Montag, 2. Mai 2011
Vertrauen und Geduld
Ich glaube, die Absage der wirklich tollen Stelle vor zwei Monaten, die sich zudem nochmal um fast zwei Wochen verzögerte, hat mich doch mehr getroffen, als mir lieb ist.

Nach dem Vorstellungsgespräch hatte ich ein klares, gutes Gefühl, die Leute überzeugt zu haben und die Stelle zu bekommen, und auf mein Gefühl kann ich mich normalerweise ganz gut verlassen. Als dann erst die Verlängerung der Entscheidungsfrist und am Ende doch eine Absage kam, scheint wohl auch mein Grundvertrauen einen Knacks erhalten zu haben. Und, so gesehen auch nicht zum ersten Mal, nachdem ich ja schon im vergangenen Jahr deutlich schlechter als vorausgeahnt aus dem Unterhaltsverfahren kam.

Jedenfalls traut mein Kopf meinem Gefühl zurzeit nicht mehr so recht; ich glaube, die Maklerin hätte mir, als sie heute den Notartermin fürs Haus um weitere zwei Wochen nach hinten verschob, genausogut sagen können, der Verkauf hätte sich erledigt — ich hätte mich kaum anders gefühlt. Innere Stimmen, die meinen, das würde doch eh wieder nichts, mit dem Häuschen, hör auf, dich drauf zu freuen.

Es gibt weiß Gott schlimmere Unwägbarkeiten, mit denen Menschen zuweilen leben müssen. Ich weiß das, und doch würde ich mir wünschen, dass sich auch mal wieder was vollendet, auf das ich hinarbeite. So fürs kleine Vertrauen zwischendurch, dass Dinge sich zum Guten entwickeln.

[giardino, 19:39] Permalink (9 Kommentare) 924



Sonntag, 1. Mai 2011
Geschwister-Ostermenü
Von irgendwann in den Achtzigern bis Anfang der Neunziger trafen wir Geschwister uns zu Ostern, um gemeinsam etwas Anspruchsvolles zu kochen. (Ich selbst, ungefähr zehn Jahre jünger als meine Schwester und mein Bruder, war damals natürlich eher Hilfskraft als Mit-Koch.) Vor einem Jahr, nach dem erfolgreichen Geburtstagsmenü für unseren Vater haben wir diese Tradition wiederbelebt. Und weil es mit dem Osterwochenende selbst nicht immer einfach ist, fanden wir uns dieses Jahr erst am darauffolgenden Samstag ein, nämlich gestern. Zu neunt — womit ungefähr die Kapazitätsgrenze unserer Küche erreicht war — haben wir Erwachsenen den ganzen Tag geputzt, geschnibbelt, gerührt, püriert, gebraten und dabei geratscht und schließlich am Abend die vier Gänge in vielleicht drei, vier Stunden zusammen mit jeweils einem passenden Wein verspeist. Es gab vorneweg kleine Häppchen von geröstetem Idiotenbrot mit Knoblauch+Kräutern, Auberginencrème oder in Honig+Öl+Rosmarin eingelegtem Ziegenkäse.
Der erste Gang war Spargel, im Ofen mit Lachsfiletstreifen "überbacken" und einer Orangensauce angegossen. Eine fantastische und feine Kombination, kommt auf die Merkliste für festliche Menüs. Genauso sensationell der zweite Gang, eine Rote-Bete-Suppe mit gebratenen Krabben und frisch drübergeriebenem Meerrettich, der kleine Schärfetupfer zur würzig-süßlichen Suppe setzte (die ansonsten nichts mehr mit dem sonst eher dumpf-groben Geschmack von Roter Bete gemein hatte). Der Hauptgang war ein großes Stück Entrecôte vom Rind, nur mit Salz und Pfeffer gewürzt im Bräter gebraten, in der Mitte rot und butterzart, dazu ein bisschen Sauce Bernaise und Rosmarin-Ofenkartöffelchen ohne Rosmarin (den wir irgendwie auf der Arbeitsplatte vergessen hatten). Der klare Star des Abends, der keine weiteren geschmacklichen Nebendarsteller benötigte. Zum Abschluss dann noch Frozen Yogurt mit einer Erdbeer-Rhabarber-Sauce, der im Gegensatz zum ersten Versuch am vergangenen Wochenende so oft in der Eismaschine gerührt worden war, dass er sahnig-cremig ganz ohne Eiskriställchen blieb. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon so belämmert-selig-satt (nicht zuletzt, weil ich natürlich zu jedem Gang zwei Gläser vom jeweiligen Wein trinken musste), dass ich ganz vergaß, auch noch den Nachtisch zu fotografieren.

War das schön. Und lecker. Nächstes Jahr unbedingt wieder. Mal sehen, vielleicht dann sogar schon in unserer neuen Küche.

[giardino, 13:26] Permalink (9 Kommentare) 822