Freitag, 22. Februar 2008
Der Weggang als Vorwurf
Mein Noch-Chefchefchef, Vorgesetzter von etwa 300 Mitarbeitern (müssen Sie auch immer lachen, wenn in der Zeitung von diesen flachen Hierarchien zu lesen ist, die es jetzt überall geben soll?) hatte von meinem Weggang Wind bekommen und mich für heute morgen wortlos per Mail (»Betreff: Personalthema«) zu einer halben Stunde Gespräch eingeladen.

Und was für ein merkwürdiges Gespräch das war. Natürlich hatte ich mich ein wenig vorbereitet, um einerseits die überwiegend positiven Beweggründe für den Wechsel zu erklären, andererseits den mittlerweile doch enormen Frust mit der jetzigen Arbeit etwas strukturierter auf den Punkt bringen zu können. Irgendwie hatte ich dabei die naive Annahme, auf diese Weise vielleicht noch einmal Gehör zu finden, an welchen Stellen meiner Meinung nach ganz grundsätzlich etwas verbessert werden könnte, um das Projekt (und damit auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter) in bessere Bahnen zu lenken. Oft genug hatte ich es an anderen Stellen erfolglos versucht.

Nun, schon seine Eingangsfrage, warum ich denn jetzt gehen würde, klang weniger ehrlich interessiert als vorwurfsvoll, beinahe persönlich beleidigt. Ich legte meine Begeisterung für die neue Stelle dar, auch dass die Atmosphäre unter den jetzigen Kollegen unterm Strich immer prima gewesen sei. Als ich dann zu den Punkten kam, die die Arbeit unnötig mühsam und unbefriedigend machen, hörte er zwar weiter reserviert zu, aber nur um mir umgehend zu erklären, dass das nun mal so sei bei neuen Projekten, ich nicht glauben solle, irgendwo anders sei es besser und dass ich ja auch mal zu ihm hätte kommen können, wenn es etwas aus dem Weg zu räumen gegeben hätte.

Jenun, dachte ich. Der ganze Laden knirscht seit langem unter Projektkomplexität und mangelnder Strategie, die Leute sind entnervt, Meilensteine werden ein ums andere Mal verschoben, Feuerwehraktionen sind Dauerzustand — aber wenn ich nicht direkt zu ihm gehe (immerhin drei Ebenen über mir), muss ich alles richtig finden. Warum nimmt er das nicht einfach mit? Sind meine konkreten Beobachtungen weniger bedenkenswert, weil ich sie nicht schon vorher ihm gegenüber geäußert habe? So offen dürften seine direkt Untergebenen selten zu ihm sprechen, und er muss den allgemeinen Unmut doch auch irgendwie wahrnehmen. Und wenn ich die Dinge tatsächlich zu eng sehe, nur ein Nörgler wäre, unsere Kunden in Wirklichkeit zufrieden und er uns von seiner Warte aus auf dem richtigen Weg sieht: ist doch prima.

Was soll's, um mich geht es ja nicht mehr; ich bin losgeworden, was mir wichtig war. Meinetwegen ist alles eine tolle Herausforderung, die nur verlässt, der ohnehin nicht gut genug ist. Inzwischen glaube ich, auch der Weggang weiterer erfahrener Leute an schmerzhaft wichtigen Stellen wird ihn von dieser Haltung nicht abbringen, weswegen ich ihm am Schluss auch nicht mehr erzählt habe, dass ich schon drei von ihnen kenne.

[giardino, 18:40] Permalink (12 Kommentare) 516



Mittwoch, 20. Februar 2008
Mofi mal wieder
In der kommenden Nacht schlafen? Oder lieber um vier Uhr aufstehen, auf dem Balkon Finger abfrieren (wenn der Himmel überhaupt klar ist), nur um nochmal die Fotos vom letzten Jahr zu machen?

Ach nein, ich lass da den Herrn Kristof vor, der hat ohnehin das geilere Gerät. Allein zu wissen, dass heute Nacht wieder der rasend schöne Kupfermond über uns steht, wird mich glücklicher schlafen lassen.

Info zur Mondfinsternis.

[giardino, 16:29] Permalink (8 Kommentare) 362



Lob des Fortschritts
[...] setzt sich eine Erfindung der Schweizer Chemiker durch, dann sind Kaffeeverkoster möglicherweise bald überflüssig. Denn die Espresso-Maschine, die das Team am Nestlé Research Center konstruiert hat, erkennt laut den Nestlé-Chemikern selbst, ob der Espresso gut ist oder nicht. [q]
Ich bin zuversichtlich, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Maschinen ihren Kaffee praktischerweise gleich selbst trinken.

(Dem Automaten im Aufenthaltsraum würde ich's wünschen.)

[giardino, 11:30] Permalink (4 Kommentare) 305