... neuere Einträge
Freitag, 9. Mai 2008
wenn antville darniederliegt ist blogger am start, und wie gestern dann auch umgekehrt.
gut dass die sich abwechseln und das nicht zeitgleich machen und dass es dieses asyl gibt.
deshalb schnell ein bild:
gut dass die sich abwechseln und das nicht zeitgleich machen und dass es dieses asyl gibt.
deshalb schnell ein bild:
[pappnase, 19:08] Permalink (4 Kommentare) 906
Donnerstag, 8. Mai 2008
Kontrakrastinieren, jetzt!
Ein Herr Fiore hat ein Buch geschrieben, wie man mit dem Problem fertig werden kann, wichtige Dinge immer vor sich her zu schieben. Zunächst einmal reiht es sich damit in einen Stapel von geschätzten 250 anderen Büchern zum Thema ein, von den unzähligen wie nutzlosen Zeitmanagementseminaren ganz zu schweigen, in denen man Menschen, die Probleme mit dem Planen haben, erklärt, dass Planen ihre Probleme lösen wird.
Jetzt das tschakkamäßige Testimonial: Dieses Buch ist anders. Es hat mir geholfen!
Okay, was ist anders? Ein paar Thesen aus dem Buch:
Warum schiebt man auf?
Aufschieben ist nicht irrational, kein Ausdruck von Faulheit oder mangelnder Disziplin. Es macht absolut Sinn für Menschen, denen Kritik, Versagen oder der eigene Perfektionismus zu schaffen macht. Es ist ein Mechanismus gegen die Angst, die mit dem Anfangen oder Beenden einer Tätigkeit oder Entscheidung verbunden sein kann. Wer aufschiebt, wird erst einmal innerlich belohnt.
Fehlendes Lob für Erreichtes, die Haltung, dass Arbeit hart und entbehrungsreich sein muss (und einen notgedrungen von den schönen Dingen des Lebens abhält), nähren den Unwillen, anzufangen.
Gegen Aufgaben, die einem als Zwang erscheinen ("verdammt, ich muss") lehnt man sich automatisch auf — schließlich möchten wir freie, selbst entscheidende Menschen sein. Ist der Zwang wie bei jedem guten Aufschieber schon verinnerlicht, benötigt man doppelte Energie: 1. um sich zu etwas zu zwingen, und 2. um sich dem Zwang gleichzeitig zu entziehen.
Was kann man dagegen tun?
Neben strukturierter Selbstbeobachtung, in welchen Situationen mit welchen Gefühlen und Gedanken man welche Tätigkeiten aufschiebt (um der Motivation auf den Grund zu gehen), empfiehlt Fiore vor allem, erst einmal das Seil tiefer zu spannen. Vom Erfolg der Aktivität hängt nicht unser Leben oder Wert als Person ab, wir müssen also nicht erst auf ein Feuer warten, was hinter uns brennt, um endlich den ersten Schritt zu setzen.
Den inneren Dialog umstellen. Von "ich muss X tun" (was, wie schon gesagt, den Konflikt verschärft und Stress erzeugt) und "ich sollte X tun" (was aufgrund des Vergleichs mit einer als unzureichend empfundenen Jetzt-Situation lähmt) hin zu "ich entscheide mich, X zu tun". Entweder, ich nehme etwas hin (und habe dann meine Gründe dafür, zum Beispiel bestimmte andere Vorteile), oder ich entscheide mich explizit dagegen, es zu tun. Wichtig ist, dass ich derjenige bin, der sich entscheidet. Was nicht zufällig den Bogen hierhin zurück schlägt.
Große Projekte mögen große Projekte sein, aber sie bestehen immer wieder nur aus kleinen Schritten: Hier ein Anruf erledigt, da eine Seite geschrieben, dort eine Vereinbarung getroffen.
Das Problem besteht nicht darin, zuwenig Zeit für die Arbeit einzuplanen, sondern umgekehrt zuwenig sorgenfreie Freizeit. Wer aufschiebt, weiß, wie sehr man sich nach solcher Zeit ohne schlechtes Gewissen sehnt, wie oft man sie sich sogar von vorneherein versagt ("ich kann nicht, muss dieses Wochenende unbedingt weiterkommen"). Hier ist im Übrigen auch der Punkt, wo ich Lobo und Passig widerspreche, zumindest so wie ich sie verstanden habe: Prokrastinieren ist nicht grundsätzlich toll, viele kostet es auf Dauer ganz schön Lebensfreude und Selbstwert. Am Ende will doch jeder das Gefühl haben, Kreatives und Wertvolles getan zu haben — das Aufschieben nur gut zu finden bringt nicht weiter, damit bleibt man auf halber Strecke in eher pubertärer Ablehnung stecken.
