafen herum inklusive einem weiteren Schlenker von der Autobahn runter und wieder rauf, am Ende insgesamt sicher mehr als 60-70 Kilometer Umweg, bis endlich Heilbronn auftaucht und ich die richtige Straße nach Hause finde.

Anderthalb Stunden im Tran, erschreckend orientierungslos und irrational. Wie einer dieser Träume in heißen Nächten, in denen man in einer schier endlosen Schleife gefangen ist. Und ganz wie in einem Fantasy-Film beweist jetzt nur noch ein Stück Papier von der Tankstelle, dass ich mir das nicht nur noch einbilde.

[giardino, Freitag, 6. Juni 2008, 00:36] 509



mark793, Freitag, 6. Juni 2008, 01:36   (Permalink )
Oje, und das ausgerechnet in meiner Heimatecke. Aber es stimmt: Die klassische Ausfallstraße mit Tanke gibt dort zwar, aber nicht unbedingt auf dem direkten Weg zur Autobahn. In LU ist man ruckzuck auf einer der Hochstraßen nach Westen raus, in MA ist man von der Stadtmitte über die Augusta-Anlage ganz schnell auf der A 656, und wenn man da nicht weiß, wo man rechts nochmal nen kleinen Umweg zur Aral oder zur Agip neben dem McDrive nimmt, sieht man echt alt aus.

Ging mir in Köln aber neulich ähnlich. Im Fernsehviertel Ossendorf und Umgebung keine Tanke gefunden, dann auf die Autobahn gefahren. Und weil ich dachte, der Rasthof Nievenheim wär noch elend weit weg, bin ich runter in die Käffer irgendwo bei Dormagen. Dort bin ich auch elendig rumgegurkt bis sich endlich ne Tanke an der B 9 ausfindig machte. Wahrscheinlich wäre ich mit dem Restsprit noch locker nach Hause gekommen, aber wieviel noch drin gewesen ist, weiß man erst, nachdem man vollgetankt hat. Und mit dem Darkmobil hab ich das nie so weit augereizt wie mit dem Vorgänger von VW. Irgendwie dachte ich während der kafkaesken Rumgurkerei aber auch mehr als einmal, jetzt kneif mich doch endlich jemand, damit ich aus diesem doofen Traum aufwache...

kristof, Freitag, 6. Juni 2008, 13:14   (Permalink )
Haha, ja, Köln. Einmal auf die Rheinbrücken und nie wieder zurück. Es sollen Leute schon wahnsinnig geworden sein.
Frankfurt ist auch nicht ohne. Habe dort auch schon Stunden und Kilometer mit sinnlosem Rumgurken verloren.

mark793, Freitag, 6. Juni 2008, 18:40   (Permalink )
Stimmt, in Frankfurt habe ich auch schon oft geflucht, vor allem wegen Einbahnstraßen und fehlender Möglichkeiten zum Linksabbiegen.

Verglichen damit bin ich in Berlin immer sehr gut ans Ziel gekommen, und auch in Hamburg habe ich mich noch nie so richtig vergurkt. Keine Ahnung, warum man in der einen Stadt klarkommt und in der anderen nicht.

kid37, Freitag, 6. Juni 2008, 18:58   (Permalink )
Haha. Köln ist ein ewiger Rundparcours. Herr Giardino, haben Sie auf die Uhr geschaut, vielleicht wurden Sie kurzzeitig von Aliens entführt? Ich kenne jemanden, dem ist das passiert.

diagonale, Freitag, 6. Juni 2008, 18:57   (Permalink )
Ich kann es nachfühlen.
Wenngleich ich so supergenervt war, dass ich es nie im Leben ausgehalten hätte, es ausführlicher zu beschreiben.

monolog, Freitag, 6. Juni 2008, 20:06   (Permalink )
Ich wusste, es gibt gute Gründe, warum ich kein Auto habe - schon zu Fuß bin ich eher so orientierungslos unterwegs. Danke, dass Sie mich mit breitem Grinsen versorgen und daran erinnern :)

siria, Sonntag, 8. Juni 2008, 01:27   (Permalink )
Da ich solche Albträume kenne, wenn ich alleine unterwegs bin, habe ich uns jetzt ein Sonderangebots-Navi gekauft. Da ist zwar nicht sportlich, aber bei den Benzinpreisen auch nicht teurer als zweimal verfahren.
Und ein positiver Nebeneffekt: Bisher habe ich meinen Ehemann, wenn er fuhr, immer auf Geschwindigkeitsbegrenzungen aufmerksam gemacht ( und ihn unwirsch), -jetzt tut das die Navi-Stimme, und ich kann meine Klappe halten...

mark793, Sonntag, 8. Juni 2008, 02:53   (Permalink )
Und ich kann jetzt auf etwaige Geschwindigkeitsansagen der Navi-Stimme wohlgemut antworten: "Schnauze, Schlampe - oder steig aus und lauf, wenns Dir nicht passt, wie ich fahre." ;-)

giardino, Sonntag, 8. Juni 2008, 14:29   (Permalink )
Mein Firmenhandy kann schon GPS. Leider muss man jede Routenplanung einzeln bezahlen und sich zuschicken lassen. Aber ich bin schon dabei, nach einer eigenen Software zu suchen.

Dann brauche ich nur noch ein Navi für zuhause, wenn ich orientierungslos durch die Wohnung laufe und versuche, mich daran zu erinnern, was ich gerade wollte.

croco, Sonntag, 8. Juni 2008, 21:01   (Permalink )
Da lobe ich mir meine Navi-Schlampe.
Sie bringt mich immer sauber wieder aus Köln raus.
Die Kölner gehen davon aus, dass jeder in ihre Stadt will. Dass aber einer sie verlassen will, geht nicht, verhindern sie auch.
So gibt es kein Schild nach Frankfurt, keines nach Bonn, auch keines nach Düsseldorf. Wuppertal, Olpe oder Bergheim, das geht. Die mögen sie nicht, die können heim.

monolog, Sonntag, 8. Juni 2008, 23:34   (Permalink )
Ihre These scheint ein wenig gewagt, angesichts der Feindschaft, die Köln und Düsseldorf seit Jahr und Tag pflegen ;)

schmerles, Montag, 23. Juni 2008, 12:24   (Permalink )
In Zukunft rufen Sie mich an- ich bringe Sie raus.