Kurzreisen
Am Mittwochmorgen den bislang wichtigsten Vortrag seit Übernahme meiner neuen Aufgaben Anfang des Jahres mittendrin an meinen Teamleiter übergeben müssen, da meine Vorredner über eine Stunde überzogen hatten und ich irgendwann zum Flughafen musste.
Geschäftsreise mit dem Flugzeug im Sommer mit Umstieg auf Mallorca; im Business Casual inmitten riesiger Urlauberhorden. Schräg.
Die östlichen Pyrenäen von oben eine einzige Steinwüste ohne jegliches Grün, mit Furchen wie von einer riesigen Gletscherraspel gefräst. Die Nordküste bei Bilbao dagegen saftig dunkelgrün.
Im Mietwagen festgestellt, dass der Hersteller meines eigenen, mitgebrachten Navis unter Westeuropa andere Länder versteht als ich. An der Tankstelle mit rade gebrochenem Spanglish eine herkömmliche Karte erstanden und den richtigen Weg nach Pamplona gefunden.
Alles zweisprachig beschildert. Dieses Baskisch ist eine lustige Sprache, mit vielen tx und tz, u und t und z und manchem k am Wortende. Raststätte heißt beispielsweise zerbitzugunea, aus dem man das dem Romanischen entlehnte servicio kaum mehr erahnen kann. San Sebastian heißt Donostia, Pamplona hat den (sehr schön klingenden) Namen Iruña und Bilbao heißt wie der Hobbit Bilbo. Ich möchte nicht wissen, wie das alles ausgesprochen wird. Bei diesen Sprachen liegt die letzte Rechtschreibreform ja meist etwas länger zurück.
Überraschend gebirgig hier, mit zwischenzeitlichen Ausblicken aufs Meer, wenn es nicht gerade die Hänge hochdunstet.
Überhaupt: An einem Tag sowohl Mittelmeer als auch Atlantik gesehen. Und am Tag darauf noch einmal, in umgekehrter Reihenfolge. Dieses Reisen mit dem Flugzeug bleibt doch immer noch irre, irgendwie.
Abends zu erschöpft von der großen Hitze, um das klimatisierte Hotelzimmer zugunsten touristischer Aktivitäten zu verlassen. Stattdessen das strunzlangweilige Spiel Portugal – Spanien im Fernsehen angeschaut. Man sagt mir, ich habe das berühmte Stiertreiben um nur eine Woche verpasst. Aber Leuten dabei zuzusehen, wie sie auf der Flucht vor durch die Gassen marodierenden Stieren zertrampelt werden trifft ohnehin nicht ganz meine Vorstellung von Unterhaltung.
Der eigentliche Geschäftstermin am Donnerstagmorgen ist zwar ganz nett, erfüllt aber in keiner Weise die Erwartungen, für die ich 1) meinen Vortrag in der Mitte abgebrochen, 2) den ganzen Reisestress auf mich genommen und 3) das seit einem halben Jahr vorbefreute Konzert von Boy im Serenadenhof Nürnberg streichen musste.
Nachmittags wieder zurück zum übrigens architektonisch sehr modernen Flughafen. Dort taktischen Fehler begangen, mein kleines Gepäck einzuchecken, um es während der 4 Stunden Aufenthalt am Flughafen Mallorca nicht an der Backe zu haben. Bordkarte mit Platz "40K" bekommen. Bis dahin nicht gewusst, dass so große Flugzeuge überhaupt auf dem Flughafen Nürnberg landen dürfen.
Gut die erste Hälfte des Spiels Deutschland – Italien auf einer Großleinwand auf dem Flughafen Palma angeschaut, inmitten von lauter Bundestrainern.
Nach einer halben Stunde Verspätung sowie einer weiteren halben Stunde am Gepäckband (zusammen mit über 300 Urlaubsheimkehrern, s. taktischer Fehler oben) um zwei Uhr nachts endlich zuhause angekommen.
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Freitag früh frische Hose und Hemd in den Koffer geworfen und ab ins Büro. Nach einem stressigen Arbeitstag direkt mit der Möwe nach Mainfranken gefahren, wo wir ein Weinwochenende verbringen würden, das meine Geschwister und ich meinen Eltern zu Weihnachten geschenkt hatten.
Im Örtchen Sommerach, das mancher vielleicht von Bocksbeutel-Etiketten kennt und ganz so aussieht, wie man sich ein idyllisches, fränkisches Weinörtchen so vorstellt,
in einem sehr gastfreundlichen und bis in jedes Detail geschmackvoll hergerichteten Gästehaus untergekommen. Mit kaltem Getränk vorne auf die kleine Terrasse gesetzt und instantanes Urlaubsgefühl bekommen.
Abends in der Gaststube eine Weinprobe mit verschiedenen französischen Weinen genossen (Wirt und Wirtin sind leidenschaftliche Fans südfranzösischer Küche, Landschaft und Weine, und sie führen neben dem Haus auch eine Weinhandlung in Würzburg).

