Seit einer Woche jetzt jeden Tag mit dem Fahrrad im Büro gewesen, das sind etwa sechs Kilometer oder zwischen 15 und 20 Minuten einfach. In den letzten Jahren habe ich das höchstens so ein-zwei mal in der Woche hinbekommen, warum auch immer. Entweder war das Wetter nicht so gut und der Bus so bequem, oder die Möwe konnte mich praktischerweise mit dem Auto hinbringen oder auch abends auf ihrer Heimfahrt von der Arbeit wieder abholen (noch viel bequemer).
Derzeit passen unsere Arbeitszeiten aber nicht recht zusammen, zudem braucht man per Bus aufgrund einer Baustelle und eines zehnminütigen Umwegs an die 50 Minuten statt 35, und das Wetter war mir — zumindest letzte Woche, in der es recht regnerisch war — ein bisschen wurscht. Und siehe da, heute trete ich angestrengt eine Brücke hinauf und bekomme nicht diese leichten Kopfschmerzen und dieses schwindlige Gefühl, das ich seit Jahren! bei jeder größeren Anstrengung hatte, das mir Angst macht (zusammen damit, dass ich danach oft schnell krank wurde) und mich fatalerweise erst recht davon abgehalten hat, mich regelmäßig anzustrengen. Verschwunden, nur weil ich mal eine Arbeitswoche lang täglich auf dem Rad sitze, ts.
Ich fühle mich jedenfalls großartig. Und frage mich, ob nicht seelisches Wohlbefinden doch viel mehr vom körperlichen abhängt als ich mir so eingestehe.
Derzeit passen unsere Arbeitszeiten aber nicht recht zusammen, zudem braucht man per Bus aufgrund einer Baustelle und eines zehnminütigen Umwegs an die 50 Minuten statt 35, und das Wetter war mir — zumindest letzte Woche, in der es recht regnerisch war — ein bisschen wurscht. Und siehe da, heute trete ich angestrengt eine Brücke hinauf und bekomme nicht diese leichten Kopfschmerzen und dieses schwindlige Gefühl, das ich seit Jahren! bei jeder größeren Anstrengung hatte, das mir Angst macht (zusammen damit, dass ich danach oft schnell krank wurde) und mich fatalerweise erst recht davon abgehalten hat, mich regelmäßig anzustrengen. Verschwunden, nur weil ich mal eine Arbeitswoche lang täglich auf dem Rad sitze, ts.
Ich fühle mich jedenfalls großartig. Und frage mich, ob nicht seelisches Wohlbefinden doch viel mehr vom körperlichen abhängt als ich mir so eingestehe.
[giardino, Mittwoch, 22. September 2010, 23:34] 522
Diese Erfahrung habe ich auch gemacht, leider ist sie schon einige Jahre her und seitdem nach und nach in den Hintergrund geraten. Irgendwas ist ja immer, was einen daran hindert, sich mehr körperlich zu betätigen.
Aber es gab da diese Zeit, in der ich, übergewichtig und schlechten allgemeinen Befindens, angefangen habe, regelmäßig Sport zu treiben, und aus einem anfänglichen Hass darauf mit zunehmender Freude über das Geschaffte sowie Gewichtsabnahme und vor Allem einem wirklichen guten Selbstgefühl zu reagieren. Keine Kopfschmerzen mehr, keine Schlafstörungen mehr, wachsende Ausgeglichenheit.
Aber es gab da diese Zeit, in der ich, übergewichtig und schlechten allgemeinen Befindens, angefangen habe, regelmäßig Sport zu treiben, und aus einem anfänglichen Hass darauf mit zunehmender Freude über das Geschaffte sowie Gewichtsabnahme und vor Allem einem wirklichen guten Selbstgefühl zu reagieren. Keine Kopfschmerzen mehr, keine Schlafstörungen mehr, wachsende Ausgeglichenheit.
Bei mir ist das Schwierige, dass alles, dem ich nicht eine absolute, quasi nicht zu durchbrechende Regelmäßigkeit verleihe, nichts wird. Ein Vorhaben wie "3x in der Woche Schwimmen gehen" funktioniert nicht, es muss sowas wie "immer montags, mittwochs, freitags" sein, und selbst dann muss nur mal eine Erkältung oder Urlaub dazwischen kommen und der Einstieg ist wieder flöten gegangen.
