Ich mag den Duft des Orangenöls, kann durch den Dampf das Pärchen auf der anderen Bank kaum sehen, heißes Kondenswasser tropft von der höhlenartig verputzten Decke auf mein Knie, ich sehe kleinsten Schweißperlen zu, wie sie im Zeitraffer aus meiner Haut wachsen und sich zu Tropfen zusammenschließen, nach vielleicht zehn Minuten stehen wir auf, ich muss ein bisschen aufpassen mit dem Kreislauf, kaltes Wasser schwallt schwer und weich über Kopf und Schultern, ein wenig schwindlig laufe ich zur Liege, trockne mich ab und mache es mir mit dem Buch bequem, esse zwischendurch einen Schokoriegel, vergesse lesend ganz die Zeit, bis wir irgendwann beschließen, nach draußen zum Blockhaus zu gehen, dort angekommen laufen wir nach Öffnen der Glastüre gegen eine Wand aus dickflüssiger Hitze, 97°C sagt das Thermometer, die Luft schmeckt nach Holz, hoffentlich schläft der Mann, der sich gerade hingelegt hat, hier nicht ein, nach gut zehn Minuten wieder raus, kalte Dusche, dann kurz ins Außenbecken, wie großartig, draußen nackt und nass in der Kälte stehen zu können und nicht zu frieren, dann schlürfen wir drinnen einen Milchkaffee, schauen den Pärchen und älteren Menschen zu, wie sie von Saunagang zu Saunagang schlappen, lassen uns zwischendurch ein bisschen vom Whirlpool durchknubbeln, lesen wieder, plötzlich sind schon drei Stunden vergangen, es ist dunkel geworden, Badehose an und nochmal rüber ins Schwimmbad, ins warme Außenbecken dort, Silhouetten von Köpfen und Oberkörpern wogen vorm Gegenlicht in den aufsteigenden Dampfschwaden, was für ein großartiges Foto das geworden wäre, drinnen die beiden Rutschen ausprobieren, eine davon mit unglaublicher Geschwindigkeit und Stroboskoplichteffekten, bei denen ich ganz die Orientierung verliere, bis mich die Röhre nach langen neunzehn Sekunden ins Landebecken spuckt, »Achtung—Nichtschwimmer— Wellenbetrieb« blechert der Lautsprecher und lässt mich an Raketenbasen von bösen James-Bond-Gegnern denken, wo auch immer technokratische Stimmen solche Durchsagen machen, wir laufen zum Wellenbecken, lassen uns nochmal einen Betrieb lang treiben, und dann steigen wir schließlich aus dem Wasser, ziehen uns in den Kabinen an und fahren nach Hause, erschöpft und hungrig und warm und ein bisschen glücklich.
[giardino, Montag, 2. März 2009, 00:33] 380
Beim vorletzten derartigen Vergnügen habe ich mir einen hartnäckigen Fusspilz eingefangen, aber selbst das dämpft meine Begeisterung für solche Spaßbäder nur mäßig. Abgedunkelte Mörderrutschen, Wellenbad, Außenbecken, pisswarmes Kleinkindbecken, Whirlpool, das ganze Programm (bis auf Sauna, damit hab ichs nicht so) rockt ohne Ende.
Joh, so geht Leben.
Ich mache mir ein bisschen Sorgen um den Mann, der sich hingelegt hat.

