St. Martin

Weckmänner!*
Meine Eltern sind aus Duisburg zu Besuch gekommen und haben Weckmänner mitgebracht. Mit Rosinenaugen und Tonpfeifchen! Ich weiß gar nicht, wie lange ich schon keine mehr gesehen, geschweige denn gegessen habe. Angesichts der bayerischen und fränkischen Traditionsdichte vergisst man schnell, dass auch diese städtisch und industriell geprägte Heimat ihre schönen Bräuche hatte, so wie das Martinssingen auch.

*: so sagt man in Duisburg (sprich: der heutigen Stadt südlich der Ruhr). Für die Möwe, die aus den nördlichen Stadtteilen stammt, heißt der Rosinenteigmann nämlich Stutenkerl.

[giardino, Freitag, 12. November 2010, 22:05] 3810



monolog, Freitag, 12. November 2010, 22:37   (Permalink )
Stutenkerl, auch hier! Und wie ich früher versuchte, nach dem Martinsumzug mit selbstgebastelter Laterne die Tonpfeife so sauber zu kriegen, dass man ihr ein paar Töne entlocken konnte. Hat nie funktioniert.

Die besten ihrer Art habe ich übrigens in Düsseldorf gegessen. Da hießen die aber auch wieder Weckmänner.

e13kiki, Freitag, 12. November 2010, 22:58   (Permalink )
In Hessen heissen die auch Stutenkerle. Oder jedenfalls wurden sie in meiner Kindheit dort so genannt. Leider zerbrachen die Tonpfeifchen sehr leicht beim Spielen.

arboretum, Samstag, 13. November 2010, 17:35   (Permalink )
In Hessen kennt und verkauft man die aber auch unter dem Namen Weckmännchen.

nuss, Samstag, 13. November 2010, 15:35   (Permalink )
In der Schweiz heissen die Herren ja Grittibänzen und sehen etwas anders aus, wie diese Butterwerbung illustriert. Aber die Pfeifen sind natürlich auch nicht schlecht.

vert, Montag, 15. November 2010, 01:38   (Permalink )
alemannisch: grättimann. auch ohne pfiiffe.

kid37, Samstag, 13. November 2010, 18:12   (Permalink )
Ah, der Stutenkerl. Aber hier gibt es auch kein Mätensingen und bloß etwas, das sich "Laternenumzug" nennt. Hanseaten.

punpunpun, Sonntag, 14. November 2010, 20:41   (Permalink )
Im Westerwald auch ganz eindeutig Weckmänner!

diagonale, Sonntag, 14. November 2010, 20:44   (Permalink )
Ha! Wir hatten für Tamara Nile zum Frühstück auch einen parat und sie war völlig begeistert.

Wussten Sie, dass die Pfeife der mutierte Bischofsstab vom St. Martin ist? Hörte ich diese Woche und ich bin mir nicht sicher, ob ich das glauben soll.

giardino, Montag, 15. November 2010, 13:55   (Permalink )
Wusste ich bislang auch nicht. Aber Wikipedia gibt dir recht.

prieditis, Sonntag, 14. November 2010, 22:03   (Permalink )
Aha, alte Schule, MIT Pfeife! Politisch absolut inkorrekt! Wunderbar!
Lecker mit Kraut, Schwarzbrot und so viel Butter, daß der Zahnarzt prima Abgüsse davon machen könnte. Damit die Scheibe Gouda (ja, zusätzlich) auch schön kleben bleibt. Ich muss mal schnell in die Küche...

kristof, Montag, 15. November 2010, 09:55   (Permalink )
Ich kenne die auch als Weckmänner, auch wenn Vater manchmal Stutenmann sagte. Und die isst man natürlich pur, ohne alles.

dings, Montag, 15. November 2010, 10:20   (Permalink )
Klasse, die Originale, die gab es am Samstag beim Besuch meiner Eltern auch. Genauso. Region Duisburg / Moers. Bei uns heißen die Weggemänner.

mark793, Montag, 15. November 2010, 10:42   (Permalink )
Hier bei uns im Hause heißen die "herbstliche Hefeteig-Hempels", aber beim Bäcker ist natürlich auch die Rede von Weckmännern und Stutenkerlen. ;-)

giardino, Montag, 15. November 2010, 11:19   (Permalink )
Wow, spannend! Hätte nicht gedacht, dass die Dinger überhaupt eine solche Verbreitung haben; hier in Franken gibt es überhaupt nichts dergleichen.

(*notier* Mehr Stories zu regionalen Sprach- und Essgewohnheiten!)

kristof, Montag, 15. November 2010, 14:27   (Permalink )
Z.B. "Kreppel"!

giardino, Montag, 15. November 2010, 11:24   (Permalink )
Ich finde ja, die da oben sehen ein bisschen wie Gothmog aus.

kristof, Montag, 15. November 2010, 14:26   (Permalink )
In der Tat, das sind etwas kümmerliche Exemplare ;-)

bluetenstaub, Montag, 15. November 2010, 20:36   (Permalink )
Mal als Gegenpol: Hier gibt's die nicht.

percanta, Freitag, 19. November 2010, 22:04   (Permalink )
An der Nordsee auch: Stutenkerl. Allerdings backe ich sie erst zum Nikolaustag, nicht schon zu St. Martin - das kann aber indivuelle Verwirrtheit sein und nicht regionale Prägung.

hora sexta, Dienstag, 11. Januar 2011, 16:30   (Permalink )
Ich weiß, das kommt ein bisschen spät, aber gerade hat die Uni Augsburg die neuesten Forschungsergebnisse zum Thema "Hefegebäckmann" veröffentlicht: klick.

giardino, Dienstag, 11. Januar 2011, 18:49   (Permalink )
Das ist ja klasse, danke! (Krampus? Hab ich hier noch nie gehört oder gesehen.)

Mit dem empirischen Wissen aus diesen Umfragen kann man auch wunderbar in geselligen Runden punkten.

hora sexta, Dienstag, 11. Januar 2011, 21:47   (Permalink )
Wusste ich Freut mich, dass Ihnen das alles gefällt dort! Und ich meine, der Krampus ist ein anderer Name für den Knecht Ruprecht, den etwas groben Begleiter des gütigen Nikolaus. Sicher bin ich aber nicht, mag heute nicht mehr forschen.

PS: Wollen Sie in Zukunft teilnehmen für Ihren Heimatort? Man ist dort froh um jeden, der mitmacht, Gesetz der großen Zahlen und so, (es gibt sogar sowas wie einen Newsletter/Teilnahmeletter), und Umfragerunde 8 ist ja gerade in vollem Gang und von der Website direkt zu erreichen.