Nochmal kurz zum Papst. Sorry.
(Aber eigentlich geht es hier nur oberflächlich um ihn.)
Es sind sicher nicht Wenige, die es für richtig, vernünftig und weise halten, wenn jemand aus Alters- und Gesundheitsgründen von einem Amt zurücktritt. Ist ja auch was dran, wenn es um Ämter mit Verantwortung und Einfluss geht.
Ich teile diese Ansicht trotzdem nicht vollständig, vor allem nicht bei einem Papst. Es ging bei diesem Amt ja nicht um eine demokratische Wahl mit Verfallsdatum oder eine übertragene Aufgabe mit festen Arbeitspaketen, die man wieder abgibt*, sondern um ein Amt in der Nachfolge Christi. Eine Lebensaufgabe, für die man wohl getrost allen Segen und Kraft Gottes erwarten darf, wenn man diesen Glauben ernst nimmt (was man bei Papstanwärtern wohl voraussetzen darf). Auch wenn's schwerer wird.
Aber ich will nicht die persönliche, bestimmt nicht leichtfertige, sondern aus Verantwortungsbewusstsein gefällte Entscheidung des Hrn. Ratzinger kritisieren, zumal ich nicht die Gründe kenne. Persönliche Gewissensentscheidungen sind persönliche Gewissensentscheidungen, da verbieten sich Verurteilungen ohnehin.
Ich möchte an dieser Stelle an etwas anderes erinnern. Ich war wirklich kein Fan von Johannes Paul II. (genausowenig wie von Benedikt XVI), aber mit seiner bewussten Entscheidung, zum Ende hin trotz zunehmender Parkinson-Erkrankung nicht abzutreten und sich weiterhin öffentlich zu zeigen, hat er mich beeindruckt.
Warum? In unserer Gesellschaft wird der nach ihren Maßstäben funktionierende, körperlich und geistig leistungsfähige Mensch gefeiert. Wer dagegen krank ist, behindert, dement, sonstwie mit äußerlichen oder psychischen Makeln behaftet, möge bitte aus dem Blickfeld verschwinden. Auf Hilfe angewiesen sein – womöglich bis zum Lebensende – scheint dabei für Viele eine der schlimmsten Vorstellungen überhaupt zu sein; ich bin immer wieder erschreckt, wie leicht Leute sagen, sie würden sich lieber umbringen, bevor sie sich anderen (und sich selbst) das zumuteten.
Johannes Paul II. hat dem etwas entgegengesetzt: Das Bild eines Menschen, der alt wird, hilfsbedürftig und zunehmend kraftloser. So wie es vermutlich einem großen Teil von uns selbst ergehen wird. Der dadurch aber nicht eine Unze seiner Würde verloren hat. So wie niemand seine Würde verliert. Und ich bin sicher, das war nicht ganz einfach, da waren bestimmt viele um ihn herum, die – natürlich nur zu seinem Besten – darauf gedrängt haben, dass er in irgendeinem wunderschönen italienischen Kloster abseits der Öffentlichkeit gepflegt wird, während irgendein Nachfolger schon wieder forsch am Steuerrad der großen Kirche dreht.
So wenig er vermutlich noch in der Lage war, schwierige Amtsgeschäfte zu führen (ich denke, das haben andere um ihn herum besser erledigt), so wichtig war er für das Amt mit der Botschaft: Es ist nicht schlimm, Hilfe zu brauchen. Es ist nicht schlimm, schwach zu sein. All das gehört zum Leben, man muss es tragen und darf nicht wegschauen. Das fand ich ein starkes Zeichen.
*: was offenbar zuvor in der 2000jährigen Geschichte der Kirche auch nur ein Papst aus freien Stücken getan hat
Es sind sicher nicht Wenige, die es für richtig, vernünftig und weise halten, wenn jemand aus Alters- und Gesundheitsgründen von einem Amt zurücktritt. Ist ja auch was dran, wenn es um Ämter mit Verantwortung und Einfluss geht.
Ich teile diese Ansicht trotzdem nicht vollständig, vor allem nicht bei einem Papst. Es ging bei diesem Amt ja nicht um eine demokratische Wahl mit Verfallsdatum oder eine übertragene Aufgabe mit festen Arbeitspaketen, die man wieder abgibt*, sondern um ein Amt in der Nachfolge Christi. Eine Lebensaufgabe, für die man wohl getrost allen Segen und Kraft Gottes erwarten darf, wenn man diesen Glauben ernst nimmt (was man bei Papstanwärtern wohl voraussetzen darf). Auch wenn's schwerer wird.
