So in zwei Wochen
Sie nennen dich Projektleiter. Du sollst ein komplett neues Produkt zur Lieferreife begleiten. Das Projekt ist da, formal alles aufgesetzt und in Arbeit. So glaubst du tatsächlich, ein Projekt zu leiten: Aufgaben zu verteilen, ihre Erledigung zu kontrollieren, Steine aus dem Weg zu räumen, solche Dinge. Es gibt Prozess- und Rollenbeschreibungen in Hülle und Fülle, so glaubst du, alle notwendigen Arbeitsschritte und Schnittstellen seien bekannt und beschrieben. Du hast dem Projekt beigeordnete alte Hasen für Qualitätssicherung, Logistik, Kaufmännisches, Kundenservice, Fertigung, so glaubst du, wenn du sie gefragt hast, kannst du dich auf ihre Einschätzung und Informationen verlassen.
Du Narr.
Du leitest das Projekt nicht, du bist nur irgendwie für alles verantwortlich. Du verteilst keine Aufgaben und kontrollierst ihre Erledigung, sondern berichtest, was du alles getan hast und die anderen kontrollieren die Umsetzung und klären dich darüber auf, scheibchenweise, was du alles noch nicht getan hast. Die Prozess- und Rollenbeschreibungen sind zu grob, als dass sich die tatsächlich zu erledigenden Schritte oder auch nur Schnittstellen zu anderen Abteilungen daraus ableiten ließen. Von den alten Hasen kennt jeder sein eigenes Puzzlestück in- und auswendig, aber niemand kennt das zusammenhängende Bild mit der vollständigen Liste aller Aufgaben. Erst, wenn du den nächsten Schritt erledigt hast, fällt ihnen ein (oder irgendjemand anderem auf), dass ja jetzt auch noch dieser oder jener Schritt zu tun sei, und irgendjemand verweist dich auf den x-ten Kollegen, den du bisher noch nicht kanntest und den mit seiner Arbeit verbundenen Subprozess, den du bisher auch noch nicht kanntest.
Und du weißt, dass nicht einmal böser Wille im Spiel ist, alle sind freundlich, kooperativ und handeln nach bestem Wissen und Gewissen. Es gibt niemanden, den du schütteln kannst. Keine Eskalationsinstanzen. Denn in den anderen Projekten, die mehr oder weniger seit Jahren vor sich hinlaufen mit ihren nur inkrementellen Produktweiterentwicklungen, da funktioniert ja auch alles, ohne dass jemand den Gesamtüberblick hätte. Haben müsste.
Die Systemkomponenten sind längst fertig entwickelt, es geht nur noch um Fertigungs- und Lieferfreigabe. Und so kämpfst du weiter gegen die Windmühlenflügel der großen Firma, bekommst zunehmend schärfere Fragen, warum dieses Projekt nicht fertig werde, kannst aber nicht einmal konkrete Gründe benennen. Und auf die Frage, wie lange es denn jetzt noch dauere, kannst du nur immer das wiedergeben, was dir die alten Hasen seit Mitte August zu jedem Zeitpunkt sagen: So in zwei Wochen.
Ich werde es jetzt umbenennen, in Das Projekt, das so in zwei Wochen fertig sein wird.
Du Narr.
Du leitest das Projekt nicht, du bist nur irgendwie für alles verantwortlich. Du verteilst keine Aufgaben und kontrollierst ihre Erledigung, sondern berichtest, was du alles getan hast und die anderen kontrollieren die Umsetzung und klären dich darüber auf, scheibchenweise, was du alles noch nicht getan hast. Die Prozess- und Rollenbeschreibungen sind zu grob, als dass sich die tatsächlich zu erledigenden Schritte oder auch nur Schnittstellen zu anderen Abteilungen daraus ableiten ließen. Von den alten Hasen kennt jeder sein eigenes Puzzlestück in- und auswendig, aber niemand kennt das zusammenhängende Bild mit der vollständigen Liste aller Aufgaben. Erst, wenn du den nächsten Schritt erledigt hast, fällt ihnen ein (oder irgendjemand anderem auf), dass ja jetzt auch noch dieser oder jener Schritt zu tun sei, und irgendjemand verweist dich auf den x-ten Kollegen, den du bisher noch nicht kanntest und den mit seiner Arbeit verbundenen Subprozess, den du bisher auch noch nicht kanntest.
Und du weißt, dass nicht einmal böser Wille im Spiel ist, alle sind freundlich, kooperativ und handeln nach bestem Wissen und Gewissen. Es gibt niemanden, den du schütteln kannst. Keine Eskalationsinstanzen. Denn in den anderen Projekten, die mehr oder weniger seit Jahren vor sich hinlaufen mit ihren nur inkrementellen Produktweiterentwicklungen, da funktioniert ja auch alles, ohne dass jemand den Gesamtüberblick hätte. Haben müsste.
