"Fat Tax": Ryanair diskriminiert schwere Menschen
Wo wir gerade bei Leibesfülle sind:
Ryanair [...] überlegt nun, wie eine sogenannte „Fat Tax“, eine Gebühr für übergewichtige Passagiere, umgesetzt werden kann, nachdem mehr als 30.000 Kunden in einer europaweiten Umfrage in den letzten zwei Wochen diese Zusatzgebühr als ihren Favoriten gewählt haben.

Insgesamt stimmten über 100.000 Passagiere auf www.ryanair.de über die nächste individuell wählbare Gebühr ab und ermittelten so die Gewinneridee, für die 1.000 Euro in bar ausgelobt worden waren.
Oh, ich bin sicher, 30% aller irgendwo Befragten würden auch einer Türkensteuer in der Straßenbahn zustimmen. Oder Sondergebühren für Behinderte in Hotels. Was meinen Sie?

Interessant auch, dass Ryanair einen Wettbewerb veranstaltet, ihre bereits jetzt nach meiner Meinung intransparente und unzumutbare Gebührenordnung weiter zu verkomplizieren. Und dass es Idioten gibt, die noch gerne mitmachen.

Nun bittet die Fluggesellschaft ihre Kunden, die Umsetzung mitzubestimmen. Vorgeschlagene Alternativen:
· Eine Gebühr pro Kilogramm ab 130 Kilogramm bei Männern und 100 Kilogramm bei Frauen
· Eine Gebühr nach Körperumfang ab 115 Zentimetern bei Männern, ab 101 Zentimetern bei Frauen
· Eine Gebühr nach Punkten im Body Mass Index ab 40 Punkten (ab 30 Punkten gilt Übergewicht / Fettleibigkeit)
· Eine Gebühr für einen zweiten Sitzplatz, sollte der Körperumfang des Passagiers beide Armlehnen berühren.
Wie habe ich mir das vorzustellen? Passagiere mit Leibesfülle werden beim Einsteigen aus der Reihe gewunken und vor aller Augen mit Maßband und Waage vermessen? Bin ich der einzige, dem dabei allerdunkelste Vergleiche aus der Geschichte vor Augen kommen?

Der Ryanair-Sprecher sieht das naturgemäß anders:
Die oben genannten Möglichkeiten erscheinen uns als die einfachsten, fairsten und operational am leichtesten umsetzbaren. In jedem Fall haben wir das Limit sehr hoch angesetzt, so dass ein ‚Fat Tax‘ nur für Passagiere gelten wird, die mitreisende Sitznachbarn und deren Komfort beträchtlich einschränken. Außerdem wird die neue Gebühr – wenn eingeführt – vielleicht ein Ansporn für unsere besonders ‚großen‘ Passagiere, ein wenig abzunehmen und sich so leichter und gesünder zu ernähren.
Jetzt wird es toll. Die Passagiere schränken den Komfort ein. Wie bitte?!

Dass Fluggesellschaften, anstatt Flugzeuge und Service auf die Bedürfnisse der Kunden abzustellen, lieber diejenigen Passagiere diskriminieren, die nicht in ihre klaustrophobischen Sitze und/oder die Massenabfertigung passen, ist ja nichts neues. Dass das öffentlich per Pressemitteilung der Firmenleitung geschieht, mit einer nur übergebenswürdig zu nennenden Arroganz, vermutlich schon.

Ich hoffe nicht nur, dass bei Einführung der Gebühr ein europäisches Gericht Ryanair umgehend wegen Diskriminierung in die Schranken weisen wird, sondern dass ihnen allein für den Vorschlag ein Kundenboykott entgegenschlägt, wogegen der Aufschrei bei der geplanten Schaltergebühr der Bahn im letzten Jahr ein Furz war.

[Alle Zitate aus der offiziellen Pressemitteilung von Ryanair. ]

[Zum Thema »gesunde« Ernährung und der (Selbst-)Schuld-Philosophie habe ich ja schon vor langem geschrieben.]