Aber ich will nicht die persönliche, bestimmt nicht leichtfertige, sondern aus Verantwortungsbewusstsein gefällte Entscheidung des Hrn. Ratzinger kritisieren, zumal ich nicht die Gründe kenne. Persönliche Gewissensentscheidungen sind persönliche Gewissensentscheidungen, da verbieten sich Verurteilungen ohnehin.
Ich möchte an dieser Stelle an etwas anderes erinnern. Ich war wirklich kein Fan von Johannes Paul II. (genausowenig wie von Benedikt XVI), aber mit seiner bewussten Entscheidung, zum Ende hin trotz zunehmender Parkinson-Erkrankung nicht abzutreten und sich weiterhin öffentlich zu zeigen, hat er mich beeindruckt.
Warum? In unserer Gesellschaft wird der nach ihren Maßstäben funktionierende, körperlich und geistig leistungsfähige Mensch gefeiert. Wer dagegen krank ist, behindert, dement, sonstwie mit äußerlichen oder psychischen Makeln behaftet, möge bitte aus dem Blickfeld verschwinden. Auf Hilfe angewiesen sein – womöglich bis zum Lebensende – scheint dabei für Viele eine der schlimmsten Vorstellungen überhaupt zu sein; ich bin immer wieder erschreckt, wie leicht Leute sagen, sie würden sich lieber umbringen, bevor sie sich anderen (und sich selbst) das zumuteten.
Johannes Paul II. hat dem etwas entgegengesetzt: Das Bild eines Menschen, der alt wird, hilfsbedürftig und zunehmend kraftloser. So wie es vermutlich einem großen Teil von uns selbst ergehen wird. Der dadurch aber nicht eine Unze seiner Würde verloren hat. So wie niemand seine Würde verliert. Und ich bin sicher, das war nicht ganz einfach, da waren bestimmt viele um ihn herum, die – natürlich nur zu seinem Besten – darauf gedrängt haben, dass er in irgendeinem wunderschönen italienischen Kloster abseits der Öffentlichkeit gepflegt wird, während irgendein Nachfolger schon wieder forsch am Steuerrad der großen Kirche dreht.
So wenig er vermutlich noch in der Lage war, schwierige Amtsgeschäfte zu führen (ich denke, das haben andere um ihn herum besser erledigt), so wichtig war er für das Amt mit der Botschaft: Es ist nicht schlimm, Hilfe zu brauchen. Es ist nicht schlimm, schwach zu sein. All das gehört zum Leben, man muss es tragen und darf nicht wegschauen. Das fand ich ein starkes Zeichen.
*: was offenbar zuvor in der 2000jährigen Geschichte der Kirche auch nur ein Papst aus freien Stücken getan hat
[giardino, Montag, 11. Februar 2013, 20:13] 470
ich verstehe das ganze gewese um diese figuren in rom nicht. meine mutter ist auch 85, hat ihre wehwehchen und zeigt sie auch, wenn sie hilfe braucht, helfe ich gerne und ich bin nicht allein. seitenlange berichte schreibt aber keiner über sie obzwar sie mindestens genau so gläubig ist wie dieser meister da in rom...
Stimme mit Ihnen überein, was die generelle Haltung zum Alter betrifft.
Aber: Es geht ja nicht allein um die Nachfolge Christi, in Sachen Papsttum geht und ging es schon immer auch um Macht. Ich finde Ratzingers Entscheidung insofern nachvollziehbar (auch wenn ich nicht weiß, ob seine wirkliche Motivation so war), als dass ich mir vorstellen könnte, da spielt vielleicht auch Angst mit. Und zwar die Angst, zu einer Marionette zu werden und letztlich nur noch ausführende Kraft zu sein, anstatt sich selbst behaupten zu können. Das ist sehr menschlich. Manchen vielleicht zu menschlich.
Aber: Es geht ja nicht allein um die Nachfolge Christi, in Sachen Papsttum geht und ging es schon immer auch um Macht. Ich finde Ratzingers Entscheidung insofern nachvollziehbar (auch wenn ich nicht weiß, ob seine wirkliche Motivation so war), als dass ich mir vorstellen könnte, da spielt vielleicht auch Angst mit. Und zwar die Angst, zu einer Marionette zu werden und letztlich nur noch ausführende Kraft zu sein, anstatt sich selbst behaupten zu können. Das ist sehr menschlich. Manchen vielleicht zu menschlich.
Johannes Paul war bis kurz vor Schluss geistig wohl recht fit. Ratzinger hingegen hat auch auf das "Nachlassen der geistigen Gesundheit" gestern hingewiesen. Ich denke, ein dementer Papst ist wohl für niemanden hilfreich. Dann lieber den Ausgang wählen, solange es noch selber geht.

