bergab / bergauf
Vor einer Woche Telefongespräch mit meinen Söhnen, die ich schon wieder seit einem knappen Monat nicht gesehen habe. Einerseits sehe ich sie zu selten, um gute Geschenkideen zu entwickeln, andererseits werden sie von der anderen Familie seit jeher ganzjährig mit Geschenken bombardiert; es wird daher immer schwieriger, überhaupt noch etwas zu finden, was sie noch nicht haben und ihnen Freude bereitet, ohne sich gleichzeitig in einen Überbietungswettbewerb zu begeben.

Ich frage sie also am Telefon, was sie sich wünschen. Erst der Große (14J): Er wünscht sich Geld, fürs Sparbuch. Nein, er hätte keine konkreten Wünsche. Ich sage ihm, dass ich kein Geld schenken will, erst recht nicht ohne irgendeinen klaren Zweck vor Augen, und dass ich es für etwas ganz und gar Unpersönliches halte. Er bleibt dabei. Okay, wenn kein Geld, dann eben ein Ipod Touch. Nein, sage ich, das wäre deutlich über dem Limit. Der gleiche Wunsch beim Kleinen (12J): Geld fürs Sparbuch. Als ich auch ihm sage, dass ich meinen Söhnen kein Geld schenken will, fügt er in einem unangenehmen Ich-will-nur-was-mir-zusteht-Ton hinzu, er wolle sich schließlich auch mal ein Touch-Handy leisten können. Ich sage klar, dass ich damit nicht einverstanden bin und dass sie sich einen konkreten Wunsch überlegen sollten und ich sie in der kommenden Woche nochmal frage.

Heute dann gefragt, beide weiterhin ohne konkreten Wunsch, nein, sie wollten nur Geld. Ich habe versucht den Kleinen daran zu erinnern, wie sehr er sich an seinem Geburtstag neulich über die Action-Kreisel von mir gefreut hat, versucht ihm zu vermitteln, dass Schenken etwas ist, was zwei Menschen miteinander verbindet, wie sehr auch ich mich über seine Freude gefreut habe, und dass das alles verloren geht, wenn man einen Geldschein schenkt, der zu vielen anderen Geldscheinen gelegt wird, von denen dann vielleicht mal irgendwas gekauft wird oder nicht. Alles vergeblich, beide bleiben dabei. Gesagt, dass ich das immer noch ablehne und darüber nachdenken werde, was wir aus der Situation machen (sie kommen wie immer am 2. Feiertag zu uns, und da gibt's Bescherung).

Ich werde es jetzt so machen: Sie bekommen beide einen Amazon-Gutschein (immerhin ein klitzekleines bisschen konkreter als Geld) und die klare Ansage, dass sie in der Zukunft kein Geschenk mehr bekommen, wenn sie sich nichts Konkretes wünschen. Dazu werde ich ihnen was über den Sinn von Geschenken erzählen. Darüber, dass ich mich ohnehin schon von Seiten ihrer Mutter Schritt für Schritt nur noch zum Geldzahler degradiert fühle. Werde sie fragen, ob sie sich von ihrer Mutter und deren Eltern auch nur Geld fürs Sparkonto gewünscht haben (garantiert nicht), und ob sie ihrer Mutter eigentlich ebenso wie mir nie die kleinste Aufmerksamkeit zum Geburtstag oder Weihnachten zukommen lassen (garantiert doch).

Und mir geht es mies dabei. Der Anruf vergangene Woche so wie auch der heute machen mich fertig. Ich bin unglaublich wütend, wie ich ohnmächtig zuschauen muss, wie meine Söhne inzwischen die gleiche materialistische Anspruchshaltung ohne Maß und Gespür für Andere entwickeln wie ihre Mutter, die diese »Geschenkidee« ohne Zweifel forciert hat und die sich vermutlich gerade tierisch freut, dass ich mich in einen Konflikt mit den Kindern begeben muss, aus dem ich nur entweder als Buh- oder als Hampelmann hervorgehen kann, wie sich über Geldsummen dann doch automatisch Vergleichbarkeit und Wettbewerb zwischen den Geschenken ihrer und meiner Familie herstellt und sie ihre Auffassung, ich und meine Familie seien geizig, subtil an die Kinder weitergeben und dabei auch noch behaupten kann, die Idee käme ja von den Söhnen. Und dass ich gezwungen bin, meine Haltung zu verlassen, nie ihnen gegenüber ein negatives Wort über ihre Mutter zu verlieren.