Fiore meint das mit dem Planen wörtlich: Er empfiehlt, einen Wochenstundenplan zu erstellen, in dem nur (und zwar: ausreichend viele) schöne, gern erledigte Tätigkeiten festgeschrieben sind. Die wir gerne und sicher wesentlich problemloser planen. Die uns dazu motivieren, zwischendrin eine halbe Stunde hier und eine andere Stunde dort konzentriert zu arbeiten, denn wir wissen ja dann, was danach Schönes wartet. Ich gebe zu, ich habe diesen Part (noch) nicht ausprobiert. Aber es klingt so schräg, dass es funktionieren könnte.
Es sind noch eine Menge weiterer Tipps im Buch, die ich nicht befolgt habe, ich kann also nicht sagen, ob sie Mumpitz sind. Negativ zu Buche schlagen auf jeden Fall 1. der großspurige Ton ("mit meinem in Jahrzehnten erprobtem Programm werden auch Sie yadda yadda", "werden Sie ein Producer"), 2. die häufige Wiederholung von bereits Gesagtem, und vor allem 3. die komplette Humorfreiheit des Autors. Wie wunderbar liebevoll-stichelnd hätte man das Thema verpacken können — ich denke da an Isabo, meine persönliche Heldin der Prokrastinationsprosa. Aber okay, ich schreib hier ja selbst viel zu ernst.
Positiv: Schon jetzt fällt es mir deutlich leichter, trotz enorm gestiegener Erwartungen (vor allem der eigenen) und Unsicherheiten in der neuen Stelle täglich so viel produktiv zu arbeiten, dass ich abends dann doch meist zufrieden nach Hause gehe. Anstatt einen halben Tag oder gar eine ganze Woche mit Scheißgefühl zu verbringen und irgendetwas Unangenehmes vor mir her zu schieben, indem ich im Netz rumklicke, dauert es meist keine halbe Stunde, bis ich wieder konzentriert arbeite und mich mit einem Mal wieder wundere, dass schon wieder anderthalb Stunden rum sind. Wichtigste Krücke dabei ist für mich tatsächlich dieses "Ich entscheide mich..." und "ich werde...".
Eigentlich peinlich, wie leicht ich mich manipulieren kann. Dagegen sollte ich mal langsam aufbegehren.
Neil Fiore: The Now Habit, Tarcher Jeremy Publ. (dt. Warum nicht gleich?!, Vak-Verlag)
Jetzt das tschakkamäßige Testimonial: Dieses Buch ist anders. Es hat mir geholfen!
Okay, was ist anders? Ein paar Thesen aus dem Buch:
Warum schiebt man auf?
Aufschieben ist nicht irrational, kein Ausdruck von Faulheit oder mangelnder Disziplin. Es macht absolut Sinn für Menschen, denen Kritik, Versagen oder der eigene Perfektionismus zu schaffen macht. Es ist ein Mechanismus gegen die Angst, die mit dem Anfangen oder Beenden einer Tätigkeit oder Entscheidung verbunden sein kann. Wer aufschiebt, wird erst einmal innerlich belohnt.
Fehlendes Lob für Erreichtes, die Haltung, dass Arbeit hart und entbehrungsreich sein muss (und einen notgedrungen von den schönen Dingen des Lebens abhält), nähren den Unwillen, anzufangen.
Gegen Aufgaben, die einem als Zwang erscheinen ("verdammt, ich muss") lehnt man sich automatisch auf — schließlich möchten wir freie, selbst entscheidende Menschen sein. Ist der Zwang wie bei jedem guten Aufschieber schon verinnerlicht, benötigt man doppelte Energie: 1. um sich zu etwas zu zwingen, und 2. um sich dem Zwang gleichzeitig zu entziehen.
Was kann man dagegen tun?
Neben strukturierter Selbstbeobachtung, in welchen Situationen mit welchen Gefühlen und Gedanken man welche Tätigkeiten aufschiebt (um der Motivation auf den Grund zu gehen), empfiehlt Fiore vor allem, erst einmal das Seil tiefer zu spannen. Vom Erfolg der Aktivität hängt nicht unser Leben oder Wert als Person ab, wir müssen also nicht erst auf ein Feuer warten, was hinter uns brennt, um endlich den ersten Schritt zu setzen.