Die Systemkomponenten sind längst fertig entwickelt, es geht nur noch um Fertigungs- und Lieferfreigabe. Und so kämpfst du weiter gegen die Windmühlenflügel der großen Firma, bekommst zunehmend schärfere Fragen, warum dieses Projekt nicht fertig werde, kannst aber nicht einmal konkrete Gründe benennen. Und auf die Frage, wie lange es denn jetzt noch dauere, kannst du nur immer das wiedergeben, was dir die alten Hasen seit Mitte August zu jedem Zeitpunkt sagen: So in zwei Wochen.
Ich werde es jetzt umbenennen, in Das Projekt, das so in zwei Wochen fertig sein wird.
[giardino, Dienstag, 30. September 2008, 11:43] 926
Alte Hasen. Oh, wie ich sie liebe. Und wie dankbar ich ihnen bin, wenn sie mich als Projektleiter dulden. Man darf sie halt nur nicht stören bei ihrer Arbeit.
gerdbrunzema,
Dienstag, 30. September 2008, 13:36
(Permalink
)
Letztlich ist das eine Machtfrage, die sich immer als Sachzwang/-frage verkleidet. Wenn man als Projektleiter von oben keine Rückendeckung sondern nur dämliche Fragen bekommt, sind die alten Hasen eben gerne mal sehr alte Hasen.
Und Macht wird von unten nur nach ausgiebigem Test akzeptiert. Wenn da keine Loyalität von oben kommt, is Essig.
Und Macht wird von unten nur nach ausgiebigem Test akzeptiert. Wenn da keine Loyalität von oben kommt, is Essig.
Prinzipiell richtig. In der Rolle des freundlich-gnädigen Unterstützers gefallen sich manche Hasen aber schon auch. Manchmal gelingt es mir, sie an dieser Eitelkeit zu kitzeln, und dann geht wieder ein bisschen was. Solange sie die Verantwortung für das Ergebnis an meinem Hals wissen. ;)
Nichts gegen alte Hasen!
(Okay, ist gibt solche und solche)
(Okay, ist gibt solche und solche)
Haha. Der allgemeine Prozesswahn. Der Tod einer jeden guten Arbeit.
Das sehe ich anders. Ich habe mal in einer kleinen Firma gearbeitet, in der jegliches Wissen nur verteilt in irgendwelchen Köpfen existierte. Die Hölle. Und oft genug auch ein Desaster für die Kunden. Da lernt man Prozesse und deren saubere Dokumentation zu schätzen. (Etwas anderes mag für Vor-Entwicklung und andere ideengetriebene Bereiche gelten.)
Problematisch ist in meinem Fall eher, dass zwar alles mögliche beschrieben und festgelegt wurde, aber wichtige Schnittstellen gerade nicht.
Problematisch ist in meinem Fall eher, dass zwar alles mögliche beschrieben und festgelegt wurde, aber wichtige Schnittstellen gerade nicht.
Ja, nee, es ist natürlich nichts gegen strukturiertes Arbeiten und geordnete Kommunikation einzuwenden. Lachhaft finde ich aber immer diese bis zum Erbrechen dokumentierten Meta-Prozesse und Rollendefinitionen, die einem ja zum Teil auch noch teuer verkauft werden. Was war mal RUP angesagt, gesunder Menschenverstand in Diagramme gegossen, auf CD gebrannt, und von Beratern wie Goldstaub verbimmelt. Natürlich alles wirklich wichtig, bindend und glücksbringend.
Bis der nächste Buzz kommt und die selben Leute ohne rot zu werden das Gegenteil behaupten.
Bis der nächste Buzz kommt und die selben Leute ohne rot zu werden das Gegenteil behaupten.
Hurra! Seit Anfang November wird mein Projekt nur noch so in einer Woche fertig sein. Es konvergiert!
Nach zwischenzeitlichem Rollback, Überarbeitung aller möglichen Dokumente und demnächst zu wiederholendem Test ist die neueste Prognose meines permanent überlasteten Qualitätsbeauftragten Kalenderwoche 4.
Lies: in zwei Wochen.
Ich kann nicht mal mehr müde grinsen.
Lies: in zwei Wochen.
Ich kann nicht mal mehr müde grinsen.
Hihihi.
Hier mein Projekt ist zu früh fertig. Aber sagen Sie's nicht weiter, sonst kann ich nicht mehr Bloggen :-DD
Hier mein Projekt ist zu früh fertig. Aber sagen Sie's nicht weiter, sonst kann ich nicht mehr Bloggen :-DD

