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Dienstag, 13. Mai 2008
in die Tasche gelogen
Wie kann man über Jahre hinweg heimlich hinter seinem Partner herschnüffeln? Wie kann man sich ernsthaft noch über dabei gefundene Heimlichkeiten und Unehrlichkeiten des anderen aufregen? Wie blind kann man sein, dem anderen Lüge und Manipulation vorzuwerfen, während man selbst lügt und manipuliert — ihm vorspielt, nichts zu wissen (und gleichzeitig die heimliche Macht genießt, mehr zu wissen)? Wohlgemerkt, das ganze nicht im kurzen Zeitraum der Verzweiflung, in dem man gerade frisch einen Vertrauensbruch entdeckt, sondern kühl und dauerhaft.
Gleichermaßen natürlich die andere Seite, wenn jemand sich das Fremdgehen schönredet, womöglich sogar als gute Tat für die eigentliche Beziehung betrachtet, weil man ja schließlich Druck herausnehmen würde, insgesamt entspannter wäre. Das Doppelleben als Lösung.
Um dagegen zu argumentieren, muss man in beiden Fällen nicht einmal den Verrat am anderen ins Spiel bringen: Man schneidet sich doch ins eigene Fleisch, muss sich in Teilpersonen auftrennen, wo die eine nichts von der anderen wissen darf. Verliert Respekt vor sich selbst, denn wer es nötig hat, zu schnüffeln, erniedrigt sich, wer nicht mit offenen Karten spielt, ist ein Feigling. Beim anderen täglich heimlich nach Gründen zu suchen, ihm zu misstrauen, aber nie darüber zu sprechen oder Konsequenzen zu ziehen, genauso wie den anderen zu übergehen und heimlich fremdzugehen: Die selbstgeschaffene Beziehungshölle.
Ich werde das nicht verstehen. Auch nicht, warum ich mich immer wieder derart aufrege, wenn ich sowas lese.
Gleichermaßen natürlich die andere Seite, wenn jemand sich das Fremdgehen schönredet, womöglich sogar als gute Tat für die eigentliche Beziehung betrachtet, weil man ja schließlich Druck herausnehmen würde, insgesamt entspannter wäre. Das Doppelleben als Lösung.
Um dagegen zu argumentieren, muss man in beiden Fällen nicht einmal den Verrat am anderen ins Spiel bringen: Man schneidet sich doch ins eigene Fleisch, muss sich in Teilpersonen auftrennen, wo die eine nichts von der anderen wissen darf. Verliert Respekt vor sich selbst, denn wer es nötig hat, zu schnüffeln, erniedrigt sich, wer nicht mit offenen Karten spielt, ist ein Feigling. Beim anderen täglich heimlich nach Gründen zu suchen, ihm zu misstrauen, aber nie darüber zu sprechen oder Konsequenzen zu ziehen, genauso wie den anderen zu übergehen und heimlich fremdzugehen: Die selbstgeschaffene Beziehungshölle.
Ich werde das nicht verstehen. Auch nicht, warum ich mich immer wieder derart aufrege, wenn ich sowas lese.
[giardino, 13:39] Permalink (42 Kommentare) 1157
Montag, 12. Mai 2008
Europameisterschaft (kleine Ausgabe)
Den gestrigen Tag auf dem Sportplatz verbracht. Sonnenschein, stürmischer Wind und ein paar hundert niederbayerischer E-Jugend-Fußballer samt Familien. Mein Großer hatte mich dazu eingeladen, nachdem ich ja auch meinen Kleinen schon zweimal beim Volleyballtournier begleitet hatte. Die sehr nette Idee der Veranstalter: Jede der 24 Mannschaften aus dem Umkreis repräsentiert ein europäisches Land. Und entsprechend kostümiert traten die Fans auf: Norweger mit Wikingerhelm waren da beispielsweise zu sehen, Österreicher betraten die Stätte mit Holzskiern auf den Schultern, Griechen wandelten in weißen Gewändern mit blau geschminkten Wangen und selbst blassgesichtige Erlanger wurden gesichtet, die sich mit nur einem knatschorangen, labbrigen T-Shirt in waschechte Holländer verwandelt hatten.

Oranje boven!
Da wurde Stunde um Stunde fein gespielt wie auch gebolzt, gelaufen, nachgerechnet und jedes Tor bejubelt (wie meiner das 1:0 gegen Tschechien geschossen hat... Vaterstolz). Dazu rundherum gute Laune, Steaksemmeln und Eis am Stiel. Am Ende reichte es nur zum Viertelfinale, in denen sie gegen die überaus disziplinierten Kroaten keine Chance hatten. Aber bei der abendlichen Preisverleihung (Sieger: Frankreich) wurde auch die Mannschaft mit den bestkostümiertesten Fans prämiert, und da wurde es noch einmal richtig spannend: Die Niederlande hatten tatsächlich gewonnen! Was jetzt weniger meinem T-Shirt zuzuschreiben sein dürfte als eher den Müttern, die als Antjes mit Tracht und weißem Häubchen auf dem Kopf (jedoch ohne Holzschuhe) so holländisch aussahen, dass man geneigt war, sie nach Käsehäppchen zu fragen. Aber der Gewinn war nicht die übliche von lokalen Geldinstituten gesponserte Sporttasche, nein: Mein Großer darf zusammen mit seinen Mannschaftskameraden irgendwann im Herbst zusammen mit den Münchner Löwen in die Allianz-Arena einlaufen. Er war so aufgeregt und begeistert, ich glaube, sein ansonsten ehernes Fantum für den FC Bayern war ihm da ausnahmsweise rechtschaffen wurscht.

Oranje boven!
[giardino, 15:18] Permalink (0 Kommentare) 371
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