Sie lieben Lebensmittel
Als der junge Kassierer in meinem Edeka neulich die Kugel Radicchio als Rotkohl abrechnete (0,19€), musste ich sehr grinsen. Gesagt hab ich ihm nichts, soviel Ahnungslosigkeit gehört meiner Meinung bestraft. Der geringe Preis war außerdem nur eine sehr kleine Wiedergutmachung für die vielen Male, die ich mich wegen mangelnder Auszeichnung der Obst- und Gemüsepreise schwarz geärgert hatte.
Aber als nun gestern eine andere, ebenfalls junge Kassiererin die Artischocken nach kurzem Blättern in einer Preisliste als Kaktusfeigen (!) eintippte (1,29€ statt 1,99€), machte mich das nachdenklich und betroffen. Lernt man im Zeitalter der Industriefertigprodukte nicht mehr, wie unsere Grundnahrungsmittel aussehen und heißen? Sollte man den armen Kassenkräften vielleicht ein Bildwörterbuch schenken? Oder besser noch Jamie Oliver anrufen, dass er mal meinen Edeka besucht?
Ach was, natürlich werde ich jetzt dranbleiben. Ich glaube, als nächstes probiere ich Rote Bete.
Aber als nun gestern eine andere, ebenfalls junge Kassiererin die Artischocken nach kurzem Blättern in einer Preisliste als Kaktusfeigen (!) eintippte (1,29€ statt 1,99€), machte mich das nachdenklich und betroffen. Lernt man im Zeitalter der Industriefertigprodukte nicht mehr, wie unsere Grundnahrungsmittel aussehen und heißen? Sollte man den armen Kassenkräften vielleicht ein Bildwörterbuch schenken? Oder besser noch Jamie Oliver anrufen, dass er mal meinen Edeka besucht?
Ach was, natürlich werde ich jetzt dranbleiben. Ich glaube, als nächstes probiere ich Rote Bete.
[giardino, Samstag, 10. Juli 2010, 10:11] 799
Und dann bitte eine Drachenfrucht. Die lernen das da noch alles in deinem Edeka. Oder gehen Pleite :)
Oh ja! Vielleicht geht auch eine Kaki als Tomate durch?
bluetenstaub,
Samstag, 10. Juli 2010, 11:25
(Permalink
)
Das erlebe ich auch sehr häufig. Fenchel und Kohlrabi erkennen junge Edeka-KassiererInnen ebenfalls gerne nicht.
(Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich gewisses Gemüse in jugendlichem Alter auch nicht erkannt hätte. Aber nicht, weil es bei uns zuhause nie Gemüse zu essen gab, sondern weil ich es nie selbst gekauft bzw. verarbeitet habe. Hat mich einfach nicht interessiert. "Bis heute nicht!", würde meine Mutter jetzt sagen.)
(Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich gewisses Gemüse in jugendlichem Alter auch nicht erkannt hätte. Aber nicht, weil es bei uns zuhause nie Gemüse zu essen gab, sondern weil ich es nie selbst gekauft bzw. verarbeitet habe. Hat mich einfach nicht interessiert. "Bis heute nicht!", würde meine Mutter jetzt sagen.)
Du verkaufst aber auch nicht Gemüse — in einem Laden zudem, der uns gerne vermitteln würde, dass seine Mitarbeiter Experten für Lebensmittel seien. ;-)
bluetenstaub,
Samstag, 10. Juli 2010, 11:39
(Permalink
)
Stimmt. Aber ich hab' in dem Alter beim Bäcker verkauft - und war mit der Frage, was in den einzelnen Broten drin ist, auch völlig überfordert. :)
Die Mitarbeiter an der Kasse sind halt oft nur Aushilfen / jobbende Schüler und selten qualifizierte Fachkräfte, behaupte ich mal.
Die Mitarbeiter an der Kasse sind halt oft nur Aushilfen / jobbende Schüler und selten qualifizierte Fachkräfte, behaupte ich mal.
bluetenstaub,
Samstag, 10. Juli 2010, 11:49
(Permalink
)
Ach, da fällt mir noch eine nette Anekdote an. Eine junge Frau wollte einer Kindergruppe eine neue Frucht vorstellen: die Physalis. "Damit die auch mal was anderes kennenlernen als Apfel, Banane und Mandarine", schrieb sie. Klingt ja erst mal wunderbar. Nur: In der praktischen Umsetzung sprach sie dann immer von der "Püsalliz". Und ich musste mir ganz doll auf die Zunge beißen.
