Lebendige Fotos
Es hat seinen Grund, dass in diesem Blog so gut wie nie Videos zu sehen sind. Nicht nur habe ich bislang einfach nichts eigenes produziert. Auch stört mich die visuelle Vereinnahmung und Unruhe, die - wie ich finde - den Charakter eines Blogs verändert, beziehungsweise dazu passen sollte.

Eine Form aber, die mich sehr begeistert und die ich mir sehr gut auch in diesem Blog vorstellen kann, habe ich bei Fabian Mohr entdeckt. Er schreibt darüber:
Im Prinzip geht es um weitgehend unbearbeitete, kurze Videosequenzen, die einen Augenblick festhalten. Kein Storytelling, kein Sprecher. Nur Footage.

Man kann es sich wie ein Foto vorstellen, das bei Knopfdruck zu leben beginnt.

Was man mit solchen Videos erreichen will, mag variieren: 60 Sekunden Bewegtbild können erklären, verdeutlichen - oder Atmosphäre und Stimmungen transportieren.
Was das heißt und wie sich auch mehrere solcher illustrativen Videos zu einer Stimmungscollage verdichten können, sollten Sie sich bei Fabian Mohr ansehen, zum Beispiel in seinen Einträgen Tag am Meer, Februar und Grau. Wenn Ihre Rechnergeschwindigkeit und Bandbreite es zulassen, lassen Sie ruhig auch mehrere Videos gleichzeitig abspielen.

Ich finde das eindrücklich und zauberhaft. Und stelle mir vor, wie schön es wäre, könnte ich dieses Panel auf ähnliche Weise zum Leben erwecken.

[giardino, Freitag, 6. März 2009, 00:21] 525



kid37, Freitag, 6. März 2009, 01:14   (Permalink )
Seit zwei Jahren habe ich ja das Video-Skizzieren für mich entdeckt. Filmen will ich nicht unbedingt sagen. Aber Atmosphäre läßt sich damit wirklich schön einfangen, und sei es wirklich nur rein illustrativ. Seit ich mit der D90 auch HD entdeckt habe... nun ja, ich arbeite dran. Schöne Beispiele haben Sie da verlinkt, ein paar Alsterplätze kenne ich aus meinen Mittagspausen ;-)

der_papa, Freitag, 6. März 2009, 10:15   (Permalink )
Video war für mich völlig tabu, weil — nun, die wenigsten Menschen bekommen ein gutes Foto hin. Wenn ein unbewegtes Bild schon so schwierig ist, wie schwer muss dann ein gutes bewegtes Bild sein. Aber das Beispiel zeigt, dass so was ganz nett sein kann. Mann muss nur unter dem Hektikradar entlanggleiten, dann wirds schon. Am besten als Schleife und sicherlich auch gerne als sachte animiertes GIF.

Allerdings, dass will ich hier nicht verschweigen, dachte ich beim Betrachten des Films zu erst daran, dass Schneefall auch mit anderen Mitteln auf einen Monitor zu bekommen ist.

Noch ein Gedanke. Im goetzeclan.blogger.de gab es mal eine fiktive Produktvorstellung von einem neuen Betriebssystem. Es nannte sich „Mac OS Air“ und hatte auch organische Bewegungen als optisches Gimmick. Fenster, die sich beim Bewegen leicht verziehen, Flächen, die wie mit einem leicht gefärbten und sich bewegenden Gas gefüllt sind. Als Grundlage der Idee stand damals das Bild eines Waldes, der, eigentlich ganz ruhig dastehend, trotzdem immer irgendwie in Bewegung ist. Blätter rascheln, Äste bewegen sich. Wie verwirrt würden wir sein, wenn wir durch einen Wald gingen, der vollkommen still steht, wie eingefroren? Bin gespannt, wann so was kommt …

kid37, Freitag, 6. März 2009, 10:44   (Permalink )
Das wird dann so eine Art Lava-Lampe fürs Web ;-)

der_papa, Freitag, 6. März 2009, 11:40   (Permalink )
Ich denke, wenn sich Steve Jobs wieder erholt wird er alles daran setzen, dass eine Lava-Lampen-Einstellung absolut nicht möglich ist. Da bin ich mir aber so was von sicher. Nee, Herr Kid, ich denke natürlich anmutende Bewegungen sind auch ohne Drogenleuchten-Optik möglich. Der Ken-Burns-Effekt ist ja auch so was: Fotos werden sanft bewegt dargestellt. Wenn ich wüsste wie es genau aussehen muss, dann würde ich meine Gehalts-Scheck aus Cupertino bekommen …

kid37, Freitag, 6. März 2009, 12:12   (Permalink )
Anders, aber ähnlich sah ich das am Wochenende in der Kunstakademie bei dieser Idee. Im Grunde eine Laterna magica mit Bildschirm. Hinter einer transparenten Folie bewegten sich Plexiglasplatten, auf die per Siebdruck (!) Fotos aufgebracht waren. Das Ganze wurde von hinten beleuchtet und ergab einen hübschen Effekt, wenn sich die leicht unscharfen Bilder sachte im Zugwind bewegten. Als Hintergrund-Gif vielleicht machbar.

