Geschwister-Ostermenü
Von irgendwann in den Achtzigern bis Anfang der Neunziger trafen wir Geschwister uns zu Ostern, um gemeinsam etwas Anspruchsvolles zu kochen. (Ich selbst, ungefähr zehn Jahre jünger als meine Schwester und mein Bruder, war damals natürlich eher Hilfskraft als Mit-Koch.) Vor einem Jahr, nach dem erfolgreichen Geburtstagsmenü für unseren Vater haben wir diese Tradition wiederbelebt. Und weil es mit dem Osterwochenende selbst nicht immer einfach ist, fanden wir uns dieses Jahr erst am darauffolgenden Samstag ein, nämlich gestern. Zu neunt — womit ungefähr die Kapazitätsgrenze unserer Küche erreicht war — haben wir Erwachsenen den ganzen Tag geputzt, geschnibbelt, gerührt, püriert, gebraten und dabei geratscht und schließlich am Abend die vier Gänge in vielleicht drei, vier Stunden zusammen mit jeweils einem passenden Wein verspeist. Es gab vorneweg kleine Häppchen von geröstetem Idiotenbrot mit Knoblauch+Kräutern, Auberginencrème oder in Honig+Öl+Rosmarin eingelegtem Ziegenkäse.
Der erste Gang war Spargel, im Ofen mit Lachsfiletstreifen "überbacken" und einer Orangensauce angegossen. Eine fantastische und feine Kombination, kommt auf die Merkliste für festliche Menüs. Genauso sensationell der zweite Gang, eine Rote-Bete-Suppe mit gebratenen Krabben und frisch drübergeriebenem Meerrettich, der kleine Schärfetupfer zur würzig-süßlichen Suppe setzte (die ansonsten nichts mehr mit dem sonst eher dumpf-groben Geschmack von Roter Bete gemein hatte). Der Hauptgang war ein großes Stück Entrecôte vom Rind, nur mit Salz und Pfeffer gewürzt im Bräter gebraten, in der Mitte rot und butterzart, dazu ein bisschen Sauce Bernaise und Rosmarin-Ofenkartöffelchen ohne Rosmarin (den wir irgendwie auf der Arbeitsplatte vergessen hatten). Der klare Star des Abends, der keine weiteren geschmacklichen Nebendarsteller benötigte. Zum Abschluss dann noch Frozen Yogurt mit einer Erdbeer-Rhabarber-Sauce, der im Gegensatz zum ersten Versuch am vergangenen Wochenende so oft in der Eismaschine gerührt worden war, dass er sahnig-cremig ganz ohne Eiskriställchen blieb. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon so belämmert-selig-satt (nicht zuletzt, weil ich natürlich zu jedem Gang zwei Gläser vom jeweiligen Wein trinken musste), dass ich ganz vergaß, auch noch den Nachtisch zu fotografieren.

War das schön. Und lecker. Nächstes Jahr unbedingt wieder. Mal sehen, vielleicht dann sogar schon in unserer neuen Küche.

[giardino, Sonntag, 1. Mai 2011, 13:26] 822



arboretum, Sonntag, 1. Mai 2011, 14:18   (Permalink )
Das klingt nach einem wunderbaren Treffen mit der Familie. Und wir anderen sitzen jetzt alle sabbernd und lechzend vorm Bildschirm. :-)

P.S. Findet sich das Rezept für die Rote-Beete-Suppe irgendwo online?

giardino, Sonntag, 1. Mai 2011, 14:28   (Permalink )
Nein, leider nicht. Es stammt aus dem Buch Aus Großmutters Gemüsekorb, das es wohl nur noch antiquarisch gibt. Wenn du magst, kann ich es dir das Rezept demnächst mal zuschicken.

isabo, Sonntag, 1. Mai 2011, 15:31   (Permalink )
Und mir das für die Auberginencreme, bitte?

arboretum, Sonntag, 1. Mai 2011, 15:36   (Permalink )
Das wäre wunderbar, vielen Dank!

giardino, Montag, 2. Mai 2011, 19:35   (Permalink )
@isabo, @arboretum: Mach ich in den nächsten Tagen.

mona_lisa, Sonntag, 1. Mai 2011, 15:00   (Permalink )
Das klingt nach einer großartigen Familienrunde mit einem leckeren Rahmenprogramm. Und ich wäre dafür, dass Sie die Rezepte mit der hier lesenden Meute teilen. :)

(Neid, Neid! Und Appetit. Wäre sowas nicht mal eine Idee für eine "Klassenfahrt", so irgendwann?)

arboretum, Sonntag, 1. Mai 2011, 15:37   (Permalink )
Die Rezepte hier öffentlich zu teilen, dürfte aus Gründen des Urheberrechts wohl nicht so ratsam sein.

giardino, Montag, 2. Mai 2011, 19:39   (Permalink )
@arboretum: Ja, die ersten beiden Gänge waren Kochbuch-Rezepte, die würde ich in der Tat ungern hierher kopieren.

@mona_lisa: Hmm, ich weiß nicht. Selbst innerhalb der Familie war es nicht ganz einfach, sich auf Zuständigkeiten, Zubereitung und Zutaten (und die damit verbundene Logistik z. B. wer wann den Backofen nutzen kann) zu einigen. ;-)

milchbroetchen, Dienstag, 3. Mai 2011, 12:44   (Permalink )
Kochbuchrezepte sind übrigend idR nicht durch das Urheberrecht abgedeckt und können recht problemlos gepostet werden (natürlich nicht Scans kompletter Seiten, aber eine Abschrift halt. Aber ihr kennt ja Internet auch schon ne Weile.)