Chicago.

Wo sind jetzt die vergangenen sieben Wochen seit dem letzten Eintrag geblieben?
Die Arbeit hat sie gefressen. Und in meiner Erinnerung ist darüber hinaus nicht viel hängen geblieben. Eine Woche flog vorbei wie die nächste, und an den Wochenenden war auch immer so viel los, dass ich nie genügend Muße verspürte, auch noch irgendetwas in dieses Blog zu kleben. Entschuldigung.
Aber eines blieb mir im Gedächtnis, das waren fünf Tage USA auf Kundenbesuch. Nach Chicago geflogen, mit schwedischem Kollegen (der in Pennsylvania arbeitet) am Flughafen getroffen und zusammen dann 500 Kilometer gen Westen mit dem Auto gefahren, zunächst durchs nordwestliche Illinois, landschaftlich wunderbar und abwechslungsreich (bis auf die Äcker, die nur Mais und Soja tragen) und durch Bilderbuchstädtchen hindurch, die mit ihren Holzhäusern und -veranden, Football-Schulteams auf grünen Wiesen und schmucken Kirchlein so amerikanisch aussehen, als habe ein Fremdenverkehrsamt sie für europäische Touristen aufgestellt. Dann über den Mississippi, der an eine merkwürdige Sehnsucht rührt, sich einmal mit einem Boot auf ihm bis runter in den Golf von Mexiko treiben zu lassen, als wäre man in einem früheren Leben schon einmal hier gewesen. Und schließlich durch die erschreckende Agrarwüste Iowa, die von ihren sanften Hügeln zunächst an die Picardie erinnert, einen aber dann an den Rändern des Highways über hunderte Kilometer nichts als an Mais, Mais, Soja, Mais und wieder Mais vorbeifahren lässt (immer mit kleinen Saatgutschildern von Dupont, Monsanto & Co. ausgezeichnet), nur alle paar Kilometer kommen mal eine Farm oder ein paar Silos. Keine Fotos.
Im Hotel der Kleinstadt angekommen dann gegoogelt: Nur wenige Meilen nördlich, nur in der Gegenrichtung von Iowa nach Wisconsin führte der Weg des echten Alvin Straight mit seinem Aufsitzrasenmäher, wie er in The Straight Story verfilmt wurde. Im Hotel-Ordner eine Liste lokaler Religionsgemeinschaften:

Am Mittwoch dann Rückfahrt nach Chicago, das Hotel in Downtown, der Kunde nicht weit entfernt im Univiertel. Schon auf der Fahrt auf die Skyline zu und erst recht beim Abendspaziergang große Augen gemacht. Begeistert durch die Häuserschluchten und den Chicago River entlang gelaufen, ähnlich wie im November 2001, als ich zum allerersten mal in den USA war und durch Manhattan lief und diesen Superlativ von Stadt in mir aufsog. Und ich weiß nicht warum, aber irgendwie erschien mir Chicago freundlicher, sprach mich persönlicher an als New York. Und auch hier wieder dieses kurze Gefühl, schon mal da gewesen zu sein, eine alte, innere Heimat wiederzusehen. Merkwürdig. Es heißt, im Winter wäre der sprichwörtliche Wind Chicagos kalt und unerbittlich – das alleine hätte mich aber wohl schon davon abgehalten, hier tatsächlich einmal längere Zeit zu verbringen, denn bei kaltem Wind am Kopf bin ich eine Mimose.
Am Donnerstag einen erfolgreichen Tag beim Kunden verbracht und ihm dabei auf die Finger geschaut, wie er unser Produkt nutzt, am Freitagmorgen noch eine Schulung von Vertrieblern, dann nachmittags wieder ins Flugzeug zurück nach Deutschland. Fünf sehr intensive Tage, die meinen Horizont erweitert haben.

[giardino, Sonntag, 16. September 2012, 23:04] 824
kaltmamsell,
Montag, 17. September 2012, 09:28
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)
Oh schön!
Ich hatte das Glück, bei meinem Chicagobesuch Ende 1992 (oh ja, sehr kalter Wind) von einer Kunstgeschichte-Doktorandin herumgeführt zu werden, die sich auf die Hochhausarchitektur konzentrierte. Mann, ist das lange her...
Ich hatte das Glück, bei meinem Chicagobesuch Ende 1992 (oh ja, sehr kalter Wind) von einer Kunstgeschichte-Doktorandin herumgeführt zu werden, die sich auf die Hochhausarchitektur konzentrierte. Mann, ist das lange her...
wasweissich,
Montag, 17. September 2012, 09:52
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Das freut mich, dass es Dir so gut gefallen hat. Chicago ist wirklich eine tolle Stadt. Ich sage nur, ich kam für drei Monate und blieb fünf Jahre. Vermisse ich manchmal auch immer noch, aber bald gibt es ja sogar Direktflüge von Berlin...
Guten Morgen Massa Giardino,
schn, daß Sie wieder da sind - und, sie war das american food?
schn, daß Sie wieder da sind - und, sie war das american food?
Ach, ich hab schon schlechter gegessen. Vor allem ein gehobenes Steak- und Meeresfrüchterestaurant im Zentrum von Chicago war sehr, sehr gut. Die Mengen sind allerdings immer wieder eine Herausforderung, egal wo man isst.
(Massa?)
(Massa?)