[giardino, Mittwoch, 22. April 2009, 21:12] 4630



kristof, Donnerstag, 23. April 2009, 09:06   (Permalink )
@"Die Passagiere schränken den Komfort ein."
Hast du mal im Flieger 8Stunden neben einem wirklich dicken Menschen gesessen? Einem, der den Sitztrenner beim Aufstehen verbiegt (oder gar nicht erst runterklappen kann)?

novemberregen, Donnerstag, 23. April 2009, 09:17   (Permalink )
Es gibt aber so viele Dinge, die den Komfort einschränken. Klar ist es nervig, etwas weniger Platz zu haben (passiert mir in der Bahn auch oft genug). Mich inkommodieren aber z.B. auch Menschen, die neben mir Leberwurstbrot essen, die ein beliebiges Parfum der Marke Joop aufgelegt haben oder die sich gar nicht waschen, die laut in ihr Handy plärren, die strunzdumme Dinge sagen, und, gerade in Verkehrsmitteln, Kinder (das eigene natürlich - meist ;-) - ausgenommen) und Hunde sowieso.

Jedoch arrangiere ich mich. Menschen sind eben nicht genormt. Das gehört dazu, und wer sich nicht arrangieren kann, sollte die entsprechenden Schlüsse für sich und nicht für andere ziehen.

novemberregen, Donnerstag, 23. April 2009, 09:26   (Permalink )
Und letztendlich, Herr Kristof - was genau erhöht an dieser Fat Tax den Komfort des Sitznachbarn? Denken Sie, der bekommt von der Fluggesellschaft auch nur so viel wie einen kostenlosen Kaffee für seine "Nachteile"? Nicht im Ernst, oder?

giardino, Donnerstag, 23. April 2009, 09:51   (Permalink )
@Kristof Glaubst du, dieser Mensch fühlt sich auch nur annähernd wohl dabei? Findest du im Ernst, er sollte noch zusätzlich dafür bestraft werden, dass er kaum in den oder aus dem Sitz kommt?

Das Grundproblem ist doch nicht, dass manche Menschen dick sind. Das Grundproblem sind die viel zu engen Sitzreihen, die doch schon für einen eher unterdurchschnittlich großen Mitteleuropäer wie mich am Rande einer Zumutung stehen. DAS schränkt den Komfort ein.

In nahezu jeder anderen Branche würde man sich überlegen, was man als Firma tun kann, um seine Kunden zufriedenzustellen. Aber man kann natürlich das Problem auch auf die Kunden schieben. Und sich dabei sogar noch den Applaus der nicht betroffenen Kunden sichern. Ich finde das armselig.

kristof, Donnerstag, 23. April 2009, 10:32   (Permalink )
Jetzt mal unabhängig davon, dass das alles unglücklich aufgezogen ist mit der Tax, und dass RyanAir gerne abzockt, um die Preise zu halten: Ja, dicken Menschen in Flugzeugen sind ein Problem. Eine Flugreise ist keine Strassenbahnfahrt an den Stadtrand und ohnehin unangenehm und teuer. Wenn man da noch nicht einmal seinen minimalen Platz bekommt, wird das sehr, sehr anstrengend. Ersthafterweise kann eine Airline solchen einen Sitzplatz nicht mehr anbieten. (Ähnlich problematisch sind in der Tat auch dauerhaft schreiende Kinder auf Intercont-Flügen, allerdings für den ganzen Flieger.)
Das mit der Sitzbreite ist ein einfacher Dreisatz. Mehr Platz = weniger Passagiere = höhere Preise. Wer das bereit ist zu zahlen, fliegt nicht RyanAir, sondern First bei der AirFrance.
Ich verstehe das Geschrei auch nicht. Ich habe schon einige Stimmen von dicken Menschen gehört, die sehr wohl bereit sind, mehr zu bezahlen (allein auch für den eigenen Komfort), um dafür etwas zwei Sitze zu bekommen. Der Preis sollte dann natürlich nicht umbedingt das doppelte sein.

giardino, Donnerstag, 23. April 2009, 11:09   (Permalink )
Aber das ist doch schon ein gewaltiger Unterschied (wie auch schon Fr. November oben schrieb): Bekommt man etwas dafür, dass man mehr zahlt? Oder gibt es lediglich diese Strafe für den Körperumfang, die zu nichts anderem dient als anderen Kunden Genugtuung zu verschaffen / wahlweise Kunden zu vertreiben, die man nicht angemessen bedienen kann, ohne dass sonst irgendetwas geändert wäre?