Dazwischen kleine Gänge wie Flammkuchen mit Lachs, Lauch und grünem Spargel, eine französische Gemüsesuppe, in die wir kleine, mit Knoblauchzehe beriebene Weißbrotstückchen mit geriebenem Käse und Pistou (eine Art Pesto) versenkten, oder einem großen Teller mit leckeren Antipasti wie dem französischen Schinken mit selbstgemachter Zwiebelmarmelade oder verschiedenen in Olivenöl eingelegten Käsen zu selbstgebackenem Brot. Viel geredet und gelacht. Danach satt, zufrieden und angenehm angeschickert im schönen Zimmer ins Bett gesunken.



Am Samstagmorgen spät und sensationell gut gefrühstückt. Allein die selbstgemachten Brötchen und Marmeladen!
In der Mittagshitze durch Felder und wunderbare Wiesen gelaufen.





Nach einer Siesta im kühlen Zimmer am Abend nach Nordheim wenige Kilometer weiter gefahren. Mit einer kleinen Fähre über den Altmain gesetzt. Die Gruppe von Teenies, die in Badeklamotten auf der Fähre saß, nutzte ungefähr in der Mitte des Flusses die Rampe als Sprungbrett, um gemeinsam ins Wasser zu springen. Gute Idee.


In Escherndorf im Gasthaus zur Krone zu Abend gegessen. Ganz feine, leckere Küche, sehr aufmerksamer Service und faire Preise.


Im aufziehenden Gewitter zurück nach Sommerach, dort bei offenem Fenster noch ein wenig übrig gebliebenen Wein und Brot gegessen, geredet und die hereinziehende kühle Luft genossen.
Heute morgen noch einmal so gut gefrühstückt, von den Wirten herzlich verabschiedet worden und zurück nach Hause gefahren. Ein kleiner Urlaub mit der Familie. Hätte nicht gedacht, dass man sich nach einer so hektischen Woche so gut entspannen kann.
Ach ja, am Montag in Vorbereitung auf die Dienstreise eine Kompaktknipse gekauft, natürlich nur für die Arbeit. Alle Fotos oben sind damit gemacht. Sehr zufrieden. Nicht schlecht, was man mit diesen kleinen Dingern inzwischen anstellen kann.
Geschäftsreise mit dem Flugzeug im Sommer mit Umstieg auf Mallorca; im Business Casual inmitten riesiger Urlauberhorden. Schräg.
Die östlichen Pyrenäen von oben eine einzige Steinwüste ohne jegliches Grün, mit Furchen wie von einer riesigen Gletscherraspel gefräst. Die Nordküste bei Bilbao dagegen saftig dunkelgrün.
Im Mietwagen festgestellt, dass der Hersteller meines eigenen, mitgebrachten Navis unter Westeuropa andere Länder versteht als ich. An der Tankstelle mit rade gebrochenem Spanglish eine herkömmliche Karte erstanden und den richtigen Weg nach Pamplona gefunden.