Richtig mies geht es mir mit diesem Konflikt. Würde mich nicht wundern, wenn sie daraufhin sogar den ganzen Weihnachtstag schmeißen. Und die Angst, die ich abgelegt glaubte, die Kinder könnten sich vielleicht doch von mir abwenden, sie lauert wieder hinter der Ecke und grinst. »Es kann gut sein, dass einer, vielleicht beide tatsächlich ein paar Jahre aus deinem Leben verschwinden«, sagte mir eine sehr gute Freundin neulich, »aber du kannst sicher sein, irgendwann werden sie wieder kommen.«

Ich habe mich schon zuweilen in Verdacht, Manches vielleicht über Gebühr zu dramatisieren. Aber man braucht trotzdem ganz schön Gottvertrauen, um das hinzunehmen.

(Würden Sie etwas anders machen, wären Sie an meiner Stelle?)

/

Vor knapp zwei Jahren stürmte ich zum ersten Mal ins Büro meines Chefchefs und rief, dass ich diesen Scheiß nicht mehr mitmachen wolle, also sinngemäß. (Übrigens sehr interessant, wenn ich das heute lese und feststellen muss, dass ich letzten Endes nur geschickt hingehalten wurde.) Ungefähr seit der gleichen Zeit habe ich mich auch immer mal wieder auf vielversprechende Stellen beworben, wie ihr wisst. Im Herbst 2010 wurde unsere Geschäftseinheit mit einer anderen verschmolzen, seitdem wurden nach und nach alle Marketingbereiche nach einem neuen Schema strukturiert, nur der unsrige blieb unberührt, was unter anderem auch hieß, dass ich Monat um Monat meine Energie weitgehend nutzlos in ein sich nie richtig entwickelndes Projekt stecken durfte.

Bis jetzt, denn anlässlich des Weggangs unseres indischen Chefchefs (den ich ansonsten auf der menschlichen Ebene sehr schätze) war klar, dass wir auch neu aufgestellt würden. Ich habe klar meinen Wunsch geäußert, zukünftig eine andere Produktgruppe betreuen zu dürfen. Und wurde erhört! Seit Montag weiß ich, dass ich als nahezu Einziger in der Abteilung mit der neuen Struktur auch komplett meine Aufgaben ändern werde. Endlich ein anständiges Produkt! Was verkauft wird. Mit dem Geld verdient wird. Von unserer Firma entwickelt und gefertigt. Keine externen Kooperationspartner, mit denen man zirkuläre Diskussionen ohne Resultate führen muss, keine internen Kollegen, denen man in jedem Gespräch neu erklären muss, warum das Projekt leider nach ganz anderen als allen gewohnten Vorgehensweisen funktioniert. Herrlich!

Ich freue mich riesig, das jetzt alles kennenlernen zu dürfen: die Prozesse, die Leute — zum Beispiel in der Fertigung in Madrid, wohin ich dann wohl öfter komme — der neue Anwendungsbereich, die Kunden, die Technik, alles. Endlich das ausleben kann, wofür ich vor mehr als dreieinhalb Jahren den Geschäftsbereich gewechselt habe. Was für eine Befreiung! Ein echtes Weihnachtsgeschenk.

[giardino, Donnerstag, 22. Dezember 2011, 22:09] 874



mark793, Freitag, 23. Dezember 2011, 00:43   (Permalink )
(Würden Sie etwas anders machen, wären Sie an meiner Stelle?)

