Geben. Hören. Sagen.
In der Mittelstufe fing es an. In der von allen nur Milchbar genannten Bude, einem vom Schulhof zugänglichen Raum mit ein paar Tischen und einer Theke, hinter der das Hausmeisterehepaar neben tetraverpackter Milch auch Kaffee, belegte Brötchen und Süßigkeiten verkaufte, trafen wir uns in Freistunden und spielten Karten.
In den ersten Monaten, in denen ich dabei war, spielten wir immer nur Ramsch, eine Skatvariante, bei der man keinen oder möglichst wenige Stiche machen muss (oder aber restlos alle). Später gingen wir irgendwann über zum vollständigen Skat, während wir in den letzten zwei Jahren der Oberstufe nur noch Doppelkopf kloppten – und Skat freilich auch noch, wenn wir keinen Vierten fanden, der sich zu einer, ähm, spontanen Freistunde überreden ließ.
Später erst stellte ich fest, dass sowohl mein Vater, mein großer Bruder (der aber nur noch sporadisch zuhause war) als auch mein Opa Skat beherrschten, und es gab manchen Abend, an dem wir uns bis tief in die Nacht hinein am Tisch festspielten. Wobei uns mein Opa meist gnadenlos abzockte. Er schien bei jedem Stich exakt zu wissen, welche Karten noch nicht gespielt waren und konnte teilweise nach dem Reizen schon genau vorhersagen, wieviele Punkte er machen würde. Unglaublich.
Als ich hierher nach Mittelfranken kam, war Schluss mit anspruchsvollem Kartenspiel, zumindest fanden sich unter meinen (prinzipiell von überall her zusammengewürfelten) Kommilitonen nie zwei oder gar drei Gleichgesinnte, um loszulegen. Wenn überhaupt, konnten die Leute Schafkopf, was ich als eine deutlich spannungs- und variantenärmere Variante von Doppelkopf empfinde, zumal es mit diesem deutschen Blatt (Schelle und Eichel, Ober und Unter usw.) gespielt wird, gegen das ich schon als Kind eine unerklärliche, geradezu körperliche Abneigung gepflegt habe. So beschränkten sich meine Kartenspiele der letzten zwanzig Jahre im Wesentlichen auf Patiencen oder Uno.
Aber wie geht dieser T-Shirt-Spruch? Wenn man neue Leute kennen lernen will, muss man ab einem gewissen Alter welche gebären. Ganz in diesem Sinne habe ich heute angefangen, meinen 13 und 15 Jahre alten Söhnen, die nicht weit von Regensburg wohnen, Skat beizubringen. Für den Einstieg natürlich erst einmal schlicht, nur Farbensoli. Alles Weitere wie Nullspiel, Grand – nur echt als Grang – und die ganzen Spielstufen Hand, Ouvert, Schneider, schwarz, das können wir alles später noch lernen (lies: muss ich selbst erst dringend nochmal nachlesen). Aber: hey, sie sind schon total begeistert. Und ich auch. War das ein Spaß!
Jetzt muss ich nur noch einen Plan ausarbeiten, wie ich auch die Möwe in die Sache ziehe, dann könnten wir am Ende womöglich sogar noch Doppelkopfen, und einer subtilen, fortschreitenden Nordrheinwestfalisierung der Oberpfalz stünde nichts mehr im Wege.
In den ersten Monaten, in denen ich dabei war, spielten wir immer nur Ramsch, eine Skatvariante, bei der man keinen oder möglichst wenige Stiche machen muss (oder aber restlos alle). Später gingen wir irgendwann über zum vollständigen Skat, während wir in den letzten zwei Jahren der Oberstufe nur noch Doppelkopf kloppten – und Skat freilich auch noch, wenn wir keinen Vierten fanden, der sich zu einer, ähm, spontanen Freistunde überreden ließ.
Später erst stellte ich fest, dass sowohl mein Vater, mein großer Bruder (der aber nur noch sporadisch zuhause war) als auch mein Opa Skat beherrschten, und es gab manchen Abend, an dem wir uns bis tief in die Nacht hinein am Tisch festspielten. Wobei uns mein Opa meist gnadenlos abzockte. Er schien bei jedem Stich exakt zu wissen, welche Karten noch nicht gespielt waren und konnte teilweise nach dem Reizen schon genau vorhersagen, wieviele Punkte er machen würde. Unglaublich.
