Mittwoch, 6. Mai 2009
Und immer mal wieder die Frage, ob das vielleicht irgendwann noch aufhört, das Gefühl, keinen richtigen Tages- und Wochenrhythmus zu haben, ob die Aufregung verschwindet, wenn ich Grenzen setzen, Konflikte eingehen, verhandeln muss (und die Leichtigkeit, mit der ich mich zu schlechten Kompromissen verleiten lasse), ob irgendwann der tägliche Kampf mit der Motivation aufhört, der ständige Zweifel, ob ich noch nicht die richtige Aufgabe oder nur noch nicht die richtige Einstellung dazu gefunden habe.

[giardino, 22:51] Permalink (3 Kommentare) 357



Mittwoch, 22. April 2009
"Fat Tax": Ryanair diskriminiert schwere Menschen
Wo wir gerade bei Leibesfülle sind:
Ryanair [...] überlegt nun, wie eine sogenannte „Fat Tax“, eine Gebühr für übergewichtige Passagiere, umgesetzt werden kann, nachdem mehr als 30.000 Kunden in einer europaweiten Umfrage in den letzten zwei Wochen diese Zusatzgebühr als ihren Favoriten gewählt haben.

Insgesamt stimmten über 100.000 Passagiere auf www.ryanair.de über die nächste individuell wählbare Gebühr ab und ermittelten so die Gewinneridee, für die 1.000 Euro in bar ausgelobt worden waren.
Oh, ich bin sicher, 30% aller irgendwo Befragten würden auch einer Türkensteuer in der Straßenbahn zustimmen. Oder Sondergebühren für Behinderte in Hotels. Was meinen Sie?

Interessant auch, dass Ryanair einen Wettbewerb veranstaltet, ihre bereits jetzt nach meiner Meinung intransparente und unzumutbare Gebührenordnung weiter zu verkomplizieren. Und dass es Idioten gibt, die noch gerne mitmachen.

Nun bittet die Fluggesellschaft ihre Kunden, die Umsetzung mitzubestimmen. Vorgeschlagene Alternativen:
· Eine Gebühr pro Kilogramm ab 130 Kilogramm bei Männern und 100 Kilogramm bei Frauen
· Eine Gebühr nach Körperumfang ab 115 Zentimetern bei Männern, ab 101 Zentimetern bei Frauen
· Eine Gebühr nach Punkten im Body Mass Index ab 40 Punkten (ab 30 Punkten gilt Übergewicht / Fettleibigkeit)
· Eine Gebühr für einen zweiten Sitzplatz, sollte der Körperumfang des Passagiers beide Armlehnen berühren.
Wie habe ich mir das vorzustellen? Passagiere mit Leibesfülle werden beim Einsteigen aus der Reihe gewunken und vor aller Augen mit Maßband und Waage vermessen? Bin ich der einzige, dem dabei allerdunkelste Vergleiche aus der Geschichte vor Augen kommen?

Der Ryanair-Sprecher sieht das naturgemäß anders:
Die oben genannten Möglichkeiten erscheinen uns als die einfachsten, fairsten und operational am leichtesten umsetzbaren. In jedem Fall haben wir das Limit sehr hoch angesetzt, so dass ein ‚Fat Tax‘ nur für Passagiere gelten wird, die mitreisende Sitznachbarn und deren Komfort beträchtlich einschränken. Außerdem wird die neue Gebühr – wenn eingeführt – vielleicht ein Ansporn für unsere besonders ‚großen‘ Passagiere, ein wenig abzunehmen und sich so leichter und gesünder zu ernähren.
Jetzt wird es toll. Die Passagiere schränken den Komfort ein. Wie bitte?!

Dass Fluggesellschaften, anstatt Flugzeuge und Service auf die Bedürfnisse der Kunden abzustellen, lieber diejenigen Passagiere diskriminieren, die nicht in ihre klaustrophobischen Sitze und/oder die Massenabfertigung passen, ist ja nichts neues. Dass das öffentlich per Pressemitteilung der Firmenleitung geschieht, mit einer nur übergebenswürdig zu nennenden Arroganz, vermutlich schon.

Ich hoffe nicht nur, dass bei Einführung der Gebühr ein europäisches Gericht Ryanair umgehend wegen Diskriminierung in die Schranken weisen wird, sondern dass ihnen allein für den Vorschlag ein Kundenboykott entgegenschlägt, wogegen der Aufschrei bei der geplanten Schaltergebühr der Bahn im letzten Jahr ein Furz war.

[Alle Zitate aus der offiziellen Pressemitteilung von Ryanair. ]

[Zum Thema »gesunde« Ernährung und der (Selbst-)Schuld-Philosophie habe ich ja schon vor langem geschrieben.]

[giardino, 23:12] Permalink (28 Kommentare) 5149



Löwen
»Wenn Sie einen schönen, starken Löwen vor sich sehen, mit einem Dorn in der Pfote — dem würden Sie doch auch den Dorn herausziehen wollen. Oder nicht? Auch wenn er solche Schmerzen hat, dass er Sie anfällt, wenn Sie ihn berühren?«

»Und Sie haben den Dorn berührt.«

»Er hatte Angst, dass ich ihn nicht genug liebe. Er brauchte meine ganze Aufmerksamkeit. Und wenn er sie hatte, dann... hat er mich weggestoßen. Das hat er nicht ertragen.«

»Das kann er nicht ertragen.«

»Können Sie?«
 
»Bloch« — wunderbare, bewegende, zuweilen abgedrehte Serie über menschliche Abgründe, ohne Happy-End-Garantie (ganz im Gegensatz z. B. zur recht flachen Familien-Wohlfühlserie »Der Dicke«). Getragen von einem großartigen Dieter Pfaff in der Paraderolle als rumpelnder, verbissener und gefühlsgeladener Psychologe. Die alten Folgen schauen wir gerade nach und nach auf DVD. Die nächste neue Folge (Nr. 15) gibt es am 3. Juni im Ersten.

[giardino, 21:27] Permalink (0 Kommentare) 291