Schwer zu sagen. Womöglich hätte ich mich dann doch auf die Geld-Schenk-Nummer eingelassen (auch wenn ich das auch nicht übermäßig prickelnd finde). Ehrlicherweise müssen Sie ja zugeben, dass Sie auch nicht die Knaller-Ideen für sehr persönliche Geschenke hatten, und das Problem versuchen Sie jetzt ihren Söhnen zurückzugeben mit der Aufforderung, nun wünscht Euch mal was richtiges. Vielleicht habe ich für deren Schwierigkeiten, mit einem akzeptablen Wunsch zu Potte zu kommen, deswegen Verständnis, weil ich mich auch jedes Jahr schwer damit tue, Geschenkwünsche zu formulieren, zumal mir der ganze Weihnachtsrummel eh kein Herzensbedürfnis ist.

Zu dem "aus dem Leben verschwinden", tja, das kann tatsächlich passieren, und ob beide dann wiederkommen, ist ungewiss. Von den beiden Kinden meines älteren Bruders (Scheidungssituation im weitesten Sinne vergleichbar mit Ihrer, alles nur schon ein paar Jahre länger her) hat nur der Sohn zwischenzeitlich nach längerer Funkstille wieder Kontakt zum Vater gesucht, es bleibt seitdem eine on-off-Beziehung. Die Tochter kann man wohl bis zum Beweis des Gegenteils als für ihn verloren verbuchen. So bitter das irgendwo auch ist, habe ich aber doch den Eindruck, dass das seit das klar ist, mit weitaus weniger Krampf verbunden ist als zu der Zeit, als mein Bruder noch glaubte, kämpfen zu müssen und die Angst vor dem jetzigen Zustand weitaus schlimmer war als jetzt konkret mit der Situation zu leben.

Aber das sagt sich alles so leicht, wenn man grad nicht selber in dieser Situation drinsteckt...

kid37, Freitag, 23. Dezember 2011, 00:46   (Permalink )
Aaah. Darüber, dass ich mich ohnehin schon von Seiten ihrer Mutter Schritt für Schritt nur noch zum Geldzahler degradiert fühle. Den bitte nicht, auch wenn es schwer fällt. Ein bißchen, ich möchte jetzt mal abwiegeln, klingt neben der verständlichen Enttäuschung und Wut auch bei Ihnen eine gefährliche Konkurrenzsituation ("Garantiert doch!") zwischen den Zeilen heraus. In diesen Momenten sprechen Sie (so empfinde ich das) eher mit der Mutter als mit den Kindern.

Ihre Interpretation wird nicht falsch sein. Andererseits sei der Hinweis erlaubt, daß viele Kinder in dem Alter sich Geld wünschen. Es ist ja auch ein Entwicklungsprozeß, eigenes Budget, eigene Verantwortung, sich Ziele setzen - und sei es ein doofes Handy. Das könnte die andere Seite dieser Situation sein. Mir käme es aber auch ungenügend und unbefriedigend vor, würde ich jetzt nur einen Geldschein überreichen. Das könnte nur gehen, würde man fragen, wieviel Geld denn schon fürs Handy beisammen sei, und dann anböte, "den Rest" dazuzutun und dann gemeinsam mit dem Sohn in den Laden gehen. Ich vermute, der 14-Jährige würde sich da erwachsen und ernst genommen fühlen.

Ist wie immer ein schmaler Grat. Aber so waren jetzt meine spontanen Empfindungen. Ich darf aber nichts anderes anraten, als die Faust in der Tasche zu ballen. Ich bin ja Scheidungskind und behaupte, die Langstrecke entscheidet. Sie werden ihren Söhnen noch oft ein guter Vater sein dürfen und können.

Und Glückwunsch zur beruflichen Bewegung. Klingt toll!

e13kiki, Freitag, 23. Dezember 2011, 01:20   (Permalink )
Was würde ich anders machen? Nicht fragen, was sie sich wünschen. Schenken, wovon ich überzeugt bin und wovon ich glaube, daß sie sich freuen würden. Für mich ist die Frage nach dem Wunschzettel etwas für Eltern von kleinen Kndern, die noch an den Weihnachtsmann glauben. Und auch den würde ich nie vollständig abarbeiten sondern mir – je nach Budget – ein, zwei Highlights heraussuchen und dann mit einer Kleinigkeit ergänzen, die unerwartet kommt aber über die sich das Kind freut. Bei den älteren Kindern eben übers Jahr die Augen und Ohren offenhalten. Natürlich kann man nicht alles finanzieren, sollte man auch nicht, aber wenn ein iPod Touch der Herzenswunsch ist, kann man den ja mit der Mutter zusammen schenken, oder den Großeltern. Damit umgeht man auch elegant den „Wettbewerb“,wer die wertvollsten Geschenke macht.

