Freitag, 15. Januar 2010
Ballett
Ich mag weder Oper noch Musical. Leider recht durchgehend, womit ich schon einige Gesprächspartner ratlos zurückgelassen habe, die das so gar nicht verstehen konnten. Das hat viel mit den Gesangsformen zu tun, aber auch mit dem Pathos und der Art und Weise, wie verkünstelt Figuren und Geschichte gestaltet werden. Insofern war ich bislang skeptisch, ob mir Ballett als weitere musikalische Erzählform gefallen könnte. Ich wusste aber sicher, dass mir Prokofievs Musik zu Romeo und Julia außerordentlich gut gefällt; daher war das Risiko, von einer Aufführung des Balletts enttäuscht zu werden, zumindest eingegrenzt.

Und? Es war perfekt. Im Nürnberger Opernhaus, in dessen altem Saal ich ohnehin gerne bin, saßen wir im Rang in der vorderen Loge, von wo aus man einen guten Einblick in die Dekolletés der Bratsch den Orchestergraben und fast die gesamte Bühne hatte. Das Bühnenbild war schwarz und reduziert auf wenige flexible Kastenelemente und Gerüste, so dass sich alles auf die Choreografie und tänzerische Darbietung konzentrierte. Und die war, ebenso wie die musikalische Interpretation durch die Nürnberger Philharmoniker, mitreißend. Ich gebe es nur ungern zu, aber nach dem unglaublich langen Pas-de-deux der beiden Liebenden (Balkonszene usw.) und später auch bei der Ensembleszene nach Tybalts Tod standen mir Tränen in den Augen, so ergreifend war das.

Ich glaube, wesentlich mehr als die eigentliche Geschichte hat mich umgehauen, wie sehr sich die Wirkung von Musik und Tanz im Zusammenspiel intensiviert, sich einerseits die Stimmung der Musik plötzlich aus den Bewegungen und Gefühlen der Tänzer erklärt und umgekehrt die Tänzer diese Musik mit nichts als ihrem Körper zum Leben bringen. Vor allem die Darstellung der Julia (Mathilde van de Wiele) war umwerfend leidenschaftlich.

Ich bin jetzt, einen Tag später, noch ganz erfüllt. Das war wohl nicht mein letzter Ballettbesuch.

Es gibt noch ein paar Karten für die verbleibenden Aufführungen am 16. und 31. Januar sowie am 3. Februar (siehe Link oben).
Einen Eindruck von der Aufführung geben zwei Trailer auf Video.

[giardino, 17:35] Permalink (8 Kommentare) 633



Sonntag, 10. Januar 2010
Wintersport

Wir mussten nicht einmal weit fahren.

[giardino, 17:18] Permalink (19 Kommentare) 2693