Als ich hierher nach Mittelfranken kam, war Schluss mit anspruchsvollem Kartenspiel, zumindest fanden sich unter meinen (prinzipiell von überall her zusammengewürfelten) Kommilitonen nie zwei oder gar drei Gleichgesinnte, um loszulegen. Wenn überhaupt, konnten die Leute Schafkopf, was ich als eine deutlich spannungs- und variantenärmere Variante von Doppelkopf empfinde, zumal es mit diesem deutschen Blatt (Schelle und Eichel, Ober und Unter usw.) gespielt wird, gegen das ich schon als Kind eine unerklärliche, geradezu körperliche Abneigung gepflegt habe. So beschränkten sich meine Kartenspiele der letzten zwanzig Jahre im Wesentlichen auf Patiencen oder Uno.
Aber wie geht dieser T-Shirt-Spruch? Wenn man neue Leute kennen lernen will, muss man ab einem gewissen Alter welche gebären. Ganz in diesem Sinne habe ich heute angefangen, meinen 13 und 15 Jahre alten Söhnen, die nicht weit von Regensburg wohnen, Skat beizubringen. Für den Einstieg natürlich erst einmal schlicht, nur Farbensoli. Alles Weitere wie Nullspiel, Grand – nur echt als Grang – und die ganzen Spielstufen Hand, Ouvert, Schneider, schwarz, das können wir alles später noch lernen (lies: muss ich selbst erst dringend nochmal nachlesen). Aber: hey, sie sind schon total begeistert. Und ich auch. War das ein Spaß!
Jetzt muss ich nur noch einen Plan ausarbeiten, wie ich auch die Möwe in die Sache ziehe, dann könnten wir am Ende womöglich sogar noch Doppelkopfen, und einer subtilen, fortschreitenden Nordrheinwestfalisierung der Oberpfalz stünde nichts mehr im Wege.
[giardino, Samstag, 9. Februar 2013, 21:43] 603
Doko rules. Hoffentlich lässt sich die Möwe dafür begeistern. Skat muss man dafür gar nicht können, ich habe Doko auch vor Skat erlernt.
Schön, dass Sie mit Ihren Jungs ein vergnügliches Wochenende verbracht haben.
Schön, dass Sie mit Ihren Jungs ein vergnügliches Wochenende verbracht haben.
Komisch, ich habe immer gern Doppelkopf gespielt und Skat gehasst. Keine Ahnung - vielleicht widerspricht "zwei gegen einen" meinem Gerechtigkeitssinn oder so.
So richtig begeistern kann ich mich für Skat auch nicht. Doppelkopf macht einfach viel mehr Spaß.
Och, es hat beides seinen Platz, finde ich. Doppelkopf hat mehr Witz und Schwung, dafür ist Skat geeignet, auch noch stundenlang in einer Art gedimmtem Bewusstseinszustand gespielt zu werden.
Übrigens sind Soli bei Doppelkopf mit 3:1 ja noch viel ungerechter!
Übrigens sind Soli bei Doppelkopf mit 3:1 ja noch viel ungerechter!
Bis zu Soli bin ich nie gekommen. Glaube nicht, dass in meiner Familie irgendwer weiß, wie das geht. Hihi.
Als Kind habe ich gerne Skat mit meinen Eltern gespielt, im Urlaub nur. Außerhalb fand sich niemand, und auf der FH das gleiche: nur Schafkopfler...
Meine Mutter war dabei die Tonangebende, und sie war Fränkin ;)
Meine Mutter war dabei die Tonangebende, und sie war Fränkin ;)
Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie verbreitet Skat hier überhaupt ist. Schafkopf ist klar, in der Fränkischen wird noch tarockt, aber Skat? Keine Ahnung.
Darum braucht man 3 Kinder. (In meinem Elternhaus sitzen bei Gelegenheiten wie Weihnachten inzwischen die Schwiegerkinder mit Doko-Spiekzetteln dabei, damit es auch dann Doppelkopfrunden gibt, wenn nicht alle Kinder da sind.)
Noch ein Kind wäre natürlich eine Idee. Andererseits... die beiden anderen wären, wenn wir dann endlich spielen könnten, womöglich längst irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs und würden ihrerseits anfangen, sich um Kartenspielernachwuchs zu kümmern.
hora sexta,
Sonntag, 10. Februar 2013, 10:49
(Permalink
)
Achtung, FSK 16: Der vierte Mann beim Skat ist doch der Brunzkarter! Der ist unbedingt wichtig (da muss man nicht gleich auf Doko umsteigen). Als zunehmend echter werdender Franke wissen Sie bestimmt, was das ist.
Bis auf Weiteres ist der Bierkonsum bei unseren Runden noch stark eingeschränkt, so dass wir ohne auskommen. Aber gut, das im SchafHinterkopf zu behalten.