Pubertierende Kinder sind die Pest, das waren wir auch. Statussymbole sind irre wichtig in der Phase. Die Eltern gegeneinander auszuspielen ist normal in dem Alter. Aber dennoch haben sie in aller Regel ein feines Gespür dafür, wenn sie manipuliert werden und ihr Gerechtigkeitssinn funktioniert meist auch ganz gut. Wenn ein Elternteil den anderen konsequent schlecht macht, dann mögen die Kinder eine Weile mitziehen, aber über kurz oder lang durchschauen sie das Spiel und verachten die manipulierende Partei (oder beide, wenn beide Elternteile das Spiel spielen). Kopf hoch!

Und auch von mir Glückwünsche zum neuen Aufgabenbereich, das klingt doch super!

kelef, Freitag, 23. Dezember 2011, 03:54   (Permalink )
von unten nach oben: glückwunsch. so soll das sein.

und dann: ja, kinder wünschen sich oft geld. aus den verschiedensten gründen. und wenn sie gehen und nicht wiederkommen weil die chemie nicht stimmt: das hat nichts mit scheidung zu tun, sondern mit chemie. nur weil man vater-mutter-kind ist muss man sich nicht vertragen, und schon gar nicht liebhaben. das nutzt einmal nix. es ist hart, aber es ist so. manchmal ändert sich die chemie nach ein paar jahren, manchmal nicht. das kann man nicht ändern.

geld zu schenken: mag ich auch nicht. mach ich trotzdem, manchmal. was spricht dagegen den söhnen zu sagen: klasse, wenn ihr keine wünsche habt, hab ich kein kopfweh. ich zahl jeden monat ein paar euro auf ein (gesperrtes, hahaha, vinkuliertes, hihihi) sparbuch auf euren namen, mit einer entsprechend guten verzinsung: kriegt ihr, wenn ihr 25 seid, habt ihr dann mehr davon. kann euch auch keiner wegnehmen und für skikurs, landschulwoche oder was auch immer verbraten, hehehe. sie werden ja sehen, was dann passiert: einen versuch war das bislang immer wert, nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen. manchmal ist man dann tatsächlich schlauer. vielleicht kriegen die jungs auch nur zuwenig taschengeld und wollen das so kompensieren. abonnements für zeitschriften oder was auch immer sind auch eine alternative.

jedenfalls: das kopfweh hört nicht auf. glauben sie einer alten mutter.

wuhei, Freitag, 23. Dezember 2011, 09:21   (Permalink )
Guten Morgen,
da ich selbst unter den Geschenken meiner Eltern (die eigentlich nur das schenkten, was sie dachten, daß sie es in meinem jeweiligen Alter gerne gehabt hätten oder was sie für mich richtig, praktisch, nett oder sonstwas gefunden hatten) gelitten hatte, habe ich es bei meinen beiden Söhnen so gemacht, daß sie ihre eigenen Wünsche erfüllt bekamen, soweit es budgedmäßig gegangen war: also auch Geld, da ich sie zu einem einigermaßen vernüftigen Umgang damit (allein) erzogen hatte.
Wenn also kein definitiver Winsch offen war, gab es das berühmte Kouvert, meist in A4, in verschiedenen selbstbemalten Ausführungen. Aber dazu immer irgendein kleines, witziges, im normalen Leben völlig unbrauchbares, aber sehr persönliches Geschenk.
Aber Sie könnten in das Kouvert mit dem Baren auch einen Gutschein für "mehr Zeit bei Papa" beilegen - natürlich selbstgemacht mit entsprechender Bemalung: z.B. Schifahrer, Schwimmer, Angler, Rummelplatz oder was auch immer Sie mit Ihrem Offspring so anfangen.
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Zur beruflichen Änderung: zumindest ein positiver Ansatz, gratuliere und wünsche Ihnen ausreichend Beharrlichkeit in der -->baldigen<-- Umsetzung! Und lassen Sie sich nicht mehr mit vagen Versprechungen oder Ähnlichem auf die lange Bank schieben.

