Wolfgang Müller + Yasmine Tourist
Am Dienstagabend beim Stöbern nach Musik mal wieder bei TV Noir hängen geblieben, der immer wieder sehenswerten Liedermacher-Liveshow-Serie, und dabei entdeckt, dass der von uns sehr gemochte Hamburger Gitarrist Wolfgang Müller am Donnerstag Abend zusammen mit der Band Yasmine Tourist in Würzburg auftreten würde. Gesehen, gebucht (nur 9 Euro!), und gestern nach der Arbeit hingefahren.

Das Jugendkulturhaus Cairo in einem ehemaligen Frauenknast (sagte man uns) ist mit vielen Plaketen und ein bisschen Graffitti ein bisschen wie eine Zeitreise in alternative Kneipen und Kulturzentren der 80er und 90er, aber jedenfalls sehr gemütlich. Und klein; hätte nicht jemand zumindest noch ein paar Stühle geholt, hätten wir beinahe wie einige andere der meist studentischen Zuhörer das Konzert auf dem Boden hockend verfolgen müssen. Glück gehabt (file under: Woran man merkt, nicht mehr 20 zu sein.)

Die Musik war dann auch nicht nach Stehen, eher nach verträumtem Rumsitzen; auf der Bühne vielleicht ganz gut visualisiert mit Couch und Stehlampe, wo sich die gerade nicht Spielenden abwechselnd ausruhten; sowohl Yasmine Tourist als auch Wolfgang Müller sind denn auch eher in der melancholischen, getragenen Ecke zuhause.

Die Band war jetzt nicht so unser Geschmack, auch wenn der Sänger eine angenehme Stimme hat (sofern er sich nicht gerade in einem lauten Ausbruch von seiner Gefühligkeit davontragen lässt) und die sonst eher mit Country assoziierte Pedal Steel Guitar mit einem wunderbaren Sound für Atmosphäre sorgte (gespielt von einem jungen Mann, dem man wegen seiner Knuddeligkeit einen Teddybär hätte schenken mögen). Insgesamt aber blieb bei mir wenig hängen, weder von der durchgehend schwermütigen Musik, noch von den englischen Texten. Und ich fand, dass der Sänger seine Gitarre mit gekürzten Fingernägeln sowie einem nachgerüsteten, oftmals krachenden Pick-Up unter Wert spielte, unnötigerweise.
Dagegen war Wolfgang Müller, der sich alle drei Lieder mit der Band abwechselte, durchweg großartig. Nicht nur spielte er Pickings wie ein junger Gott auf seiner voll, rund und silbrig klingenden Westerngitarre, er kam auch sehr sympathisch rüber mit seiner ruhigen, ein wenig verschmitzten Art. Und was ich nicht für möglich gehalten hätte, nachdem ich so oft schon seine Lieder von CD gehört habe: Live gewannen seine Texte eine ganz andere Intensität; ich hatte das Gefühl, viele der tollen Bilder, die er darin findet, zum ersten Mal in ganzer Fülle wahrzunehmen.

Am Ende ein ruhiger, toller Musikabend, der die insgesamt zwei Autostunden Fahrt nach einem Arbeitstag mehr als wert war. Sowas sollten wir öfter machen.

[giardino, Freitag, 11. November 2011, 15:21] 735