(Die Argumentation, dass die Kunden das Hauptproblem seien, passt übrigens fast immer auch zu Behinderten, gell. Die passen auch oft nicht in die Sitze. Die brauchen sogar oft zusätzliche Hilfe. Sollen sie doch auch alle einfach mehr zahlen und First Class fliegen!)

kristof, Donnerstag, 23. April 2009, 11:22   (Permalink )
Herr Giardino, bevor Sie sich zu sehr echauffieren: Mein Kommentar bezog sich allein auf ihren Zweifel daran, dass dicke Menschen den Komfort ihrer Sitznachbarn einschränken. Natürlich wäre eine plumpe Strafgebür, die weder dem dicken Fluggast noch seinem Nachbarn zugute kommt, nutzloser Quatsch.

giardino, Donnerstag, 23. April 2009, 11:53   (Permalink )
Keine Sorge, ich echauffiere mich hier weitgehend rhetorisch. Mir geht es darum, zum Kern der Sache zu stoßen, wie ich ihn wahrnehme: Man definiert eine Menschengruppe, die man einer negativen Sonderbehandlung unterzieht. Und die Entscheidung, welche Gruppe das ist, ist abhängig davon, was Politik und Gesellschaft gerade an Diskriminierung fördern oder aber unterbinden. Dicke glaubt man, diskriminieren zu dürfen, weil der Mainstream der Meinung ist, dass sie für ihr Dicksein in mehrfacher Hinsicht zu bezahlen hätten. Man ihnen damit auch noch einen Gefallen täte. Der O-Ton des Sprechers, der meint, er sei in irgendeiner Form dazu berechtigt, dicken Menschen Erziehungsratschläge zu geben, zeigt das überdeutlich. (Bei Behinderten würden viele noch gerne Ähnliches tun, aber diese Position wird inzwischen erfreulicherweise nicht mehr akzeptiert, bis hin zu juristischen Konsequenzen.)

Dazu kommt, dass eine Fluggesellschaft alle Möglichkeiten hätte, das hausgemachte, eigentliche Problem an der Sache durch pfiffige, kundenfreundliche Lösungen zu beseitigen, sich aber dazu entschließt, das Problem der Kundengruppe zuzuschreiben.

Das ist der Grund für das Geschrei. Also meines. ;)

kristof, Donnerstag, 23. April 2009, 11:59   (Permalink )
Ich denke, das Getue von RyanAir ist eine Steilvorlage für andere Airlines, es besser zu machen. (Dennoch herrscht auch hier der Kostendruck und der Wettbewerb. Solange die Leute wie bekloppt mit dieser Airline fliegen, müssen die sich nicht um diese Kundengruppen kümmern.)

arboretum, Samstag, 25. April 2009, 09:11   (Permalink )
Herr Kristof, ich kann Sie sehr gut verstehen. Im Bus hatte sich einmal eine sehr, sehr dicke Frau neben mich gesetzt - de facto saß sie auf mir. Der Sitz hatte an der rechten Seite einen Bügel, so dass ich nicht einfach diskret ein Stück nach rechts rücken konnte, um nur noch mit halber Pobacke auf dem Sitz zu sitzen. Es dauerte keine fünf Minuten, da schmerzte mein linker Oberschenkel höllisch. Mir war aber auch klar, dass sie, wenn ich mich einfach wegsetzte, genau den Grund wüsste. Das wollte ich ihr ersparen. Mir trieb der Schmerz mittlerweile die Tränen in die Augen, und ich hoffte inständig, sie würde bald aussteigen. Tat sie aber nicht, sie saß weiter auf mir. Zwei, drei Stationen vor meinem Ziel stand ich auf und stellte mich an die Tür, ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten. Und das waren nur 15 Minuten in einem Bus.