Wunderschöne Weihnachten, Iris

bluetenstaub, Freitag, 23. Dezember 2011, 09:38   (Permalink )
Hm, aus der Kind-Perspektive: Ich habe mir als Jugendliche und später als Studentin auch häufig Geld von meinem Vater (aber auch von meiner Mutter) gewünscht. Äh naja, und auch heute ist das immer noch so. In der Regel habe ich nicht passend zu Weihnachten oder zum Geburtstag einen größeren Wunsch parat (ein Buchwunsch reicht meinen Eltern nicht, davon hätte ich genug), und ich finde es unsinnig, wenn dann irgendwas gekauft wird, nur damit Geld ausgegeben ist. Ich habe einfach mehr davon, wenn ich mit dem Geld dann zB die KfZ-Versicherung oder die Reparatur der Waschmaschine oder auch die Klamotte für den neuen Job bezahlen kann - auch wenn das nicht so "romantisch" ist, ich bin da eher pragmatisch veranlagt.

Ich finde auch die Enttäuschung (wenn ich das richtig herauslese) darüber, dass die Kinder Dir nichts schenken, ein wenig befremdlich. Das hat aber wahrscheinlich auch mit der Gesamtsituation bei Euch zu tun. Herr Kid hat dazu sehr weise Dinge geschrieben, denen ich mich anschließen würde.

/

Glückwunsch zur neuen Position! (Hier werden auch neue Wege beschritten, allerdings war es weder langfristig geplant noch so sehnsüchtig gewünscht wie bei Dir. Es ist mir eher vor die Füße gerollt.)

novemberregen, Freitag, 23. Dezember 2011, 09:51   (Permalink )
Zum Job Glückwunsch, das ist klasse!

Zum Geschenk: ich finde Sie ungerecht den Kindern gegenüber.

Zuerst einmal finde ich, dass traditionell in dieser ganzen Geschenksituation keine Bringschuld des Beschenkten besteht im Sinne von "Wunsch äußern" und dann auch noch einen Wunsch, der dem Schenkenden gefällt. Es gehört dazu, dass man manchmal nicht weiß, was man schenken soll, und sich den Kopf zerbricht. Es gehört ebenfalls dazu, dass man manchmal etwas bekommt, was man gar nicht so dringend haben wollte. Das muss man aushalten. Logisch ist das alles natürlich nicht, diese Angelegenheit folgt aber nunmal keinen logischen Kriterien sondern ist emotional aufgeladen, sonst würden Sie jetzt nämlich schlicht und einfach Geld schenken oder sich mit anderen Familienmitgliedern zusammentun und die Technik kaufen. Das wünschen sie (die Kinder) sich nämlich, und das haben Sie gesagt, und das passt nun auch nicht. Hier spielen Sachen mit rein, die weit über die eigentliche Angelegenheit hinausgehen.

Ich kann mir vorstellen, dass Kinder in dem Alter sehr schwer zu beschenken sind. Ich würde entweder etwas schenken, von dem ich glaube, dass sie es haben sollten (gutes Buch, sinnvollen Gegenstand oder etwas das ich schön finde und hoffe, dass es ihnen auch gefällt). Alternativ würde ich ein gemeinsames Erlebnis schenken. Wenn beides (aus welchen Gründen auch immer) ausscheidet, würde ich schenken, was sie sich wünschen.

Für Ihre Situation vor dem Hintergrund des ganzen damit verbundenen Krempels habe ich Verständnis, was aber nichts daran ändert, dass das derzeitige vorläufige Ergebnis ("Und wenn Du Dir nichts wünschst, dann schenk ich Dir nichts, so!") etwas skurril wirkt.

kristof, Freitag, 23. Dezember 2011, 10:28   (Permalink )
Nichts schenken sollte eigentlich eine akzeptierte Option sein.