Hier gibt es Kinder, die kennen keine Mandarinen.
Immerhin gibt es bei Ihnen wenigstens Radicchio im Supermarkt. Die hiesigen schränken ihr Angebot tendenziell eher ein. Paar Exotengemüse für die Show, ansonsten Sparflamme: Gurke, Tomate, Kopfsalat, Kohl.
Immerhin gibt es bei Ihnen wenigstens Radicchio im Supermarkt. Die hiesigen schränken ihr Angebot tendenziell eher ein. Paar Exotengemüse für die Show, ansonsten Sparflamme: Gurke, Tomate, Kopfsalat, Kohl.
Richtige Mandarinen sind mir im Supermarkt schon lange nicht behr begegnet. Nur Clementinen und Satsumas.
Beim Supermarkt bei mir ums Eck haben die Kassierer tatsächlich Übersichtstafeln mit Bildern. Offenbar haben die dort ähnliche Erfahrungen gemacht.
Apropos Baecker ... Es ist aber auch nicht einfach, ein *Fach*verkäufer zu sein. (Wahrscheinlich wissen Bäckerei-Fach-Verkäufer alles über die Fächer, in denen das Brot liegt, und ärgern sich über die absurden und fachfremden Fragen dieser doofen Kunden.)
"Ich glaube ich kündige", sagte die blutjunge Kassiererin zu dem Kunden vor mir. "Aber bitte erst nach mir", sagte ich, bereute das aber später. Sie hielt tatsächlich Kohlrabi für Fenchel, Lauch für Sellerei (auch länglich) und drehte längere Zeit ratlos die Avocado (Aufschrift: Avocado) in der Hand herum: "Was machen Sie denn DAMIT?". Wäre alles noch nicht schlimm gewesen, hätte sie nicht immer erstmal falsch eingegeben und dann durch den Laden "FRAU SCHÖNEBORN STORNO BITTE" gerufen.
Vielleicht mal im Ravioli-Geschäft bewerben.
Vielleicht mal im Ravioli-Geschäft bewerben.
scipio nescio,
Donnerstag, 15. Juli 2010, 20:22
(Permalink
)
Bwahaha. Ich gehe prinzipiell davon aus, dass man als Kassierer Radieschen als solche identifizieren können sollte.
europamitte,
Dienstag, 20. Juli 2010, 12:03
(Permalink
)
Ich glaube, ich muss die Edeka-Mädels mal ein wenig in Schutz nehmen ;-)
Nebst den hier schon genannten Argumenten (was man von zu Hause nicht kennt, selber nur Fertignahrung nutzen) gibt es im Supermarkt ja schon lange nicht mehr nur Äpfel, Birnen, Bananen. Das Angebot - besonders an exotischen Früchten, die bei uns gar nicht wachsen - nimmt ständig zu. Das kann man sich schwerlich alles merken.
Als Verbraucher kann man versuchen das zu nutzen (s.o.) oder wird schlicht betrogen, dann aber zumeist nicht von der Kassiererin, sondern von der Marktleitung. Beispiel: Äpfel kosten alle den gleichen Preis, obwohl sie im Einkauf je nach Sorte unterschiedlich bepreist sind. Daraus macht man eine sogenannte "Mischkalkulation", weil man vom Personal nicht erwartet (oder von den Kunden, da wo diese noch selbst wiegen müssen), auch noch die Sorten auseinander halten zu können.
Nebst den hier schon genannten Argumenten (was man von zu Hause nicht kennt, selber nur Fertignahrung nutzen) gibt es im Supermarkt ja schon lange nicht mehr nur Äpfel, Birnen, Bananen. Das Angebot - besonders an exotischen Früchten, die bei uns gar nicht wachsen - nimmt ständig zu. Das kann man sich schwerlich alles merken.
Als Verbraucher kann man versuchen das zu nutzen (s.o.) oder wird schlicht betrogen, dann aber zumeist nicht von der Kassiererin, sondern von der Marktleitung. Beispiel: Äpfel kosten alle den gleichen Preis, obwohl sie im Einkauf je nach Sorte unterschiedlich bepreist sind. Daraus macht man eine sogenannte "Mischkalkulation", weil man vom Personal nicht erwartet (oder von den Kunden, da wo diese noch selbst wiegen müssen), auch noch die Sorten auseinander halten zu können.