Warum sie sich ausgerechnet neben mich setzte, wo doch einige Zweier-Reihen völlig frei waren, weiß ich nicht.

Dieser Dicken-Aufschlag, den Ryan Air sich da ausgedacht hat, löst das Problem nicht - und er ist in der Form diskriminierend. Insofern kann ich sehr gut nachvollziehen, Herr Giardino, dass Sie das auf die Palme bringt.

novemberregen, Donnerstag, 23. April 2009, 09:21   (Permalink )
Übrigens - auch lustig - dachte ich mal kurz darüber nach, zwei Plätze zu buchen weil ich nämlich sehr schwanger war. Für den eigenen Komfort. Da wurde mir aber gesagt, das ginge nicht.

kristof, Donnerstag, 23. April 2009, 10:33   (Permalink )
Das geht bei einigen Airline, ich weiss aber nicht mehr, wo.

novemberregen, Donnerstag, 23. April 2009, 12:55   (Permalink )
Der Spaß ist, dass das damals natürlich genau bei derjenigen war... :-)

kristof, Donnerstag, 23. April 2009, 13:01   (Permalink )
Ich weiss jetzt auch nicht, was so die Sicherheitsvorschriften zu dicken Bäuchen mit Kindern drin sagen. Vielleicht wollte man auch nur eine plötzliche Niederkunft im Landeanflug vermeiden ... :-)

novemberregen, Samstag, 25. April 2009, 13:07   (Permalink )
Das Fliegen ging schon. Nur zwei Tickets auf einen Namen kaufen nicht.

(So eine schnelle Erstgeburt wie ein Frankfurt-Glasglow-Flug wünscht man sich!) ;-)

bufflon, Donnerstag, 23. April 2009, 10:12   (Permalink )
Soll so eine Debatte (oder auch ähnliche von wichtigeren Problemen ablenken? Gehört das zum PR-Konzept des Billigfliegers? Steht die dünne Menge tatsächlich auf Masse-ndiskriminierung (was ich tatsächlich fast befürchte)? Und wer macht so einen Mist überhaupt mit? Fragen über Fragen, die mir einfallen, wenn ich in die überfüllte, bei sommerlichen Außentemperaturen auch noch zusätzlich beheizte, S-Bahn einsteige und von diversen Ausdünstungen umgeben bin, die ich ertrage, weil der Mensch nun einmal absolut nicht perfekt ist. Sollte das ernst gemeint sein, ist das nur traurig.

mark793, Donnerstag, 23. April 2009, 10:50   (Permalink )
Ich weiß, es ist beckmesserisch und trägt nicht zur weiteren Erhellung des Themas bei, aber Gebühren werden nur für sogenannte hoheitliche Leistungen (also Amtshandlungen oder den öffentlich-rechtlichen Rundfunk) fällig. Für die Inanspruchnahme privatwirtschaftlicher Leistungen, etwa die Benutzung einer kostenpflichtigen Bordtoilette einer nichtstaatlichen Fluggesellschaft entrichtet man ein Entgelt, aber keine Gebühr.

Wie auch immer: Vielleicht sehen wir es noch kommen, dass jedem Fluggast ein Messgerät angeklemmt wird, das den jeweiligen CO2-Ausstoß misst, so kann man dann gerechtere individuelle Preise je nach Luftverbrauch an Bord anbieten.

giardino, Donnerstag, 23. April 2009, 11:32   (Permalink )
(Sie sollten das Ryanair schreiben. Das Wort "Gebühr" taucht in den oben verlinkten AGB alleine 27 mal auf. :)

kristof, Donnerstag, 23. April 2009, 11:54   (Permalink )
Ich habe aus beruflichen Gründen keinen Anlass, das Produkt oder die Aussenwirkung von RyanAir zu verbessern, es sei denn, die bezahlen mich als Berater ... :-) (Mist, verguckt.)

mark793, Donnerstag, 23. April 2009, 13:34   (Permalink )
Ich vermute hinter diesem kleinen lexikalischen Fehlgriff durchaus bestimmte Absichten. Der Begriff "Gebühr" soll dieser Abzockmaßnahme wohl den Ruch des offiziell-normalen und unausweichlichen geben.