Ich erinnere mich gerade, wie ich kurz nach der Trennung einen ganzen Winter durchgeradelt bin (geht auch noch bei minus 10 Grad) und so einen der wenigen Winter erlebt habe, wo ich nicht spätestens im Februar frierend und dauerdepressiv rumgelaufen bin. Ich will das wieder haben.
(Überlege, die Stadtverwaltung zu bitten, die Baustelle am Bahnhof für die nächsten 2 Jahre zu behalten, damit der Leidensdruck in punkto Busfahrt jetzt nicht wieder absackt. ;-)
Ich erinnere mich gerade, wie ich kurz nach der Trennung einen ganzen Winter durchgeradelt bin (geht auch noch bei minus 10 Grad) und so einen der wenigen Winter erlebt habe, wo ich nicht spätestens im Februar frierend und dauerdepressiv rumgelaufen bin. Ich will das wieder haben.
(Überlege, die Stadtverwaltung zu bitten, die Baustelle am Bahnhof für die nächsten 2 Jahre zu behalten, damit der Leidensdruck in punkto Busfahrt jetzt nicht wieder absackt. ;-)
Radfahren kann auch wirklich süchtig machen. Ich wüßte mit meinem Bewegungsdrang kaum noch woanders hin.
Ärzte raten Menschen, die an Depressionen leiden, nicht ohne Grund, Sport zu machen.
dings,
Dienstag, 28. September 2010, 01:30
(Permalink
)
Das kann ich nur unbedingt bekräftigen, also dass das gut ist für die seele jetzt (sowohl angelesen als auch erfahren) (solange man nicht in diesen ehrgeiz-workout-modus verfällt).
tinnymey,
Dienstag, 28. September 2010, 19:38
(Permalink
)
Ich glaube auch das seelische Disharmonie, Auslöser für viele (auch schlimme) Krankheiten sein kann. Mehr als wir glauben. LG
Das mit der Stadtverwaltung hört sich nach einer guten Strategie an. Oder haben Sie schon einmal erlebt, dass eine Baustelle freiwillig und früher als angekündigt verschwindet? ;-)
Ich kenne den Trick leider auch nicht, wie sich zwischen innerem Zwang (3x pro Woche, täglich...) und völligem Ausstieg (ach, dann doch nicht, ich bin doch soo schlapp) eine dauerhaft funktionierende Lösung etablieren ließe.
Im Moment mache ich eine erstaunliche, ähnliche Erfahrung wie Sie: Vor einem Jahr mit einem sehr beglückenden, abendlichen Yoga-Kursus in der kleinen Stadt am Rande der Republik angefangen (aha, ich kann danach wieder durchschlafen!), aber leider nie was zwischen den wöchentlichen Terminen gemacht. Warum? Keine Ahnung, ich war doch immer zu schlapp nach der langen, anstrengenden Arbeit...
Aber nun, plötzlich und unerwartet, nach einem Yoga-Wochenende auf dem Lande habe ich das Bedürfnis danach, einfach morgens ein paar Übungen am offenen Fenster zu machen. Und siehe da, ich tue es seit einigen Wochen ohne den inneren Zwang (Zählen!), aber mit einer gewissen Einsicht und Disziplin. Yeah, denn, was Wunder, mein Morgen-Aufsteh-in-die-Puschen-komm-Problem verflüchtigt sich von selbst, wenn ich ein wenig yoga-gymnastiziere. Ich bin vom Erfolg motiviert, es fühlt sich einfach super an, "wach und orientiert", wie man auf Medizinisch sagen würde, im Büro anzukommen, das gewollt, aber unpraktischerweise keine fünf Fußminuten von der Wohnung entfernt liegt. Früher, in Berlin, und ohne Auto, aber mit Fahrrad und BVG-Ticket war ich nämlich auch deutlich fitter...
Eine schlaue Antwort, wie ich mir diese Motivation erhalten kann, habe ich in etwa 30 Jahren des bewussten Du-solltest-mehr-Sport-Antreibertums noch nicht gefunden. Phasenweise hat es geklappt, in anderen Phasen gar nicht.
