Mittwoch, 3. März 2010
Falls es Sie interessiert: Die Gegenseite hat jetzt reagiert. Wenn es nach deren Berechnung ginge, müsste ich nicht nur den Kindesunterhalt zahlen, auch nicht nur das Anderthalbfache — so wie bis vor kurzem—, sondern mehr als das Doppelte. Also sogar noch mehr Unterhalt für sie selbst als zur Zeit der Scheidung, wo sie noch nicht gearbeitet hat so wie jetzt. Ich rechne inzwischen mit einer Klage, denn ich werde auf diese Ansprüche nicht eingehen.

[giardino, 23:50] Permalink (16 Kommentare) 670



Montag, 22. Februar 2010
Zölibat als Grund für den Missbrauch?
Nicht wenige Kirchenkritiker (erst heute haben sie wohl mal wieder Drewermann ausgegraben) meinen ja, die Abschaffung des Zölibats sei wichtig, um der sexuellen Nötigung von Kindern und Gewalt durch katholische Geistliche zu begegnen. Ich glaube nicht, dass darin eine Ursache für das Problem des offensichtlich systematisch nicht verhinderten, wenn nicht sogar begünstigten Missbrauchs liegt. Wenn überhaupt, dann passt der Zölibat in seiner jetzigen Form vielleicht als ein Symptom ins Bild.

Ehemänner und Väter sind zunächst ebensowenig wie Zölibatäre davor gefeit, zu Tätern zu werden. Hier scheint für mich so eine merkwürdige Vorstellung am Werk, dass Sexualität sowas wie eine Flüssigkeit sei, die sich — wenn man sie nicht in akzeptierter Weise mit einem erwachsenen Partner ausleben könne — in anderer Weise z. B. in Kontakt mit einem Kind Bahn brechen würde. Ich glaube nicht, dass das eine eine Kompensation des anderen ist; ich glaube, dass, wer Kinder begehrt, auch nicht durch eine Ehe davon abgebracht wird.

Indirekt vermute ich schon, dass der vorgeschriebene Zölibat auf Männer anziehend wirkt, die ein ungutes Verhältnis zu Sexualität haben und sich dadurch insgeheim womöglich deren erfolgreiche Unterdrückung erhoffen (und später scheitern). Dass ganz generell in der katholischen Kirche immer wieder Menschen mit einem obsessiven, mit Schuld aufgeladenen Verständnis von Sexualität Raum und Resonanz finden, ist auch nicht von der Hand zu weisen (wodurch z. B. ein offener Umgang mit Missbrauchsfällen erschwert wird). Ganz im Gegenteil zu dem, was der alte Mixa derzeit wieder von sich gibt, bin ich der Überzeugung, dass gerade die sexuelle Aufklärung und Enttabuisierung dabei geholfen haben werden, die Mauern des Schweigens und der erbarmungslosen Verdrängung solcher Taten in den vergangenen Jahrzehnten abzusenken.

Das typisch Katholische an diesem Skandal vermute ich aber viel mehr als die Frage der erzwungenen Ehelosigkeit darin, dass die Kirche — offenbar gezielt und systematisch, sogar persönlich durch ihr jetziges Oberhaupt (in seiner früheren Funktion) — vertuscht hat, zum Schweigen gebracht hat, Opfer diffamiert hat, wo sie hätte transparent, offen und auf der Seite der Opfer hätte agieren müssen. Weil sie Angst davor hat, neben ihrer zur Schau getragenen Unfehlbarkeit ureigenste Verfehlungen zugeben zu müssen.

Davon abgesehen glaube ich, dass sexuelle Nötigung und Gewalt gegen Kinder ganz generell überall dort gedeihen, wo wenig Einblick von außen existiert, wo sie alleine gelassen werden und keine Fürsprecher haben, wo Täter nach außen einen unbegrenzten Vertrauensvorschuss besitzen und schlicht: wo es immer wieder Gelegenheiten unbeobachteter Kontakte gibt: Familien natürlich und ganz besonders Heime, aber genauso Schulen, Sportvereine und andere Einrichtungen, in denen sich Kinder und Jugendliche regelmäßig aufhalten.

Umgekehrt gesagt: Bei den jahrzehnte- bis jahrhundertlangen Zyklen, in denen sich kirchliche Grundhaltungen ändern, glaube ich nicht, dass man mit der Abschaffung des Zölibats mittelfristig etwas daran ändern würde, dass im katholisch-kirchlichen Umfeld Kinder sexuell genötigt oder geschlagen werden, auch wenn schon morgen alle geweihten Priester Frau und/oder Familie haben könnten. Da wären andere Maßnahmen meiner Meinung nach unmittelbar effektiver: 1. gnadenlose Offenheit in der Aufklärung von Verdachtsfällen, 2. dauerhafte Entfernung von überführten Tätern aus dem Umfeld von Kindern und Jugendlichen (unter Verlust ihrer kirchlichen Würden), 3. Bestrafung derer, die Verbrechen nachweislich vertuscht haben, 4. Schaffen einer unabhängigen Vertrauens- und Anlaufstelle für Opfer, 5. strukturelle Verringerung von Situationen, in denen Einzelne mit Kindern alleine sind (bzw. immer dieselben Einzelnen). Ein paar dieser Maßnahmen scheint man sich ja jetzt zu Herzen zu nehmen, man wird sehen.

Und, ganz abgesehen davon natürlich, am Allerwichtigsten: Kindern und Jugendlichen genügend Zuneigung zu geben, ihnen ein gesundes Gefühl für Nähe und Distanz zu vermitteln und ihre Selbstwirksamkeit zu stärken.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Zwangszölibat abgeschafft gehört.

[giardino, 20:17] Permalink (39 Kommentare) 1525