Überraschend gebirgig hier, mit zwischenzeitlichen Ausblicken aufs Meer, wenn es nicht gerade die Hänge hochdunstet.

Abends zu erschöpft von der großen Hitze, um das klimatisierte Hotelzimmer zugunsten touristischer Aktivitäten zu verlassen. Stattdessen das strunzlangweilige Spiel Portugal – Spanien im Fernsehen angeschaut. Man sagt mir, ich habe das berühmte Stiertreiben um nur eine Woche verpasst. Aber Leuten dabei zuzusehen, wie sie auf der Flucht vor durch die Gassen marodierenden Stieren zertrampelt werden trifft ohnehin nicht ganz meine Vorstellung von Unterhaltung.
Der eigentliche Geschäftstermin am Donnerstagmorgen ist zwar ganz nett, erfüllt aber in keiner Weise die Erwartungen, für die ich 1) meinen Vortrag in der Mitte abgebrochen, 2) den ganzen Reisestress auf mich genommen und 3) das seit einem halben Jahr vorbefreute Konzert von Boy im Serenadenhof Nürnberg streichen musste.

Gut die erste Hälfte des Spiels Deutschland – Italien auf einer Großleinwand auf dem Flughafen Palma angeschaut, inmitten von lauter Bundestrainern.

Im Örtchen Sommerach, das mancher vielleicht von Bocksbeutel-Etiketten kennt und ganz so aussieht, wie man sich ein idyllisches, fränkisches Weinörtchen so vorstellt,
in einem sehr gastfreundlichen und bis in jedes Detail geschmackvoll hergerichteten Gästehaus untergekommen. Mit kaltem Getränk vorne auf die kleine Terrasse gesetzt und instantanes Urlaubsgefühl bekommen.





In der Mittagshitze durch Felder und wunderbare Wiesen gelaufen.










Heute morgen noch einmal so gut gefrühstückt, von den Wirten herzlich verabschiedet worden und zurück nach Hause gefahren. Ein kleiner Urlaub mit der Familie. Hätte nicht gedacht, dass man sich nach einer so hektischen Woche so gut entspannen kann.
Ach ja, am Montag in Vorbereitung auf die Dienstreise eine Kompaktknipse gekauft, natürlich nur für die Arbeit. Alle Fotos oben sind damit gemacht. Sehr zufrieden. Nicht schlecht, was man mit diesen kleinen Dingern inzwischen anstellen kann.
[giardino, Sonntag, 1. Juli 2012, 22:34] 993
Schön! Ist das der Artikel, den du zuvor ins Nirvana geschossen hast? Ich hab am gleichen Tag nach 3 Stunden Comiczeichnen meine Outlines verschusselt - bzw. die Ebene gelöscht, in der die gespeichert waren. Das hat auch sehr geschmerzt....
Genau der. Ist mir auch schon ewig nicht mehr passiert; man ist ja eigentlich Blogprofi, denkt man.
jammernich,
Montag, 2. Juli 2012, 18:54
(Permalink
)
Tolle Bilder. Man bekommt direkt Fernweh.
Von euch aus schätzungsweise nur anderthalb Autostunden. Also zumindest, was die zweite Reise angeht. :)
jammernich,
Montag, 2. Juli 2012, 19:20
(Permalink
)
Ja. Ich war ja Samstag erst irgendwo in Franken auf einer Geburtstagsfeier. Hat ca. 90 Minuten gedauert dahin...
danke für die feine geschichte.
wer trifft schon eine meute bundestrainer, wenn man ja selber vor der glotze...
jetzt will ich sofort urlaub.
wer trifft schon eine meute bundestrainer, wenn man ja selber vor der glotze...
jetzt will ich sofort urlaub.