Einen ganz banalen Grund, warum mir das Yoga-Gymnastizieren so viel Freude macht, habe ich aber herausgefunden: Ich kenne nach dem Wochenende eine Vielfalt von Übungen, die im Stehen ausgeführt werden können. Was mir abends im Kursus im Liegen und Sitzen gut tut, ist morgens Gift für mich, da komme ich nicht aus dem Knick. Außerdem ist der Blick aus meinem Zimmerfenster auf die üppigen Parkbäume einfach schön und mein Fußboden, trotz 1-a-Schafsfell-Unterlage, nicht so sehr.
Ansonsten: Falls Sie einen Tanzpartner für mich für Sonntagnachmittage in der großen Stadt kennen würden, wäre ich ebenfalls sehr dankbar. Denn das Tanzen mit dem Herrn Exit, bevor der frecherweise nach Köln verzog, war immer sehr beglückend. Da hatte ich auch nie Motivations- oder Fitnessprobleme.
Die Baustelle ist Ihr Freund, Herr Giardino - ansonsten müssten Sie vielleicht mit Ihrer Möwe in die Nähe einer anderen Großbaustelle umziehen? Sozusagen immer den Baustellen in Ihrer Stadt hinterher?
Ich kenne den Trick leider auch nicht, wie sich zwischen innerem Zwang (3x pro Woche, täglich...) und völligem Ausstieg (ach, dann doch nicht, ich bin doch soo schlapp) eine dauerhaft funktionierende Lösung etablieren ließe.
Im Moment mache ich eine erstaunliche, ähnliche Erfahrung wie Sie: Vor einem Jahr mit einem sehr beglückenden, abendlichen Yoga-Kursus in der kleinen Stadt am Rande der Republik angefangen (aha, ich kann danach wieder durchschlafen!), aber leider nie was zwischen den wöchentlichen Terminen gemacht. Warum? Keine Ahnung, ich war doch immer zu schlapp nach der langen, anstrengenden Arbeit...
Aber nun, plötzlich und unerwartet, nach einem Yoga-Wochenende auf dem Lande habe ich das Bedürfnis danach, einfach morgens ein paar Übungen am offenen Fenster zu machen. Und siehe da, ich tue es seit einigen Wochen ohne den inneren Zwang (Zählen!), aber mit einer gewissen Einsicht und Disziplin. Yeah, denn, was Wunder, mein Morgen-Aufsteh-in-die-Puschen-komm-Problem verflüchtigt sich von selbst, wenn ich ein wenig yoga-gymnastiziere. Ich bin vom Erfolg motiviert, es fühlt sich einfach super an, "wach und orientiert", wie man auf Medizinisch sagen würde, im Büro anzukommen, das gewollt, aber unpraktischerweise keine fünf Fußminuten von der Wohnung entfernt liegt. Früher, in Berlin, und ohne Auto, aber mit Fahrrad und BVG-Ticket war ich nämlich auch deutlich fitter...
Eine schlaue Antwort, wie ich mir diese Motivation erhalten kann, habe ich in etwa 30 Jahren des bewussten Du-solltest-mehr-Sport-Antreibertums noch nicht gefunden. Phasenweise hat es geklappt, in anderen Phasen gar nicht.
Einen ganz banalen Grund, warum mir das Yoga-Gymnastizieren so viel Freude macht, habe ich aber herausgefunden: Ich kenne nach dem Wochenende eine Vielfalt von Übungen, die im Stehen ausgeführt werden können. Was mir abends im Kursus im Liegen und Sitzen gut tut, ist morgens Gift für mich, da komme ich nicht aus dem Knick. Außerdem ist der Blick aus meinem Zimmerfenster auf die üppigen Parkbäume einfach schön und mein Fußboden, trotz 1-a-Schafsfell-Unterlage, nicht so sehr.
Ansonsten: Falls Sie einen Tanzpartner für mich für Sonntagnachmittage in der großen Stadt kennen würden, wäre ich ebenfalls sehr dankbar. Denn das Tanzen mit dem Herrn Exit, bevor der frecherweise nach Köln verzog, war immer sehr beglückend. Da hatte ich auch nie Motivations- oder Fitnessprobleme.
Die Baustelle ist Ihr Freund, Herr Giardino - ansonsten müssten Sie vielleicht mit Ihrer Möwe in die Nähe einer anderen Großbaustelle umziehen? Sozusagen immer den Baustellen in Ihrer Stadt hinterher?