Den inneren Dialog umstellen. Von "ich muss X tun" (was, wie schon gesagt, den Konflikt verschärft und Stress erzeugt) und "ich sollte X tun" (was aufgrund des Vergleichs mit einer als unzureichend empfundenen Jetzt-Situation lähmt) hin zu "ich entscheide mich, X zu tun". Entweder, ich nehme etwas hin (und habe dann meine Gründe dafür, zum Beispiel bestimmte andere Vorteile), oder ich entscheide mich explizit dagegen, es zu tun. Wichtig ist, dass ich derjenige bin, der sich entscheidet. Was nicht zufällig den Bogen hierhin zurück schlägt.
Große Projekte mögen große Projekte sein, aber sie bestehen immer wieder nur aus kleinen Schritten: Hier ein Anruf erledigt, da eine Seite geschrieben, dort eine Vereinbarung getroffen.
Das Problem besteht nicht darin, zuwenig Zeit für die Arbeit einzuplanen, sondern umgekehrt zuwenig sorgenfreie Freizeit. Wer aufschiebt, weiß, wie sehr man sich nach solcher Zeit ohne schlechtes Gewissen sehnt, wie oft man sie sich sogar von vorneherein versagt ("ich kann nicht, muss dieses Wochenende unbedingt weiterkommen"). Hier ist im Übrigen auch der Punkt, wo ich Lobo und Passig widerspreche, zumindest so wie ich sie verstanden habe: Prokrastinieren ist nicht grundsätzlich toll, viele kostet es auf Dauer ganz schön Lebensfreude und Selbstwert. Am Ende will doch jeder das Gefühl haben, Kreatives und Wertvolles getan zu haben — das Aufschieben nur gut zu finden bringt nicht weiter, damit bleibt man auf halber Strecke in eher pubertärer Ablehnung stecken.
Fiore meint das mit dem Planen wörtlich: Er empfiehlt, einen Wochenstundenplan zu erstellen, in dem nur (und zwar: ausreichend viele) schöne, gern erledigte Tätigkeiten festgeschrieben sind. Die wir gerne und sicher wesentlich problemloser planen. Die uns dazu motivieren, zwischendrin eine halbe Stunde hier und eine andere Stunde dort konzentriert zu arbeiten, denn wir wissen ja dann, was danach Schönes wartet. Ich gebe zu, ich habe diesen Part (noch) nicht ausprobiert. Aber es klingt so schräg, dass es funktionieren könnte.
Es sind noch eine Menge weiterer Tipps im Buch, die ich nicht befolgt habe, ich kann also nicht sagen, ob sie Mumpitz sind. Negativ zu Buche schlagen auf jeden Fall 1. der großspurige Ton ("mit meinem in Jahrzehnten erprobtem Programm werden auch Sie yadda yadda", "werden Sie ein Producer"), 2. die häufige Wiederholung von bereits Gesagtem, und vor allem 3. die komplette Humorfreiheit des Autors. Wie wunderbar liebevoll-stichelnd hätte man das Thema verpacken können — ich denke da an Isabo, meine persönliche Heldin der Prokrastinationsprosa. Aber okay, ich schreib hier ja selbst viel zu ernst.
Positiv: Schon jetzt fällt es mir deutlich leichter, trotz enorm gestiegener Erwartungen (vor allem der eigenen) und Unsicherheiten in der neuen Stelle täglich so viel produktiv zu arbeiten, dass ich abends dann doch meist zufrieden nach Hause gehe. Anstatt einen halben Tag oder gar eine ganze Woche mit Scheißgefühl zu verbringen und irgendetwas Unangenehmes vor mir her zu schieben, indem ich im Netz rumklicke, dauert es meist keine halbe Stunde, bis ich wieder konzentriert arbeite und mich mit einem Mal wieder wundere, dass schon wieder anderthalb Stunden rum sind. Wichtigste Krücke dabei ist für mich tatsächlich dieses "Ich entscheide mich..." und "ich werde...".
Eigentlich peinlich, wie leicht ich mich manipulieren kann. Dagegen sollte ich mal langsam aufbegehren.
Neil Fiore: The Now Habit, Tarcher Jeremy Publ. (dt. Warum nicht gleich?!, Vak-Verlag)
[giardino, 02:30] Permalink (4 Kommentare) 614
... ältere Einträge