Ob es im englischen Original ganz genauso ist, weiß ich jetzt nicht gesichert. Aber nach meinem Sprachgefühl ist auch der Begriff tax hier deplaziert, denn er bezeichnet zuvörderst staatliche oder kommunale Steuern und Abgaben. Auch hierm.E. der klare Versuch von Ryanair, die Chose möglichst offiziös daherkommen zu lassen.

giardino, Freitag, 24. April 2009, 11:32   (Permalink )
Hm. Auch bei Mobilfunk- und anderen Verträgen wird doch stets von Grundgebühren, Verbindungsgebühren, Stornogebühren, Wechselgebühren, Kontoführungsgebühren usf. gesprochen. Selbst wenn diese Sprachregelung irgendwie "amtlich" sein sollte, so dürfte doch kaum jemand vom Bedeutungsunterschied wissen (womit ich eine solche Absicht Ryanairs für eher unwahrscheinlich halte). Aber nun gut.

gorillaschnitzel, Donnerstag, 23. April 2009, 13:50   (Permalink )
Wo ich grade in den USA war: Dort tobt eine ähnliche Diskussion: Dort sollen stark übergewichtige Passagiere zwei Plätze kaufen, nachdem monatlich bei einer Fluglinie so etwa 70 Beschwerden eingingen. Soll dann der Fall sein, wenn das Flugzeug ausgebucht ist und der übergewichtige Passagier nicht gesondert gesetzt werden kann.

Und eine chinesische Billigairline soll angeblich ihre Passagiere vor dem Start nochmal aufs Klo geschickt haben: http://blogs.usatoday.com/sky/2006/11/in_custcutting_.html

Wo wir schon mal bei Ryan Air und Toiletten sind: http://blogs.wsj.com/middleseat/2009/02/27/will-ryanair-charge-passengers-to-use-toilets/

caga, Donnerstag, 23. April 2009, 19:09   (Permalink )
Die ticken nicht ganz richtig! Mal angenommen - ich Dicke Frau reise mit meinem unterernährten Ehemann, fällt die Gebühr dann weg? Zahl ich als Dicke mehr für den Liter Super? Ich hätte auch noch einige Ideen wie man an das Geld der Anderen kommt. CO2- da bekomme ich aber einen Rabatt, ich als Asthmatiker hab ja ständig Atemnot.

gorillaschnitzel, Freitag, 24. April 2009, 01:00   (Permalink )
Ach ja: Ganz unbescheidenerweise würde ich einen Link zu mir setzen wollen, so das erlaubt ist (hat auch mit dem Thema zu tun, ganz ehrlich)

http://finkployd.blogger.de/stories/1333214/

giardino, Freitag, 24. April 2009, 11:34   (Permalink )
Ja, das passt ins Bild. Und die halten sich vermutlich auch noch für richtig pfiffig.
(Natürlich dürfen Sie hier verlinken!)

etosha, Samstag, 25. April 2009, 08:19   (Permalink )
Tja, wenn Ryanair auch von nur 30% seiner Kunden leben kann, wenn die restlichen 70% ausbleiben, ist doch alles gut. Die 30% haben dann jede Menge Platz in den Ryanair-Fliegern. Und wenn sie davon nicht leben kann, ist auch alles gut.