novemberregen, Freitag, 23. Dezember 2011, 13:30   (Permalink )
Ich finde nichts schenken generell auch eine akzeptierte Option - in meinen Optionen kommt das nicht vor, weil ich in der geschilderten Situation, so wie sie bei mir angekommen ist, nicht nichts schenken würde. Es klingt für mich so, als möchte Herr Giardino etwas schenken, eigentlich, und würde nichts schenken als Reaktion auf die Schenk-Komplikationen. Ich habe den Eindruck - der mag natürlich täuschen - dass ihn die Nicht-Schenk-Lösung auch nicht glücklich macht und zudem nicht das Signal sendet, dass er mit dem Ursprungsgedanken - dem Geschenk - beabsichtigt hatte.

hora sexta, Freitag, 23. Dezember 2011, 10:47   (Permalink )
Lieber Herr giardino, das ist sehr berührend, was Sie da von Ihren Söhnen erzählen. Da Sie fragen: Ja, ich würde eine Sache anders machen (jedenfalls wollen, weiß der Himmel, ob ich in Ihrer Situation die Kraft dazu hätte): Nichts erklären. Nichts über den Sinn von Geschenken, nichts, was Sie über die Mutter denken. Keine Vorwürfe und Rechnungen über das Schenkverhalten der Kinder. Schenken und fertig. Der Amazon-Gutschein ist eine gute Idee, wenngleich die Jungs dort ja auch iPod etc. kaufen können - daher vielleicht buch.de? Ich vermute, das kommt Ihrer Absicht noch näher. Und sonst: nur machen und wirken lassen. Sie werden der Buhmann sein, aber nicht der Hampelmann, und wenn Ihre Söhne später zu Ihnen zurückkommen, dann mit Respekt. Zu einem Hampelmann kommen sie mit Verachtung zurück, und das wäre unerträglich.

Ich hoffe, das ist nicht zu hart gesprochen. Es ist so schwer, klar zu sprechen und richtig. Daher auch mein Sermon oben. Schon wieder zu viele Worte - seien Sie statt dessen besonders herzlich gegrüßt!

giardino, Freitag, 23. Dezember 2011, 21:17   (Permalink )
Ich versuche anstatt vieler einzelner Antworten mal eine zusammenfassende.

Mir ist klar, meine Gedanken zum Geschenk für meine Söhne müssen merkwürdig klingen. Vielleicht sollte ich noch ein paar Worte zu dem sagen, was dazu geführt hat.

Vergangenes Jahr zum Beispiel frage ich sie im Auto, als ich sie an einem Sonntagmorgen Ende November zu einem Tag bei mir abhole (meine Eltern zu Besuch), ob sie sich etwas Spezielles wünschen. Nein, ihre Antwort, auch nach Nachfragen, ihnen würde überhaupt nichts einfallen. Wir kommen zuhause an, sie begrüßen meine Eltern und erzählen ihnen als allererstes, was sie sich von ihnen zu Weihnachten wünschen.

In einem Telefongespräch mit meiner Ex-Frau um die gleiche Zeit fordert sie mich auf, einen Ski-Pass für den Großen zur Hälfte zu bezahlen, wenn er im März auf Klassenfahrt geht. Den Unterhaltsprozess gerade erst verdaut und kurz vor der letzten, 4stelligen Rate, die ich gerichtlich festgelegt noch (zusätzlich zum Unterhalt für Kinder und sie) noch zurückzuzahlen hatte, frage ich sie, ob sie sich eigentlich nicht schäme. Sie wolle, was ihr zustünde, war die Antwort. Kurze Zeit später, noch vor Weihnachten, erzählt mir der Große mit einem Mal, er wünsche sich Geld für den Skipass, weil er sonst nicht auf Klassenfahrt mitfahren könne. Ich mache ihm klar, dass ich jeden Monat sehr viel Geld an seine Mutter überweise, wovon ich erwarte, dass sie auch solche Schulaktivitäten bezahlt. Er solle sich doch etwas wünschen, was ihm direkt zugute käme; ich würde nicht etwas schenken wollen, was letztlich nur auf Mamas Konto landet. Er bleibt dabei.

Zu Weihnachten schenken wir beiden eine Wii. Der Große stürmt mit Tränen aus dem Zimmer, weil ich ihm nicht den Skipass geschenkt habe. (Später fängt er sich wieder. Beide spielen auch jetzt noch sehr gern mit dem Ding.)

