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Sonntag, 20. April 2008
Gesundheitsreligion
»Gesundheit« heißt das Zauberwort. Man muss etwas tun, um gesund zu bleiben, zu werden oder: wieder zu werden. Die Inbrunst, mit der man sich darum bemüht, sich dafür aufopfert, erinnert an Religion. Die Gesundheitsreligion herrscht schichten, partei- und konfessionsübergreifend in jedem Winkel unserer Gesundheitsgesellschaft. Selbst in den Raucherreservaten, die es noch gibt, raucht man mit schlechtem Gewissen. Auch der Begriff Sünde wird heute eigentlich nur noch gesundheitsreligiös verwendet. Etwa beim Verzehr von Sahnetorte. [...]Meine rechthaberische Seite (»Ich hab's doch immer schon gesagt!«) gebietet mir, auf diesen mir aus dem Herzen sprechenden Artikel in der Zeit hinzuweisen.
[Die Gesundheitsreligion] suggeriert unerreichbare Utopien und unterhält eine florierende Industrie, die ihren trügerischen Versprechungen die sehnsüchtigen Massen zutreibt. Mit verbissenem Ernst, die Todesdrohung im Nacken, und schuldgebeugt hetzen die Menschen bei Marathonläufen durch die Straßen hässlicher Städte, laufen von Arzt zu Arzt und essen unschmackhafte Sättigungsbeilagen zu einem Leben voller Verzicht und Kasteiung. Um den Tod zu vermeiden, nehmen sie sich das Leben, nämlich unwiederholbare Lebenszeit. [...]
Unmerklich, aber umso wirkungsvoller hat die Gesundheitsreligion unser Menschenbild verändert. Wenn der gesunde Mensch der eigentliche Mensch ist, dann ist der nicht mehr heilbare, der chronisch Kranke oder gar der Behinderte ein Mensch zweiter oder dritter Klasse, dem man den Eingang zum Leben fürsorglich verwehrt oder den Ausgang mitfühlend erleichtert.
[giardino, 23:34] Permalink (4 Kommentare) 471
Sonntag, 13. April 2008
Ravioli
(weiter in den Kommentaren)[giardino, 22:59] Permalink (13 Kommentare) 1795
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