Meditativ wirkt auch das Ipenity-Tool, was Mona Lisa eingebaut hat. Kann man bestimmt noch gezielter einsetzen.

der_papa, Freitag, 6. März 2009, 20:00   (Permalink )
Das Ipenity-Tool verwendet den besagten Ken-Burns-Effekt. Ich kenne den vom Apple. Es gibt Bildschirmschoner die Bilder mit diesem Effekt zeigen, oder Diashows interessanter gestalten. Darum hatte ich ja auch auf ein Mac OS Air getippt, und nicht auf ein Windows Air, weil der Mac die Core-Graphic-Routinen schon eingebaut hat und solche Effekte auf dem Mac in Echtzeit ablaufen. Aber, so weit ist Steve wohl noch nicht …

Die Ausstellungsbilder allerdings sehen wirklich Klasse aus. Haben Sie mehr davon, vielleicht auch etwas größer?

kid37, Freitag, 6. März 2009, 21:33   (Permalink )
Jetzt habe ich das erstmal nachgeschlagen. Den Effekt kannte ich, aber Ken Burns sagte mir nichts. Ha, da werden die Kollegen am Montag staunen. Mittlerweile nutzt das ja jede zweite Doku, jedenfalls die aus dem angelsächsischen Raum. Vielleicht ist das deshalb den Leuten bei Apple nicht mehr hip genug.

Leider habe ich keine vernünftigen Fotos aus diesem Ausstellungsraum mitgebracht. Es war etwas schummrig dort, und meine billige Knipse überfordert. Ich könnte mir das sehr gut als Wandverkleidung vorstellen. Es hat den beruhigenden Lagerfeuer-Effekt.

giardino, Sonntag, 8. März 2009, 10:12   (Permalink )
Mich interessiert da eher, wie man leichte Bewegung im Vordergrund einsetzt, um die Atmosphäre eines Bilds zu intensivieren.

Visuelle Effekte im Hintergrund stören mich meist. Ich bin visuell leicht abzulenken — sobald sich etwas bewegt, saugt es meine Aufmerksamkeit auf (ein Grund, warum ich Probleme mit im Hintergrund laufenden Fernsehern habe). Mich stört daher auch, dass Fernsehmacher Interviews oder sprechende Moderatoren kaum mehr ohne sich bewegende Kamera(s) oder stark wechselndem Hintergrund abbilden. Für mich ist das mangelndes Vertrauen in die eigene Arbeit, als würden ihnen die Zuschauer ansonsten sofort davonlaufen. Dieser Ken-Burns-Effekt oder wie das automatische Umherstreifen und -zoomen auf Fotos heißen mag (und in tausenden von Online-Diashows oder auch TV-Dokumentationen zu sehen ist), stört mich da ganz ähnlich. Ich möchte ein Foto in seiner Gänze betrachten können, wenn's geht mit meinem eigenen Tempo, möchte vom Inhalt gefesselt werden und nicht nur, weil jemand vor meinen Augen damit rumwedelt.

kristof, Sonntag, 8. März 2009, 14:00   (Permalink )
Dem stimme ich voll und ganz zu. Deshalb schalte ich bei meinen Arbeitsrechnern auch als erstes alle Animations-Effekte ab.
(Umso mehr hatte mich anfangs überhaupt Ihre Begeisterung für Bewegung in Bildern gewundert.)

mark793, Sonntag, 8. März 2009, 14:28   (Permalink )
Mich stört daher auch, dass Fernsehmacher Interviews oder sprechende Moderatoren kaum mehr ohne sich bewegende Kamera(s) oder stark wechselndem Hintergrund abbilden.

Ursprünglich hatte das den Hintergrund, dass PR-Berater und Medien-Coaches ihren Kunden (Firmenbossen, Konzernlenkern, Unternehmenssprechern) rieten, Interviews und Statements möglichst vor bewegtem Hintzergrund abzugeben, um es den Fernsehleuten schwerer zu machen, die Aussagen zu schneiden und (eventuell sinnentstellend) zusammenzukürzen.

Dass die Fernsehmacher einer Einstellung ohne ständige Bewegung inzwischen auch nicht mehr zutrauen, die Zuschauer bei der Stange zu halten, ist richtig beobachtet. Da ich seit einigen Jahren extrem wenig fernsehe, sticht mir das dann auch extrem ins Auge, wenn ich mich dem wieder mal aussetze.

hugo von krapendorf, Sonntag, 15. März 2009, 22:24   (Permalink )
Danke für die links. Das hat tatsächlich was.