Freitag, 29. April 2011
Tu's nicht
Wo wir gerade bei Hochzeiten sind: Als die Möwe und ich im vergangenen Jahr auf dem Standesamt alleine im Flur warteten, um das Aufgebot zu bestellen, kam irgendwann ein junges Paar, schätzungsweise Mitte 20 hinzu. Es war Montagnachmittag, nur eines von zwei Zimmern war in Betrieb. Sie schien sich zu ärgern, dass sie warten mussten, und fragte uns in etwas zickigem Ton, was mit dem anderen Zimmer sei. Wir antworteten, es sei geschlossen. Irgendwie schien sie uns für wartende Deppen zu halten, jedenfalls ging sie daraufhin zur Tür und musste selbst erst nochmal die Klinke drücken, bevor sie uns glaubte. Beide setzten und unterhielten sich, und in der Folge stellte sich ihre Zickigkeit als Normalzustand heraus. Ihr Verlobter schien lieb und sympathisch zu sein und war ununterbrochen bemüht, sie bei Laune zu halten, während sie ihn mit genervt-nerviger Stimme zu allem wissen ließ, was sie für richtig und vor allem für falsch hielt. Grausig.

Schließlich wurde das Büro der Standesbeamtin frei, wir gingen hinein und besprachen und bestellten unser Aufgebot. Als wir uns verabschiedet und an dem ungleichen Pärchen vorbei das Standesamt verlassen hatten, blieb mir ein schlechtes Gewissen, ein wenig sogar bis heute. Hätte ich dem jungen Mann nicht beim Rausgehen einen Zettel zustecken sollen, sowas wie "Tu's nicht!", irgendeinen Hinweis, der ihn vielleicht noch von seinem Pfad ins offensichtliche Unglück hätte abbringen können, etwas, womit ich zumindest hätte sagen können, ich hätte es versucht?

Irgendwann , als wir die Hochzeit längst hinter uns hatten, noch vor der Hochzeit erzählten wir einer der Möwenschwestern bei ihrem Besuch von dem Pärchen. Und heute morgen, viele Monate später, finde ich in der Tasche meines Morgenmantels einen Zettel von ihr:

[giardino, 19:59] Permalink (15 Kommentare) 1042



Donnerstag, 28. April 2011
Zurück
Sieben Wochen kein Blogeintrag, durchgehalten. Gut, das war wohl der einfachste Part. Sieben Wochen kein Blogger.de-Admin zu sein war da schon schwieriger, das habe ich nicht durchgehalten. Aber es tat mir auch nicht gut, so wie mir dieses Tag-und-Nacht-Spammer-Löschen und mit-SEO-Gesindel-Herumschlagen in der ganzen letzten Zeit schon nicht mehr gut tat. Deswegen habe ich heute abend den Admin endgültig an den Nagel gehängt und werde ab jetzt wieder einfacher Blogger wie alle anderen sein. Die Entscheidung hat ein bisschen gebraucht, aber ich glaube, das war schon mal eine der hilfreicheren Einsichten, die mir die letzten Wochen gebracht haben.

Die Finger von Twitter zu lassen habe ich schon gar nicht geschafft. Aber das war okay, denn dort zu lesen, zu schreiben und Antworten zu bekommen tat mir gut. Ich glaube, man sollte sich nicht unnötig von menschlichem Austausch fern halten, wenn man ihn braucht. Und gebraucht habe ich ihn, angesichts weiterer Niederlagen in Bewerbungsdingen und der nunmehr langsam zementierten Aussicht, dass ich so schnell wohl nicht von dort wegkomme, wo ich gerade bin. Worüber ich im Übrigen schon gar nichts mehr schreiben mag; nicht nur, dass ich vermute, euch mit diesem Thema langsam zu nerven, vor allem mag ich selbst mein Hadern darüber nicht mehr lesen.
Aber es gab auch Wunderbares. Das Wochenende mit dem Vokalensemble in der Nähe von Celle, wo wir in einer kleinen Kirchengemeinde und auf dem Hof einer bekannten (nicht bloggenden oder twitternden) Übersetzerin eine ganz warmherzige Gastfreundschaft erleben durften. Darauf folgte ein langes Wochenende mit einer Gruppe von — mir bis dahin nur zur Hälfte persönlich bekannten — Bloggern samt Bloggerinnenmann und verschiedenen Bloggerkindern auf Helgoland, das lustig war und sonnig und intensiv und schön. Ganz besonders wie wir gemeinsam entlang der Dünen neben lauter in der Sonne dösenden Robben spazieren gingen war... so wundervoll und erhebend, dass man irgendwie nur ganz leise darüber sprechen möchte.
Dann standen die Möwe und ich nach jahrelanger, unergiebiger Suche vor drei Wochen plötzlich unverhofft in unserem Traumhäuschen, nur wenige Kilometer von unserer jetzigen Wohnung entfernt. Kein blöder Kompromiss dabei, kein "naja, dies oder das ist jetzt nicht so gut" — es ist einfach für uns gemacht. Und wir können es sogar finanzieren; wenn alles gut geht, werden wir in den nächsten anderthalb Wochen den Notarvertrag unterschreiben und können Anfang 2012 einziehen, worauf wir uns riesig freuen.

Morgen kommt mein Bruder mit seinen Kindern, am Samstag meine Schwester mit Familie, und dann werden wir gemeinsam kochen, so wie wir schon letztes Jahr unsere Geschwister-kochen-zu-Ostern-Tradition haben wieder aufleben lassen. Ich freue mich drauf. Und vielleicht schaffe ich demnächst auch hier mal wieder die Kurve hin zu mehr Inhalt. Ich bin da nicht ganz unzuversichtlich.

[giardino, 01:10] Permalink (23 Kommentare) 1145