Vielleicht macht das ein bisschen verständlicher, warum ich Geldgeschenke ablehne, mich auch nicht mehr mit meiner Ex abstimmen will, was Geschenke angeht, und anfange, etwas paranoid zu werden, wenn die Kinder sagen, sie wüssten nicht, was sie sich wünschen, sie wollten Geld. Ich spüre jedes Mal, dass die Kinder irgendwelche Dinge von zuhause nicht erzählen; in den wenigen Stunden am Samstagnachmittag alle zwei Wochen, die sie ohnehin nur bei mir sind, telefoniert der Große ein bis dreimal mit der Mutter, und sichert sich außerdem bei jedem Pillepalle ab, ob sie damit einverstanden ist.

Vor nicht allzu langer Zeit haben wir ihnen u. A. eine gemeinsame Reise nach Hamburg ins Miniaturwunderland geschenkt. Etwas, von dem wir hundertprozentig wissen, dass es ihren Geschmack trifft. Sie freuen sich, und meine Exfrau meint, das wäre ja toll, da wäre sie auch gern drauf gekommen. Als es kurze Zeit später darum geht, einen Termin zu finden, wollen meine Söhne nicht mehr mit, also zumindest nicht drei Tage, nein, eigentlich auch nicht zwei, am Ende konnten wir diese Idee beerdigen.

Seit Jahren gratulieren sie mir nicht zum Geburtstag, ebensowenig bekomme ich je auch nur irgendein Geschenk zum Geburtstag oder zu Weihnachten. Das finde ich für sich genommen schade, könnte aber damit leben, zumindest was Geschenke angeht. Dass sie aber selbstverständlich ihre Mutter beschenken, doch, das schmerzt.

Wenn das, was ich hier aufgeschrieben habe, nicht alles zusammenkommen würde (und auch das ist nur ein Bruchteil), ich würde die Frage nach dem Geldgeschenk vermutlich ebenso unaufgeregt sehen wie die meisten von Ihnen.

Aber Sie haben recht; vieles von dem, was ich ihnen sagen wollte, ist nach wie vor nicht gut und okay. Und das mit dem keinen Geschenk auch nicht, das ist wirklich Unsinn. Aber ich werde auch nicht nur einen Geldschein schenken, zum einen weil ich mich damit aus oben genannten Gründen nicht wohlfühle, zum anderen weil ich das ihnen selbst ja auch schon deutlich gesagt habe. Beide bekommen einen Amazon-Gutschein. Damit können sie für all das bezahlen, wofür sie sich begeistern: Bücher, Computerspiele, Musik, was weiß ich nicht alles. Meinetwegen auch Ipods, da hab ich nicht grundsätzlich etwas dagegen.

Vielen Dank für Ihre Kritik, die vielen Gedanken, und dass sie mir die Gelegenheit gegeben haben, mir ein wenig klarer zu werden.

wuhei, Samstag, 24. Dezember 2011, 09:27   (Permalink )
ich muß hier ein mir ansonsten völlig fremdes "WOW" loswerden. Ich hatte nach Ihren anderen Beiträgen angenommen, daß Ihre Exmadam Ihnen zumindest was Moral und Anstand angeht, ähnlich wäre. Iss nich so - Faktum. Und mit diesem Wissen auch von mir eine 180° Kehrtwendung:
Ja, schenken Sie den beiden, was Sie für die beiden für richtig halten, Gemotze hin oder her. Eventuell spaßhalber jedem noch einen 10er dazulegen (ist doch auch Geld ;);) ).

Zu erreichen, daß Ihre Söhne auch nur annähernd Ihre eigene Denkungsart begreifen und sie vielleicht auch einmal leben, dürfte sich beim gravierend anderen Einfluß der Exmadam schwierig gestalten; wenn überhaupt jedoch nur mit häufigeren Aufenthalten bei Ihnen. Da dies aber hier zu weit führte, könnten wir vielleicht darüber skypen: em13ma

Trotz allem eine schöne Weihnachtszeit - ich schau sicher wieder vorbei - Iris

vert, Freitag, 23. Dezember 2011, 21:35   (Permalink )
soziologie des alltags: "der weihnachtsmann ist ein sadist"...