Ad 'Zweckgebundenheit': Den meisten Leuten ist wahrscheinlich in ihrer grenzenlosen Schlauheit gar nicht aufgefallen, dass eine FatTax nicht den mindesten Einfluss auf ihren persönlichen Komfort beim Fliegen hat. Aber vielleicht sind sie auch schon zufrieden, wenn sie sich hämisch darüber ins Fäustchen lachen können, dass der seit acht Stunden ihren Komfort einschränkende Sitznachbar dafür an die Fluglinie etwas bezahlt hat - und daher eigentlich recht leicht mit ihrem Schicksal zu versöhnen, nämlich aufgrund einer rein geistigen Wendung(!), i.e. Änderung der Einstellung? Schadenfreude ist eben leichter erlernbar als Toleranz.

Dass niemand eine FatRefund vorgeschlagen hat, wundert mich. Erhalten für erlittene Unbillen wegen eines zu dicken Sitznachbarn. Der Fette zahlt, der Dürre kassiert. Und kann sich dann ein Airline-Luxusmenü kaufen.

frau klugscheisser, Samstag, 25. April 2009, 11:17   (Permalink )
Da können die bei Ryanair lange überlegen, Fakt ist, dass dieses Ding nicht beim europäischen Gerichtshof durchgehen wird (dazu müsste aber auch erst mal einer klagen). Fakt ist aber auch, dass solche Strategien beim normaldenkenden Bürger als Antiwerbung dient.

Das eigentliche Problem ist aber m.E. folgendes:

In unserer heutigen Zeit hat sich Hinz und Kunz daran gewöhnt, mit dem Flugzeug zu reisen. Das soll natürlich nicht nur bequem, sondern auch billig sein. Also wird ein billiges Ticket erworben und sich anschließend über fehlenden Sitzabstand, Mitreisende und vieles mehr beschwert. Sind wir doch mal ehrlich: man weiß ja schon vorher, was einen erwartet. Fliege ich Eco, habe ich wenig Platz, den ich mit vielen Menschen teile. Kann ich da nicht sitzen, weil ich alt, krank, groß, schwanger oder sonstwie geartet bin, muss ich halt mehr zahlen und eine höhere Klasse buchen oder Bahn (resp. Schiff) fahren. Im krassen Falle kann ich halt überhaupt nicht fliegen. Diese Diskussion ist mir SOWAS von über, das glauben Sie gar nicht. Die führe ich als Angestellte einer Airline im Schnitt mehrmals täglich. Die Einsicht wird aber noch viele Stunden Diskussion erfordern. So lange halt, bis aufgrund erhöhter Rohstoffpreise und weiterer wirtschaftlicher Krise das Fliegen nur noch einem kleineren Kreis möglich sein wird. Da kann man sich jetzt denken, dass das nicht unbedingt in meinem Sinne ist.

Was die schwangere Frau Novemberregen angeht, ist Fliegen nur bis zu einer gewissen Anzahl von Monaten vor der Niederkunft erlaubt. Ganz wie der nachfolgende Sprecher mutmaßte will man eine plötzliche Geburt und die damit verbundene Notlandung vermeiden, mal ganz zu schweigen von uns Helfern, die wir zwar auf alle Fälle vorbereitet aber nicht wirklich hinreichend ausgebildet sind.

fluechtig, Mittwoch, 6. Mai 2009, 21:33   (Permalink )
Fein. Fangen wir hier an und hören wir auf bei genormter Körpergröße (große Leute werfen große Schatten, schlechtes Licht ist schlecht für die Augen), Schuhgröße (große Füße stinken mehr), Religion (im Notfall will man ja denselben Gott anflehen), Schulbildung (wer will schon neben einem Dummen sitzen müssen), erhaltene Impfungen (wer weiß, was der für Bakterien überträgt) etc. etc. etc.

Und ja, jemand, der nur knapp in seinen Sitz passt, fühlt sich sicherlich nicht wohl, und das liegt nicht nur am eigenen fehlenden Komfort, sondern auch an den Blicken ringsherum. Es ist richtig, dass Körperfülle zumeist von zuviel Essen und zuwenig Bewegung herrührt, aber wieviele Menschen haben ähnliche Probleme mit Zigaretten, Medikamten, Alkohol. Übergewichtige tragen ihre Probleme äußerlich gut sichtbar, andere halten sie versteckt.