scarbo, Samstag, 24. Dezember 2011, 02:09   (Permalink )
Schenken Sie ihnen, was sie möchten (ja auch Geld, warum nicht),
denn auch konkrete Geschenke verlieren oft kurzfristig an Reiz und führen nicht unbedingt zu mehr Wertschätzung. Und darum geht es doch im Kern.
Sie möchten Ihre Rolle nicht gemindert sehen. Sie wollen zu Recht wichtig bleiben im Leben Ihrer Söhne. Völlig verständlich, aber leider nicht regelbar und komplett offen im Ergebnis. Das kann sehr bitter enden. Ich wünsche es Ihnen nicht.
Ich selbst bin in dieser Lage.
Mehr als Liebe und Freiheit konnte ich meinem (Pflege-)Sohn nicht schenken.
Einen Wettbewerb zwischen mir und seinem biologischen Vater hab ich ihm erspart.
Wir hatten seit seinem 5. Lebensmonat für 20 Jahre eine enge emotionale Beziehung (dachte ich), aber sein finanzstarker Vater hat letzlich gewonnen.
Thats life. Ansprüche gibt es nicht.
Beruflich viel Erfolg für Sie!

extramittel, Montag, 26. Dezember 2011, 14:19   (Permalink )
Nein, ich würde nichts wesentlich anders machen. Mein Credo ist ja, dass Scheidungseltern zwei Dinge versuchen sollten: 1. die Kinder so weit wie möglich aus dem Konflikt heraushalten (in deinen Situation zugegebenermaßen ziemlich schwierig) 2. für das eigene Glück und Wohlbefinden sorgen. Wenn es dir gut geht, profitieren auch die Kinder davon (für das Glück der Mutter sind sie ja offenbar sehr verantwortlich) und können davon was mitnehmen. Dass du für sie da und gerne mit ihnen zusammen bist, werden sie wissen. An allem, was mit der Mutter zusammenhängt, kannst du nichts ändern.
Glückwunsch zum neuen Job!

dings, Mittwoch, 28. Dezember 2011, 14:06   (Permalink )
Mir kommt das sehr vertraut vor. In solch einer Situation muss man viele Kröten schlucken und sieht seine Hoffnungen und Ideale davonschwimmen (von den karussell-fahrenden Gefühlen mal ganz abgesehen).
Es klingt so, als wäre ihnen vor allem die menschliche Botschaft wichtig, und zwar an erster Stelle in der Beziehung zu ihren Kindern. Die richtige Geschenkepädagogik kommt da erst an zweiter Stelle - sie ist Teil des Ganzen.
Meine Vorschlag: a) schlucken sie die Kröten, die sich nicht vermeiden lassen. Das ist eine Herausforderung - aber die Situation ist so, dass es unvermeidlich scheint. Gehen sie auf die Wünsche der Kinder ein. Zeigen sie ihnen immer ihre Zuneigung, ihre Haltung. Halten sie den Kampf mit dem anderen Elternteil aus der Beziehung zu den Kindern heraus. (Ja, das erfodert viel Gleichmut und Wohlwollen.) P.S.: Predigen bringt nichts.
b) erläutern sie ihre Einstellung. Bringen sie altersgerecht ihre Gründe dafür an. Veranschaulichen sie ihre Ideale (das ist das Wertvollste, was sie geben können). Rechnen sie gleichzeitig damit, dass sie nicht unmittelbar eine zustimmende Reaktion erfahren werden. Erwarten sie keine zustimmende Reaktion. Lassen sie es deutlich sein, dass kein Zwang zur Zustimmung besteht. Zeigen / sagen sie einfach nur, was sie für gut und wünschenswert halten. Überzeugen sie durch Freundlichkeit, Wohlwollen, Geduld.
Letzten Endes will ich nichts anderes sagen als: seien sie einfach liebevoll, denn ich verstehe sie so, dass das ihr Wunsch ist. In einer solchen Situation braucht man jedoch zusätzlich eine enorme Geduld. Viel Kraft dafür!

giardino, Montag, 2. Januar 2012, 21:51   (Permalink )
Danke für Ihre Kommentare.